Was ist cool an einer tiefen Autonummer? Jean-Claude Furegati, 22, lacht und denkt einen Moment nach. Dann enthüllt der Betreiber der Internet-Plattform kontrollschild.ch seine Sicht auf die Nummernschild-Typologie: «Es gibt drei Kategorien von Autofahrern, die Wert auf eine tiefe Nummer legen: jene, die grundsätzlich damit auffallen wollen, die Nummer also als Statussymbol nutzen. Die zweite Gruppe will zeigen, dass man kein Neulenker ist, weil sie glaubt, dass die Polizei Fahrzeuge mit hohen Nummern häufiger kontrolliert. Und die dritte Gruppe bilden alteingesessene Kantonseinwohner, die das mit ihrer tiefen Nummer zum Ausdruck bringen.»

Dieser Fetisch aus einem Stück Blech mit (möglichst wenigen) Ziffern drauf ist manchen Leuten viel Geld wert: Das Kontrollschild VD 1 ging am 17. September nach einer siebenstündigen Auktion mit über 150 Geboten für 122'500 Franken an den siegreichen Bieter. Aktuell auf kontrollschild.ch wird beispielsweise die Autonummer Schaffhausen 1 angeboten; für 99'999 Franken - als Startpreis. Die Plattform ist noch neu und nicht überall bekannt. Das ist mit ein Grund, weshalb attraktive Nummern aus den Kantonen Aargau, Basellandschaft und Solothurn noch fehlen.

Wer nun aber glaubt, die Nummer gehöre ihm (oder ihr), der irrt: «Fahrzeugnummern - und das gilt für Autos wie Motorräder - sind nur vom Strassenverkehrsamt geliehen» klärt Johannes Michael Baer, der Leiter des Strassenverkehrsamtes des Kantons Aargau, allfällig aufkeimende Missverständnisse. Der Grund, weshalb aus dem Kanton Aargau ein-, zwei-, drei- und vierstellige Nummern auf der Plattform fehlen: die dürfen nur in der direkten Folge (Verwandschaft) weitergegeben werden. Möglich ist die Weitergabe dieser Nummern auch noch innerhalb der Firma oder von Aktionär zur Firma - und umgekehrt. Wobei: «Kaufen kann ein Interessent ausserhalb der Familie die Nummer schon - er kann sie einfach nicht umschreiben», präzisiert Baer.

«Die Tatsache, dass die Nummer nach wie vor dem Kanton gehört, birgt ein - wenn auch sehr kleines - Risiko», führt Baer weiter aus: Melde der Kanton nämlich Anspruch auf die Nummer an - beispielsweise zur Schaffung von neuen Kategorien oder der Bund ändert, wie auch schon angekündigt, das Nummernsystem - habe der aktuelle Eigner der Nummer keine Chance die Nummer zu behalten- «selbst wenn er», bedauert Baer, «125'000 Franken für das Schild bezahlt hat.»

Bei kontrollschild.ch ist man sich dieser Gefahr bewusst: «Wir werden auf unserer Website aber noch stärker darauf aufmerksam machen», sagt Jean-Claude Furegati, der sich aktuell überlegt, mit Petitionen in den betreffenden Kantonen dafür zu sorgen, dass die Übertragbarkeit von Autoschildern einfacher wird; für seine Webseite wäre das sicher ein Vorteil. (rkr)

Und hier geht's zur Website: www.kontrollschild.ch