Auf dem Foto, das in den sozialen Medien kursierte, stand das Flugzeug mit der Kennung HB-PIC mitten im Schnee im Mont-Blanc-Massiv. Zwei Alpinisten davor hantieren mit Klettergurten, Steigeisen und einem Seil. Laut Angaben der französischen Polizei hat das Flugzeug verbotenerweise und in unmittelbarer Nähe zum mit 4810 Metern höchsten Alpengipfel auf dem Gletscher aufgesetzt.

Der Zweiplätzer war am Dienstagmorgen von Genf losgeflogen in Richtung Mont-Blanc. Via Twitter beschwerte sich der Bürgermeister von Chamonix am Fusse des Mont-Blanc über die nicht tolerierbare Beeinträchtigung der Natur im Hochgebirge.

Während die französischen Behörden noch nach einem geeigneten Straftatbestand suchen, hat das Schweizer Bundesamt für Zivilluftfahrt Ermittlungen aufgenommen. Laut einem Sprecher ist derzeit aber unklar, ob die Franzosen oder die Schweizer federführend sein sollen bei der Strafuntersuchung.

Klar ist: Es gibt am Mont-Blanc-Massiv einen offiziellen Gebirgslandeplatz, am Fuss des 4304 Meter hohen Dôme du Goûter. Glaubt man den Beteuerungen des Club Aéronautique de Genève, dem das Flugzeug gehört, war der offizielle Gebirgslandeplatz auch das Ziel des Piloten.

Cédric Pasche ist Gebirgspilot und war der erste Gebirgsfliegerei-Instruktor in Genf, wie er dieser Zeitung am Telefon sagt. Vor einem Jahr ist Pasche aus dem Club Aéronautiqe de Genève ausgetreten, weil er von Genf wegzog. Pasche glaubt, den Piloten zu kennen, der das Flugzeug am Dienstag zum Mont-Blanc geflogen hat. Doch auch er ist sich nicht sicher, ob die Landung legal oder illegal war. „Wenn der Pilot die Maschine an einem dafür nicht vorgesehenen Ort aufgesetzt hat, so wird er die Konsequenzen tragen müssen“, sagt er. Ein solches Verhalten sei nicht zu tolerieren.

„Es handelt sich um einen sehr technischen Landeplatz dort oben. Die Höhe und die vielen Alpinisten machen Landungen besonders anspruchsvoll“, sagt er. Pasche geht daher von einem „sehr erfahrenen“ Gebirgspiloten aus. Deshalb glaubt er nicht an einen Irrtum seitens des Piloten.

Im Streit um den „verbotenen“ Flug zum Mont-Blanc steht also Aussage gegen Aussage. Der Genfer Aviatik-Club will den Vorfall nicht weiter kommentieren und verweist einzig auf sein dürres Communiqué. Darin steht, die Landung habe korrekterweise auf dem dafür vorgesehenen Landeplatz stattgefunden. Komplett anderer Meinung sind die französischen Behörden: Für sie handelten die Schweizer illegal.

Laut Augenzeugen – Bergsteigern auf dem Weg zum Gipfel – war nach der Landung die französische Gendarmerie mit einem Helikopter rasch vor Ort. Sie wiesen den Schweizer Piloten an, das Gebiet wieder zu verlassen. Was er auch tat.