Von Wirtschaftskrise keine Spur

63 Standeinheiten, 121 Aussteller, 190 Berufe und 16 000 Schülerinnen und Schüler: Die kantonale Berufsschau in Pratteln, die morgen für fünf Tage ihre Tore öffnet, floriert, auch wenn die Wirtschaft welkt.

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bz Basellandschaftliche Zeitung

Jürg Gohl

Ohne Ankündigung und ohne Medientamtam hat gestern Regierungspräsident Urs Wüthrich im Prattler Kultur- und Sportzentrum vorbeigeschaut. Der Baselbieter Bildungsdirektor will sich zwei Tage vor der offiziellen Eröffnung persönlich überzeugen, dass die inzwischen siebte Berufsschau auf gutem Weg ist. Und zudem möchte er mit seinem Überraschungsbesuch den Berufsverbänden und den Ausbildungsinstitutionen zeigen, wie hoch ihr Engagement geschätzt wird.

Gewerkschaft auch mit Stand

Erstmals in der zehnjährigen Geschichte der Berufsschau wird neben den diversen Berufsverbänden auch der Gewerkschaftsbund Baselland mit einem eigenen Stand vertreten sein. «Wir wollen, dass die Jugendlichen möglichst früh lernen, dass sie in der Berufswelt nicht nur Pflichten, sondern auch Rechte haben», begründet Daniel Münger, der Co-Präsident des Gewerkschaftsbunds, die Teilnahme, die in keinem direkten Zusammenhang mit der Wirtschaftskrise stehe.
Gestern Abend richteten die Arbeitnehmervertreter ihren Stand, der gleich neben dem Informationsstand liegt, ein. Nicht nur diese Lage, sondern auch der Umstand, dass die Gewerkschaft von der Standmiete befreit ist, zeigen, dass die Organisation bei der Wirtschaftskammer willkommen ist. «Uns ist es wichtig, dass die Gewerkschaft als wichtiger Partner in der Berufswelt vertreten ist», sagt Organisator Urs Berger, ein CVP-Politiker. Der Deal kam ohne Zutun von Regierungsrat Urs Wüthrich, des ehemaligen Gewerkschafts-Sekretärs, zustande.
Neu ist überdies auch ein Kino, in welchem Schülerinnen, Schüler, Lehrer und Eltern mit Filmen über verschiedene Berufe und vor allem Berufswege ins Bild gesetzt werden. (jg)

Insgesamt 190 «Berufe an der Arbeit» werden auf den rund 3000 Quadratmetern Ausstellungsfläche dem Publikum vorgestellt - einem Publikum, das natürlich vorwiegend jugendlich ist: 480 Schulen haben ihr Kommen angekündigt, insgesamt sind das 16 000 Schülerinnen und Schüler im siebten, achten oder neunten Schuljahr. Die Klassen reisen auch aus anderen Kantonen nach Pratteln.

63 Standeinheiten mit 121 Ausstellern warten auf sie. So stolze Zahlen konnten in den sechs vorangegangenen Berufswahlmessen nie vermeldet werden. «Unsere Ausstellungsflächen waren schnell ausverkauft», sagt Urs Berger, der CVP-Landrat, kantonale Lehrstellenförderer und oberste Organisator der gigantischen Schau, der grössten ihrer Art des Landes. «Von der Wirtschaftskrise spüren wir jedenfalls nichts.»

Die Veranstalter wissen dieses ungebrochene Interesse sehr zu schätzen, investieren die Verbände und Unternehmen doch viel Zeit und Geld in ihre Auftritte in Pratteln. Die Erfolgszahlen der Ausstellung dürfen auch als klare Entgegnung auf Bestrebungen aufgefasst werden, in der Schweiz die Maturitätsquote massiv zu erhöhen. Denn das würde den hierzulande etablierten Weg über die Berufslehre, den dualen Weg, spürbar schwächen.

Mister Schweiz als Zimmermann

Alle Schulen erhielten bereits vor ein paar Monaten Unterlagen zur Baselbieter Berufsschau, um sich auf den Besuch in Pratteln vorzubereiten. Denn im Gegensatz zu den Verbänden, die nicht knausern, scheint die Krise in den Schulklassen Eindruck zu machen. «Die Ausstellung wird spürbar ernster genommen», urteilt Berger, der die Situation für Junge auf dem Arbeitsmarkt als «ernst, aber nicht dramatisch» einstuft.

Die Grundidee der Baselbieter Berufsschau, in welche die organisierende Wirtschaftskammer und der Kanton gemeinsam brutto 3,4 Millionen Franken stecken, besteht daraus, Schülerinnen und Schülern die verschiedenen Berufsmöglichkeiten aufzuzeigen. Das geschieht nicht anhand bunter Broschüren und Prospekte. In natura sollen die Berufe an den fünf Ausstellungstagen von morgen Mittwoch bis zum Sonntag spür- und erlebbar sein, indem Schüler selber Hand anlegen dürfen und Lehrlinge im Einsatz stehen und Auskunft erteilen.

Etwas Spezielles liessen sich die regionalen Bauunternehmer und Holzbauer dabei einfallen. Am Mittwochnachmittag (13.30 bis 17 Uhr) wird der derzeit berühmteste Zimmermann des Landes an ihrem Stand (Nr. 56 und 57) stehen: André Reithebuch, der Mister Schweiz 2009. Er komme, so wird hervorgestrichen, aber als Berufsmann, nicht als Attraktion.

www.berufsschau.ch

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