Pfarrer Olaf Wittchen

Olaf Wittchen schickt schon wieder Emails

Am Ostermontag verunfallte Pfarrer Olaf Wittchen in Italien mit seinem Motorrad. Vom Spitalbett der Rehaklinik in Schinznach Bad aus kümmert er sich bereits wieder um seine Konfirmanden der reformierten Kirchgemeinde Lenzburg oder schreibt Artikel für Zeitschriften.

Irena Jurinak

Leicht fällt es Pfarrer Olaf Wittchen nicht, «seine» Kirchgemeinde so plötzlich im Stich lassen zu müssen. «Ich will so bald wie möglich wieder zu 100 Prozent für sie da sein.» Am Ostermontag war der reformierte Pfarrer aus Lenzburg auf einem Ausflug an den Comersee mit seinem Motorrad verunfallt; in einem Kreisel prallte er in ein Fahrzeug, welches unvermittelt gebremst hatte. Im Spital in Sondrio, Italien musste er am Becken operiert werden, bevor er nach Aarau verlegt und ein zweites Mal operiert wurde.

Seit einer Woche erholt sich Olaf Wittchen - seit bald acht Jahren Pfarrer in der reformierten Kirchgemeinde Lenzburg-Hendschiken - in der Rehaklinik Schinznach Bad. Er sitzt an einem Tischchen in seinem Spitalzimmer, vor ihm steht ein Laptop. «Seit gestern habe ich Internet und kann meine Emails lesen», sagt er. Bereits schreibt der Pfarrer wieder Briefe oder Artikel für Zeitschriften, bearbeitet die Fotobestellungen von der Konfirmation und bereitet das für Anfang August geplante Segellager für die Nachkonfirmanden vor. «Bis dann will ich wieder richtig fit sein, damit ich auf dem Boot auch zupacken kann.»

Pfarrer im statt neben dem Bett

Dass für einmal er derjenige ist, der im Spitalbett liegt und besucht wird und nicht umgekehrt, sei für ihn eine gute Erfahrung, erzählt er. «Ich spüre, wie gut es der Seele tut, wenn jemand da ist, der zuhört, dem man seine Geschichte erzählen kann.» Aus eigener Erfahrung als Seelsorger wisse er, dass bei Unfällen auch die Seele verletzt werde könne. «Fromme Sprüche helfen dann nicht, man muss sich dem Menschen widmen und zuhören.»

Himmlische Spital-Metaphern

Auch bei anderen Gelegenheiten wird der Pfarrer im Spitalalltag zuweilen an seinen nicht ganz alltäglichen Beruf erinnert. Beispielsweise wenn seine Physiotherapeutin eine Metapher vom guten und bösen Bein mit welchen man nach oben in den Himmel oder nach unten in die Hölle steige, benutzt. «Darüber haben wir herzlich gelacht.»

Noch muss Olaf Wittchen sich mit einem Rollstuhl oder einer Gehhilfe fortbewegen, er darf seine Beine erst in vier Wochen wieder belasten. Zurzeit steht deshalb Physio- und Ergotherapie auf dem Programm. «Mit der rechten Hand kann ich schon wieder 20 Kilogramm heben, links noch nicht.» Er freue sich, dass alles wieder in Gang komme. «Es ist, wie es ist, ändern kann ich es nicht. Ich freue mich über jeden kleinen Fortschritt.»

In seiner Gemeinde gehe das Leben weiter, während bei ihm die Krankheit die Prioritäten setze. «Doch Zetern und Zagen hilft nicht, ich versuche so schnell wie möglich fit zu werden.» Dabei helfe auch das gute Pfarreiteam und die Unterstützung seiner Kolleginnen Pfarrerin Susanne Ziegler und Pfarrerin Pascale Gerber, für die sein Ausfall eine erhebliche Mehrbelastung bedeute.

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