Zürich
Nur eine Schule im Kanton ist miserabel

Die Qualität der Volksschule ist im Grossen und Ganzen gut. Das ist das Fazit aus dem ersten Jahresbericht der Fachstelle für Schulbeurteilung. An einer Schule wurden aber schwerwiegende Mängel festgestellt.

Drucken
Teilen
Schlue

Schlue

Limmattaler Zeitung

Alfred Borter

Bildungsdirektorin Regine Aeppli weiss, dass die Fachstelle für Schulbeurteilung nicht überall mit offenen Armen empfangen wurde. Aber sie ist überzeugt, dass der Wechsel von der Laienaufsicht durch die inzwischen abgeschaffte Bezirksschulpflege zu einer professionellen Aufsicht die Qualität der Schule förderlich ist.

Die Fachstelle für Schulbeurteilung hat nun ihren ersten Bericht vorgelegt. Eine Rangliste der überprüften Schulen werde man darin aber vergeblich suchen, hielt Aeppli fest. Das sei nicht das Ziel, sondern es gehe in erster Linie darum, den Schulen zurückzumelden, wo sie gut oder sehr gut dastehen und wo man noch Verbesserungsbedarf orte. Nötigenfalls wird von einer Schule, deren Qualität als ungenügend angesehen wird, verlangt, dass sie einen Massnahmenplan vorlegt, aus dem hervorgeht, wie sie die Schwächen angehen will.

Wie Jürg Frey, Leiter der Fachstelle, erwähnte, befand sich unter den im letzten Jahr untersuchten 84 Schulen eine einzige, bei der man schwerwiegende Mängel feststellte. Wenn sich die ergriffenen Massnahmen als ungeeignet erweisen sollten, erfolgt eine Meldung ans Volksschulamt. Er ist überzeugt, dass die Arbeit der Fachstelle «trotz Bedenken anerkannt werden wird».

Die Bildungsdirektion könnte aufgrund des Öffentlichkeitsprinzips, das im Informations- und Datenschutzgesetz festgehalten ist, die Evaluationsergebnisse der einzelnen Schulen veröffentlichen.

Sie tut dies aber nicht, um den einzelnen Schulen die Möglichkeit zu geben, die Ergebnisse selber im Internet zugänglich zu machen und gleichzeitig anzugeben, wie sie den festgestellten Schwächen beikommen wollen. Bisher haben allerdings erst wenige Schulen diese Transparenz hergestellt, etwa Stäfa, Eglisau, Hausen am Albis und die Schulen in Oberwinterthur.

Ganz generell stellte der Fachstellenleiter Jürg Frey fest, dass die Schulqualität erfreulich ist. Ein Resultat, das Regine Aeppli «nicht verwundert», wie sie sagte. Gut bis sehr gut erfüllt sind die Ansprüche bei der Förderung der Schulgemeinschaft, in Bezug auf lernförderndes Klassenklima, Strukturierung des Unterrichts und Verbindlichkeit der Schulregeln, wobei die Eltern das Einhalten und Durchsetzen von Regeln als weniger gut einstufen als die Lehrpersonen und die Schüler. Die Eltern finden auch, sie würden über die schulische Entwicklung ihrer Kinder zu wenig informiert.

Die grosse Mehrheit der Schülerinnen und Schüler fühlt sich in der Schule wohl und sicher. In einigen Schulhäusern gibt es allerdings Klassen, in denen es nicht gelingt, ein störungsfreies Klima zu erreichen. Am ehesten fanden sich Defizite bei der Individualisierung des Unterrichts, auch wurde die Förderung besonders begabter Schüler nicht als gut beurteilt.

Lilo Lätzsch, Präsidentin des Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverbands, sagte, die Evaluation sei an sich eine gute Sache. Sie dürfe aber nicht zu einer Gleichschaltung führen. Jede Schule habe andere Voraussetzungen und müsse einen gewissen Freiraum haben. Das gelte auch für die einzelnen Lehrpersonen.

Aktuelle Nachrichten