Drei Menschen, ein Touristenpaar aus Israel und eine Französin, starben beim Angriff vom Samstag im Jüdischen Museum. Die Französin arbeitete nach Angaben des Museums ehrenamtlich in dem Haus, wie Vize-Staatsanwältin Ine Van Wymersch sagte. Ein belgischer Mitarbeiter am Museumsempfang starb am Sonntag im Spital.

(Quelle: Youtube.com/Fedpol Belgium)

Die Polizei sucht per Video nach dem Täter beim jüdischen Museum in Brüssel

Täter schoss mit Kalaschnikow

Die Polizei fahndete auf Hochtouren nach einem Einzeltäter, wie es hiess. Sie veröffentlichte Fotos und Videos von dem Überfall, die von Überwachungskameras stammten.

Auf einer rund eine halbe Minute langen Sequenz holt der Täter in einem Hofeingang, der zum eigentlichen Eingangsbereich des Museums führt, eine Waffe aus einer Tasche. Er verschwindet mit der Waffe im Anschlag im Eingangsbereich, kommt wieder heraus, verstaut die Waffe und verlässt das Gebäude.

Die beiden anderen kurzen Sequenzen zeigen, wie er draussen vor dem Gebäude vorbeiläuft. Die Waffe ist ihren Erkenntnissen nach vom Typ Kalaschnikow. Der Mann soll allein gehandelt haben und gut vorbereitet gewesen sein. Die Polizei bat die Bevölkerung, mit Informationen zu helfen.

Bereits am Samstag hatten die Ermittler einen Mann festgenommen. Der Zeuge wurde inzwischen wieder freigelassen.

Hinweise auf einen terroristischen oder antisemitischen Hintergrund gebe es keine. Entsprechende Mutmassungen könnten nicht bestätigt werden, es werde in alle Richtungen ermittelt, sagte Van Wymersch am Sonntag.

Besserer Schutz für jüdische Einrichtungen

Auf die Frage von Journalisten, ob es sich um ein antisemitisches Attentat handle, hatte Innenministerin Joëlle Milquet zuvor gesagt: "Es gibt eine starke Vermutung." Aber es sei Sache der Ermittler, dies festzustellen. Sie kündigte verstärkten Polizeischutz für jüdische Einrichtungen im ganzen Land an.

Laut Paul Hirschson vom israelischen Aussenministerium in Jerusalem wird alles vorbereitet, um die zwei getöteten Israeli in die Heimat überzuführen. Es handle sich um ein Paar aus Tel Aviv, einen 54-jährigen Mann und eine 53-jährige Frau.

"Aufstachelung gegen Juden"

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu hatte die Tat in der Nacht als Folge einer Aufstachelung gegen Juden verurteilt. Auch die EU verurteilte die Tat. Sie sei solidarisch mit den belgischen Behörden und der jüdischen Gemeinschaft, erklärte EU-Aussenbeauftragte Catherine Ashton.

Der belgische Ministerpräsident Elio di Rupo sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus. Er habe bei einem Telefongespräch mit dem israelischen Ministerpräsidenten Netanjahu auch seine tiefe Erschütterung ausgedrückt, teilte dessen Büro am Sonntag mit.

Der französische Staatspräsident François Hollande verurteilte ebenfalls die Bluttat und versicherte dem benachbarten Belgien die Solidarität Frankreichs zu.

Der Schweizerische Israelitische Gemeindebund (SIG) und die Plattform der Liberalen Juden der Schweiz (PLJS) zeigten sich bestürzt über den "heimtückischen Anschlag". Die beiden Dachverbände seien entsetzt, teilten sie am Sonntag mit. Den Angehörigen der Opfer drückten sie "ihre tief empfundene Anteilnahme aus".

Das Jüdische Museum in Brüssel war vor neun Jahren eröffnet worden. Es besitzt eine bedeutende Sammlung mit Objekten der jüdischen Geschichte. Es will nach eigenen Angaben am Dienstag wieder öffnen