Tipp des Weinexperten

So können Sie den guten Tropfen auch noch Wochen nach dem Öffnen trinken

Den zu konservierenden Wein in eine PET-Flasche umfüllen und die Luft herausdrücken macht ihn mehrere Monate haltbar.

Den zu konservierenden Wein in eine PET-Flasche umfüllen und die Luft herausdrücken macht ihn mehrere Monate haltbar.

Weinkenner René Gabriel kennt einen simplen Trick, um Weinreste haltbar zu machen. Man muss sich allerdings früh entscheiden, wie viel man trinkt.

Nach der gemütlichen Weihnachtsfeier stehen wir immer wieder vor dem gleichen Problem: Die Gläser sind leer, die Weinflaschen noch halb voll. Niemand erbarmt sich, den Rest des edlen Tropfens noch zu trinken. Muss sich jetzt der Onkel opfern und sich den Genuss antun? Nein, denn es gibt verschiedene Ansätze, mit denen Wein aufbewahrt werden kann – ein Tipp überzeugt besonders.

Weinexperte René Gabriel wird an Kursen und Events oft gefragt, was zu tun ist, wenn man es nicht schafft, einen guten Wein auszutrinken. Er hat die passende Antwort jeweils schon im Kopf: «Aufhören, guten Wein zu trinken.» Doch als Experte kann er eine solche Antwort schlecht geben, wie er in seinem neuen Buch «Goldene Nase» schreibt. Er verstehe, dass in gewissen Situationen eine halbe Flasche (37,5 cl) zu wenig und eine ganze Flasche (75 cl) zu viel sei.

Nicht mal für den Salat geeignet

Einfach stehen lassen kann man den Wein nicht. Durch den Kontakt mit Luft oxidiert er und der Geschmack und die Farbe verändern sich. Im schlimmsten Fall entsteht aus dem veredelten Traubensaft Essig. Mit der Luft gelangen Essigbakterien in den Wein, sie wandeln den Alkohol (Ethanol) mithilfe von Sauerstoff zu Ethansäure (Essigsäure) und Wasser um. Besonders gemein: Man kann das Wein-Essig-Gemisch nicht mal für die Salatsauce verwenden, denn durch den unkontrollierten Umwandlungsprozess können auch andere Mikroorganismen den Wein als Brutstätte missbrauchen und giftige Abfallprodukte produzieren.

Der Weinhandel bietet verschiedene Systeme zur Lösung des Problems an, zum Beispiel die manuelle Pumpe: Ein Gummikorken wird auf die Flasche gesetzt und durch abpumpen der Flasche die Luft entzogen. «Ich behaupte, dass dabei fast das gesamte Bouquet weggesaugt wird», glaubt Weinverkoster Gabriel.

Eine Alternative ist die Stickstofflösung: Auf den Hals der angetrunkenen Flasche wird eine Art Gaspatrone gesetzt und Stickstoff in die Weinflasche gepumpt. Da er schwerer ist als Sauerstoff, bildet sich in der Weinflasche ein Stickstoffteppich zwischen Wein und Luft. Ganz weg bringt man den Sauerstoff auf die Weise aber nicht, die Oxidation wird nur teilweise verhindert. Diese Lösung bezeichnet Gabriel deshalb nur als «bedingt gut».

Beeindruckend dagegen ist die Variante, die Gabriel kürzlich in einer Weinhandlung in St. Emilion gesehen hat. Direkt nach dem Entkorken wird ein dichtes Abschlusssystem auf den Flaschenhals montiert. Mittels eines Knopfes kann Stickstoff in die Flasche gepumpt werden. In der Mitte der Flasche befindet sich ein dünnes, verchromtes Röhrchen, welches durch eine Leitung mit dem Weinglas verbunden ist. Wenn durch den einfliessenden Stickstoff Druck auf den Wein erzeugt wird, fliesst er durch das Chromröhrchen direkt ins Glas des Liebhabers. Die Apparatur ist aber ziemlich teuer (250 bis 400 Franken) und eine Gaspatrone nur für etwa drei Flaschen reichen. Gabriel meint darum: «Dieses Hightech-System kostet mehr als so manche sehr gute Flasche Wein.»

Was aber rät Gabriel dann? «Ganz einfach», sagt er. «Sie entscheiden direkt nach dem Öffnen, wie viel Sie nicht trinken wollen. Diese Menge füllen Sie sofort in eine sauber gewaschene, etwa drei Deziliter grosse, leere PET-Flasche. Dann drücken Sie so lange die Luft raus, bis die Flasche voll ist und verschliessen diese mit dem Schraubverschluss.» Wenn man Weisswein haltbar machen will, kommt die Flasche in den Kühlschrank. Handelt es sich um Rotwein, muss sie in den Keller oder Weinschrank. Man sollte die Fläschchen zur Sicherheit mit dem Datum und Weinnamen anschreiben. Gabriel: «Dieses einfache System ist billig, effizient und erstaunlich sicher! Hier gebe ich eine Garantie von mehreren Monaten.»

Nur kurz aufbewahren

Wer den angefangenen Wein ganz sicher schon am nächsten Tag fertigtrinken will, hat es leichter. Die Weinflasche einfach verschlossen in den Kühlschrank stellen. Ja – Rotwein auch. Die kühle Temperatur verhindert das Oxidieren, Essigbakterien können schlecht wachsen. Rotwein sollte aber genug früh vor dem erneuten Konsum aus dem Kühlschrank genommen werden, damit die Temperatur stimmt.

René Gabriel: «Goldene Nase», Werdverlag.ch, 350 Seiten. Fr. 69.–.

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