Aedermannsdorf

Thaler holen Bundesräte als Redner

Dorfbrunnen Aedermannsdorf: Wurde am 1. August 1953 im Beisein von Bundespräsident Philipp Etter eingeweiht. (Bild: Patrick Furrer)

Brunnen

Dorfbrunnen Aedermannsdorf: Wurde am 1. August 1953 im Beisein von Bundespräsident Philipp Etter eingeweiht. (Bild: Patrick Furrer)

Heute Abend hält Ueli Maurer in Welschenrohr eine Ansprache zur Bundesfeier. 1953 war es es sogar der Bundespräsident, Philipp Etter, der von Aedermannsdorf aus via Radio zum Schweizervolk sprach.

Alois Winiger

Gute Kontakte sind alles, das haben beide Geschichten gemeinsam. Der SVP-Politiker Ueli Maurer trat im vergangenen Jahr als Nationalrat bei einem Anlass der örtlichen SVP in Welschenrohr auf. Diesen Kontakt nutzten die Welschenrohrer und konnten den heutigen Bundesrat Ueli Maurer für eine Ansprache zum Nationalfeiertag gewinnen; er wird diese heute Freitagabend um 19 Uhr, halten.

Fürs ganze Schweizervolk

Ob sich aus dem Kontakt zwischen Welschenrohr und Ueli Maurer eine ebenso starke Verbindung entwickeln wird wie es seinerzeit bei Philipp Etter und Aedermannsdorf der Fall war? Etter stand von 1934 bis 1959 als Bundesrat dem Departement des Innern vor und war viermal Bundespräsident. Er gehörte der CVP an, was mit ein Grund gewesen sein dürfte, dass er die Einladung zur Bundesfeier der Gemeinde Aedermannsdorf im Jahr 1953 annahm, denn dort bildeten die Konservativen die grosse Mehrheit. Etter hielt seine Bundesfeierrede aber nicht nur für die Bevölkerung vor Ort, sondern sprach gleich zum ganzen Schweizervolk. Die Rede wurde durch eine extra geschaltete direkte Telefonleitung ins Studio Bern übermittelt, dort aufgezeichnet und eine Stunde später, 21.30 Uhr, über den damaligen Landessender Beromünster ausgestrahlt.

Das ganze Land konnte also am Radio vernehmen, wie Bundespräsident Etter die Aedermannsdörfer lobte: «Ich habe in Eurer schönen Gemeinde schon manche schöne und glückliche Stunde erlebt», berichtete diese Zeitung in der Ausgabe vom Montag, 3. August 1953. «Was mich aber immer am meisten freute», fuhr Etter weiter, «das war der Eindruck, dass in Eurem Dorf und in Eurer Gemeinde der Friede herrscht, und dass ich gerade bei Euch erfüllt sah, was eidgenössisches Einanderhelfen und Einanderbeistehen von uns verlangt.»

Im Revier 29 unterwegs

Woher kannte denn nun Philipp Etter «das stille Dorf», wie er es nannte? «Von der Jagd her», weiss der Aedermannsdörfer Dorfchronist Werner Hug zu berichten. Der im Dorf aufgewachsene Siegfried Bläsi, Pächter des Reviers 29, hatte Philipp Etter eingeladen. «Siegfried Bläsi führte zusammen mit seinem Bruder August in Bern eine Eisenhandlung. Dort hat er Kontakte zur Prominenz aus Wirtschaft und Politik geschaffen.» Und so kam es eben, dass im Revier 29 öfters Männer mit Rang und Namen anzutreffen waren.

«Kampf dem Freisinn»

Siegfried Bläsi selbst sei damals als ein sehr spendierfreudiger Mann bekannt gewesen, sagt Werner Hug. In der Tat hat sich Bläsi in Aedermannsdorf selber ein Denkmal gesetzt, indem er den achteckigen Brunnen aus Solothurner Stein stiftete, der mitten auf dem Dorfplatz steht. Der Brunnen wurde übrigens an jener Bundesfeier 1953 eingeweiht, bei der Bundespräsident Etter die Aedermannsdörfer als ein «glückliches und friedliches Volk» rühmte. Das allerdings habe mit der dörflichen Realität von damals wenig zu tun gehabt, schreibt Historiker Albert Vogt in der Chronik zur 700-Jahrfeier der Gemeinde Aedermannsdorf. Er verweist dabei auf ein Wahlplakat, das im gleichen Jahr an den Gemeindekasten geheftet worden war: «Kampf dem Freisinn!» war da zu lesen im Vorfeld der Wahlen in den Regierungsrat. Arbeiter und Bauern wurden aufgerufen: «Gebt die richtige Antwort auf die freisinnige Heuchlerei», indem nicht nur der Kandidat der CVP, Max Obrecht, sondern auch die Sozialisten Gottfried Klaus, Werner Vogt zu unterstützen seien.

Seit den 1960-er Jahren jedoch, so schreibt Albert Vogt weiter, hätten die gegenseitigen Anfeindungen aufgehört. Und wirklich: Von 1965 bis 1989 wurde der Gemeinderat in stiller Wahl bestellt.

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