Elisabeth Seifert

Die Landwirte sind erleichtert. Nach der Trockenheit der letzten beiden Monate haben die Niederschläge Anfang Woche die oberste Erdschicht benetzt und ermöglichen eine problemlose Bearbeitung des Bodens. «Die Bedingungen für den Rest der Ernte und die neue Aussaat könnten gar nicht besser sein», freut sich Landwirt Hansruedi Scheurer aus Grenchen. Auf 30 Hektaren betreibt er Ackerbau, vor allem pflanzt er Kartoffeln, Zuckerrüben, Mais und Brotweizen an. Freude bereiten ihm ganz besonders die «sehr guten» Ernteerträge. Nicht nur was die Quantität betritt, sondern gerade auch hinsichtlich der Qualität.

Hauptgrund für den Erfolg sind die Witterungsverhältnisse während des ganzen Jahres. Auf einen eher trockenen und milden Frühling folgten ausgiebige Niederschläge im Juni und Juli. Das hochsommerliche Wetter im August und September trug das Seine zur guten Ernte bei. «Besonders hoch sind die Erträge bei den Zuckerrüben, die derzeit geerntet werden», sagt Hansruedi Scheurer. «Neben der grösseren Menge ist dank der vielen Sonne auch der Zuckergehalt höher als im Vorjahr.» Kleine Abstriche muss der Landwirt bei den Kartoffeln machen. «Die grosse Trockenheit während der Ernte führte hier zu den bekannten Schlagschäden.»

Optimale Süsse und Säure

Es sind aber nicht nur die Ackerbauern, die vom diesjährigen Wetterglück profitierten. Von einem «guten, wenn auch nicht exorbitanten Obstjahr» spricht Susy Birrer, die auf dem Gummenhof in Niederwil zusammen mit ihrem Mann auf vier Hektaren Aprikosen, Zwetschgen, Äpfel und Birnen anbaut. «Unsere Erträge bewegen sich in etwa auf der Höhe des Vorjahres.» Um einiges besser fiel die Ernte allerdings bei den Aprikosen aus. Als wesentlichen Grund dafür nennt Susy Birrer den fehlenden Frost im April, wodurch die früh blühenden Aprikosenbäume keinen Schaden erlitten hätten. «Allgemein gut für das Obst war, dass es im Juni und Juli geregnet hat, wodurch die Früchte trotz der Trockenheit im Hoch- und Spätsommer eine schöne Grösse erreicht haben», sagt die Obstbäuerin. Die viele Sonne schliesslich ermöglichte einen «optimalen Süsse- und Säuregehalt» bei sämtlichen Früchten.

«Eher besser» als im Vorjahr fiel der Ertrag auf den Gemüsekulturen der beiden Brüder Viktor und Paul Müller aus Niederbuchsiten aus. Der Betrieb produziert auf 40 Hektaren in erster Linie Eisbergsalat, Chicorée Rosso und Frisée und verkauft diesen an Weiterverabeitungsbetriebe. Viktor Müller: «Das Wachstum wurde durch die lange Schönwetterperiode und den fehlenden Nebel gefördert.»

Zu viel Trockenheit schadet der Milch

Wie der Käse aus der zu Ende gehenden «Alpsaison» wird, kann Hans-Jörg Stoll von der Käserei Reckenkien in Mümliswil zwar noch nicht sagen. Sehr wohl messbar war für ihn aber die Milchqualität, die sich aufgrund des trockenen September verändert hat. «Die Milch war in den letzten Wochen weniger gehaltvoll», stellte er bei den Messungen fest. Normalerweise sorgt ein trockener Alpsommer für gehaltvolle Milch. «Weil es aber viel zu trocken war, ist es wieder gekippt. Es war wie im Sommer 2003», sagt Stoll. Bis im August sei es aber feucht genug gewesen. Dem Käse merke man die Schwankungen der Milchqualität ohnehin nicht an. Es braucht einfach mehr Milch, um die gleiche Menge Käse herzustellen. Die Käserei verarbeitet jährlich 1,2 Mio. Liter Milch aus 13 Bauernbetrieben im Thal. Zu 80 Prozent wird daraus Greyerzer hergestellt.

Direktvermarktung lohnt sich

Sind die landwirtschaftlichen Erträge - mit Ausnahme der Milchqualität - aufgrund der diesjärigen Wetterverhältnisse mehr als zufriedenstellend, schauts bei den Preisen etwas anders aus. Flächendeckend höhere Erträge drücken den Preis, so will es der Mechanismus von Angebot und Nachfrage. «Die Preise sind tendenziell etwas tief», sagt etwa Viktor Müller. Auch Obstbäuerin Susy Birrer weiss von einem «Preisdruck», den der Gummenhof als Direktvermarkter seiner Produkte allerdings weniger spürt. Ganz ähnlich profitieren manche Milchbauern im Thal von einem vergleichsweise stabileren Milchpreis, weil der Käse von der Sortenorganisation vermarktet wird. «Der Preis sank lediglich um 2 Rappen auf 80 Rp. pro Liter Milch», sagt der Mümliswiler Käser Hans-Jörg Stoll. Ganz anders ist das bei den Milchbauern generell, die derzeit mit einem Preisabschlag von bis zu 30 Prozent zu kämpfen haben.

Angleichung an Weltmarktpreise

Massiv tiefere Preise machen neben den Milchbauern je länger desto mehr auch den Ackerbauern zu schaffen. «In den letzten zehn bis zwölf Jahren hat sich der Preis fürs Getreide in etwa halbiert», stellt Hansruedi Scheurer aus Grenchen fest. Grund dafür sei der sukzessive Abbau des Grenzschutzes, wodurch sich die Preise immer mehr dem Weltmarkt angleichen.

Bei den Zuckerrüben kommt es ab diesem Jahr zu einem grösseren Einschnitt. So werden die Fabriken vom Bund nicht mehr dazu verpflichtet, eine bestimmte Menge Zucker im Inland zu produzieren und dafür auch einen festgesetzten Preis zu zahlen. Die Bauern erhalten stattdessen zwar Direktzahlungen für die bebaute Fläche, was den Einnahmeverlust aber nicht wirklich wettmachen kann. Hinzu komme, so Scheurer, dass die Fabriken aufgrund der guten Ernteerträge die Kontingente im kommenden Jahr um sieben Prozent kürzen.

Auch bei den Kartoffeln fällt ab 2009 die Marktstützung durch den Bund weg. Scheurer: «Wir erhalten keine Beiträge mehr zur Verwertung von Kartoffeln, die nicht als Speisekartoffeln verkauft werden können.» Es werde zwar im Sinne einer Branchenlösung ein Rückbehalt auf den Speisekartoffeln gemacht, um die Kosten für die Verwertung solcher Kartoffeln zu decken. Scheurer: «Unter dem Strich bleibt dem Bauern dadurch aber weniger.»

Mitarbeit: Andreas Toggweiler