Kolumne

«Söll emal cho!», «E suuberi Sach», «Dörfs es bitzli meh si?»: Die Lieder des Trio Eugster sind der perfekte Soundtrack zur Medienpolitik

Die jüngsten medienpolitischen Entscheide könnten von den Songtiteln der Schweizer Volksmusiker inspiriert sein.

«Söll emal cho!», schrie 1977 ein verzweifelter Thurgauer Rentner in die versteckte Teleboy-Kamera. Das Trio Eugster adaptierte den Spruch und machte daraus einen Volkshit – mit ungewohnter Nachhaltigkeit.

«Söll emal cho!» ist schon jetzt das Leitmotiv des Jahres. Gemeint sind die Staatsmillionen aus Bern: Über 100 Milliarden Franken – also fünfmal die Neat – sind bereits gesprochen, über 100 Millionen sollen den notleidenden Medien zugutekommen, einer Branche also, die Staatsunabhängigkeit zu ihrer DNA hochstilisiert hat. Um mit den Worten Eugsters zu singen: «E suuberi Sach».

Freuen dürfen sich dabei die meisten: die Tageszeitungen, die Wochenzeitungen, die Privatradios, das Privatfernsehen und einige Onlinemedien. Dass Gratiszeitungen und viele Kleinverleger beim Berner Geldsegen leer ausgehen, gehört zu den Ungerechtigkeiten des Systems.

Dafür bekommt die SRG – so en passant – noch 50 Millionen Franken zugesprochen, quasi als Solidaritätsbatzen in schwierigen Zeiten. Mit einem Eugster-Hit wohl klopfte die Medienministerin bei den SRG-Bossen an: «Dörfs es bitzli meh si?»

Eigentlich sind Staatsgeld und staatliche Unabhängigkeit wie Feuer und Wasser. Doch in diesen Zeiten interessiert dies keinen. Das Trio Eugster ahnte schon immer: «Es muess än Virus si.» Haben die drei Dübendorfer für ihre eigene Systemrelevanz je einen Staatsbatzen bekommen? Finanzministers Maurer Antwort wäre klar: «Oh läck du mir.»

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