Ein Mann läuft mit einem Plakat durch die Strassen Londons. Darauf steht «Fuck the Poor», oder frei übersetzt «Scheiss auf die Armen». Eine versteckte Kamera filmt die Reaktionen der Passanten.

Viele sind empört und halten nicht mit ihrer Meinung zurück: «Das ist ekelhaft», meint eine Frau, «Du stehst da wie ein Idiot», findet eine andere. «Ich war selber zwei Jahre lang obdachlos», schildert ein Fussgänger und ein Polizist findet es schlichtweg beleidigend.

Im zweiten Teil des Videos geht der selbe Mann mit einer Sammelbüchse und der Aufschrift «Help the Poor» («Hilf den Armen») durch die Fussgängerzone. Resultat: Die Passanten ignorieren ihn.

Das Video der provokativen Aktion einer britischen Hilfsorganisation sorgt derzeit im Internet für Aufruhr. Die Botschaft dahinter ist klar: Empörung ist eine Sache, Unterstützung eine andere.

(Quelle: Youtube/The Pilion Trust Charitiy)

Fuck the Poor?

Test auf Schweizer Strassen

Doch wie reagieren Schweizer auf das Experiment? Der Regionalsender Tele M1 hat die Aktion in Aarau wiederholt.

Mit der Aufschrift «Scheiss auf die Armen» wagt sich die Fernsehreporterin unters Volk und sammelt Unterschriften für die  Abschaffung der Sozialhilfe.

Im Gegensatz zu den Briten bleiben die meisten Schweizer unbeeindruckt. Bis auf wenige Ausnahmen erntet sie höchstens ein paar böse Blicke.

«Scheiss auf die Armen» - das Schweizer Experiment

«Scheiss auf die Armen» - das Schweizer Experiment

Diese Reaktion überrascht Doris Stump, Präsidentin der Aargauer Sektion «Winterhilfe», nicht.

In der Schweiz seien arme Menschen viel zurückhaltender und schämten sich, an die Öffentlichkeit zu gehen. «Vielleicht auch, weil die Schweiz ein besseres Sozialsystem als England hat.»

Und die Schweizer sind auch grosszügiger. Die Passanten in der Aarauer Altstadt lassen sich leicht zu einer Spende überreden, sobald auf dem Schild «Helft den Armen» steht.

«Wir wissen, dass die Schweiz ein sehr spendenfreudiges Land ist», so Stump. «Alle Aufrufe für konkrete Hilfsaktionen werden gut beachtet.»

Das Geld aus der Sammlung gab das Fernsehteam übrigens anschliessend wieder an die Spender zurück. (cze)