Peter Keller

Die Blachen, die die mächtigen Holzstapel vor der Witterung schützten, waren am Montagnachmittag noch schneebedeckt. Der Chauffeur des Anhängerzuges manövrierte vorsichtig durch die Waldstrassen. Der lange Winter hat dazu geführt, dass in den Wäldern zwar die üblichen Fäll- und Rüstarbeiten durch die Forstequipen planmässig ausgeführt werden konnten, aber der Abtransport des Rohmaterials war im Februar und März bisher kaum möglich.

Zwei Jahre getrocknet

Der Forstbetrieb Unterendingen verkauft schon seit Jahren über das Holzhandels- und Transportgeschäft Vögele (Bachs) Brennholz ins Tessin. «Pro Jahr rüsten wir zwischen 200 und 300 Ster Buchenholz-Spälten auf», sagt Forstmitarbeiter Willi Hauenstein.

Die Unterendinger verkaufen das Holz trocken ab Wald. Es muss vor der Lieferung mindestens während zweier Sommer austrocknen, damit es als qualitativ hochwertiges Brennholz verwendet werden kann. «Die Holzstapel liegen deshalb länger bei uns im Wald, aber Platz haben wir ja genügend», sagt Hauenstein. Der Zusatzaufwand des Abdeckens gegen Witterungseinflüsse rechne sich, betont Hauenstein, denn trockenes Holz erzielt im Verkauf einen spürbar besseren Preis.

Keine Buchen im Tessin

Am Montag sind in Unterendingen vorerst 45 Ster Buchenholz auf den Lastwagen verladen worden. Gleichentags traten sie die Reise durch den Gotthard ins Tessin an, wo sie beim Grotto Broggini in Losone und der Osteria Nostrana an der Promenade in Ascona abgeladen wurden. Der transnationale Brennholzhandel von der deutschen an die italienische Grenze erscheint auf den ersten Blick etwas paradox. Grund dafür ist, dass die Tessiner Gastwirte Buchenholz dem einheimischen Kastanienholz als Energieträger für Pizzaöfen und Güggelibratstellen den Vorzug geben.

Buchenholz hat den deutlich besseren Brennwert und Insider schätzen das dezentere Raucharoma, das die Speisen zusätzlich würzt. Mit dem jetzt aus dem Surbtal bezogenen Holzvorrat sollten die beiden Betriebe zumindest den ersten Gästeansturm über die kommenden Osterfeiertage problemlos bewältigen können.

Holz gegen Granit

Das Brennholzgeschäft mit dem Tessin rechnet sich nicht nur für den Forstbetrieb Unterendingen. Auch für den Holzhandel liegt offenbar eine akzeptable Marge drin. Die Lieferungen werden allerdings immer so disponiert, dass eine Leerfahrt über den Gotthard vermieden werden kann. Ein Lastwagen, der ohnehin wegen eines Auftrages nach Süden fahren muss, lädt für die Hinfahrt Brennholz. Retour kommt er vollbeladen mit Granitblöcken aus den Steinbrüchen des Maggiatales oder der Leventina - Tessiner Rohstoffe zur Verschönerung hiesiger Gartenanlagen.