Umbau
Schnelle, richtige Lösung gefragt

Endlich tut sich was in Sachen Stadt-Casino: Die Generalversammlung der Casino-Gesellschaft wird am Montag über die Umbaupläne des Verwaltungsrats informiert. Doch die Detailplanung mit dem Kanton Basel-Stadt beginnt erst jetzt.

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Erneuerung

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bz Basellandschaftliche Zeitung

Christian Fluri

Eigentlich gäbe es für das Stadt-Casino Basel nur eine Lösung: Den Bau aus den späten 1930er-Jahre abreissen und um den Musiksaal, der einer der besten der Welt ist, ein neues Gebäude mit einem schönen Foyer, einem zweiten kleineren Konzertsaal und Gastrobetrieben errichten.

Doch ist das nach dem Nein der Basler Bevölkerung zu dem von Zaha Hadid entworfenen Neubau nicht möglich. Die Verlängerung des Vertrags zwischen der Casino-Gesellschaft und dem Restaurationsbetreiber Gastrag bis 2027 steht einem Neubau entgegen: «Die Gastrag hat signalisiert, dass sie an einem Neubau kein Interesse hat, weil der Bauprozess zu lange dauert», sagt Christoph Gloor, der Verwaltungsratspräsident der Casino-Gesellschaft, im Gespräch mit der bz.

Zudem beginnt die Gastrag am Montag mit dem Umbau der Restaurationsbetriebe - dies in Absprache mit dem Verwaltungsrat der Casino-Gesellschaft, wie Gloor bestätigt (siehe bz gestern).
Der alles andere als schöne Klotz bleibt Basel also erhalten. Nun aber planen die Casino-Gesellschaft und der Kanton Basel-Stadt gemeinsam eine umfassende Renovation mit gleichzeitigem Umbau des Stadt-Casinos mit Musiksaal. Christoph Gloor hofft, dass der Umbau im Jahr 2013 realisiert ist.

Eine Projektgruppe, bestehend aus drei Vertretern der Casino-Gesellschaft - Christoph Gloor, dem Bauherrn Urs Giger und Tobit Schäfer, Mitglied der Casino-Kommission - und drei Vertretern des Kantons Basel Stadt - dem Generalsekretär des Präsidialdepartements, Marc Steffen, dem Leiter der Abteilung Kultur, Michael Koechlin, und dem Kantonsbaumeister Fritz Schumacher, nimmt nun die Planung in Angriff (siehe bz vom 29. Mai).

Unzumutbare Zustände

Klar ist, und das sagt auch Christoph Gloor, es eilt: Denn die Zustände im Stadt-Casino sind sowohl den Musikerinnen und Musikern als auch dem Publikum nicht mehr zu lange zuzumuten. Der Foyerbereich mit den Zuschauer-Garderoben gleicht dem Korridor eines abgetakelten Spitals. Die Künstler- und Orchestermusikergarderoben sind eng und ziemlich verlottert. «Wenn wir ein Konzert mit mehr als einem Dirigenten und einer Solistin veranstalten, haben wir bereits ein Platzproblem», erklärt Manfred Jung, Geschäftsführer der Allgemeinen Musikgesellschaft, der Hauptmieterin des Musiksaals. Und im Musiksaal selbst leiden Musiker und Publikum unter den klimatischen Verhältnissen.

«Die Besucher kommen zum Konzert und machen keine Reise in tropische Gebiete», merkt Manfred Jung an. Er ist froh, dass der Umbau nun vorangetrieben wird. Denn die Städte Luzern, Freiburg im Breisgau und Zürich locken mit komfortablen Konzertsälen.

Der Umbau müsse weitgehend innerhalb des heute bestehenden Grundrisses erfolgen, ist Gloor überzeugt. «Wir können die Gebäudehülle nicht sprengen.» Höchstens die Errichtung eines neuen Eingangsbereichs mit geringstem Ausbau auf der Seite zur Barfüsserkirche sei möglich. «Wir müssen mit Einschränkungen leben», folgert Gloor.

Die Ein-Saal-Strategie

Ausgang der Planungsüberlegungen der für den Umbau eingesetzten Casino-Kommission war die Positionierung des Stadt-Casinos als Kulturhaus für Musik von «hoher bis höchster Qualität». Dabei soll es Heimstätte des Sinfonieorchesters Basel werden. Deshalb ist ein Proberaum geplant, «der auch an Dritte vermietet werden kann», wie die Kommission festhält. Der Foyerbereich soll erneuert und ausgebaut werden, ebenso der Bereich der Künstlergarderoben.

Deshalb verfolgt die Kommission nun eine «Ein-Saal-Strategie». Das heisst, der Festsaal wird dem neuen Foyerbereich geopfert, wie Gloor bestätigt. Auch der Hans-Huber-Saal (siehe Text unten) soll aufgegeben werden - vor allem zugunsten neuer Künstlergarderoben. «Wir wollen nicht leichtfertig, die beiden Säle aufgeben. Wir sehen schlicht keine andere Möglichkeit», sagt Gloor. Doch machten die Einnahmen aus dem Hans-Huber-Saal nur gerade zehn Prozent der gesamten Mieteinnahmen aus, die des Musiksaals aber 75 Prozent.

«Wir fragen uns, ob nicht ein Saal genügt. Dafür soll das Foyer bespielbar sein. Das wäre aber eher ein Raum für U-Musik, sagt Gloor.

Noch ist alles offen

Nachgedacht wird zudem, inwieweit der Musiksaal multifunktional gestaltet werden kann. Einmal sollen hier Bankette abgehalten werden. Gloor denkt über mögliche Abtrennungen in kleinere Raumeinheiten nach. So wären auch hier Kammermusik-Konzerte möglich.

Regierungspräsident Guy Morin will sich noch nicht festlegen. «Ich entscheide mich heute für keine Variante, weder für die Ein-Saal-Lösung noch für den Erhalt des Hans-Huber-Saals», unterstreicht er. Er müsse zuerst die Unterlagen der Casino-Gesellschaft studieren. Zudem sei es nun Aufgabe der Projektgruppe, die richtige Lösung zu finden. Auch einen Anbau schliesst Morin nicht aus: «Das Zaha-Hadid-Projekt ist auch an seinen grossen Dimensionen gescheitert.» Die Basler Bevölkerung wolle keinen starken Eingriff in den Barfüsserplatz.

Aber auch der heutige Grundriss ist für Morin nicht sakrosankt. Er kann sich sehr wohl eine Lösung vorstellen, die sich in der Grösse zwischen dem heutigen Bau und dem Zaha-Hadid-Projekt bewegt. Eine Möglichkeit wäre, die Baulücke zwischen dem Verwaltungsgebäude des Historischen Museums und dem Stadt-Casino mit einem Anbau zu schliessen. «Solche Überlegungen haben wir nicht gemacht», räumt Gloor auf Anfrage ein.

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