Geniessen

Warum der Buchweizen wieder auf unseren Tellern auftaucht – und wie gesund er wirklich ist

Buchweizen harmoniert mit den verschiedensten Gewürzen und Aromen – und ist einfacher und schneller zubereitet als Reis.

Buchweizen harmoniert mit den verschiedensten Gewürzen und Aromen – und ist einfacher und schneller zubereitet als Reis.

Ein Kraftkörnli feiert seine Rückkehr. Ausgerechnet zu einer Zeit, in der die Vielfalt und Auswahl an Lebensmitteln dank der Globalisierung schier unendlich ist.

Der Buchweizen war früher hierzulande das Hauptnahrungsmittel der Bauern und der armen Leute. In Europa wurde er auf praktisch jedem Feld angebaut. Buchweizen – auch Heidekorn genannt – wurde ab dem Mittelalter in allen nur erdenklichen Formen zubereitet und verzehrt, sei es als Brei, als Pfannkuchen, als Kuchen und sogar als Grütze. Als ab dem 18. Jahrhundert die Kartoffel nach Europa importiert wurde, verlor der Buchweizen schnell an Bedeutung – und fristete fortan ein Schattendasein. Das sollte mehr als 200 Jahre andauern.

Doch nun schickt sich der Buchweizen an, wieder der grosse Star auf unseren Tellern zu werden. Ausgerechnet zu einer Zeit, in der die Vielfalt und Auswahl an Lebensmitteln dank der Globalisierung schier unendlich ist. Zu verdanken hat er dies in erster Linie dem Trend «Clean Eating», bei dem es darum geht, regional einzukaufen und damit die Umwelt nur minimal zu belasten. Aber auch weil immer mehr Menschen unter Glutenunverträglichkeit leiden oder Weizen von ihrem Ernährungsplan streichen, weil er als ungesunder Dickmacher gilt. Denn anders, als sein Name es vermuten lässt, ist Buchweizen weder eine Weizenart, noch gehört er zur Familie der Süssgräser wie die meisten Getreidesorten. Vielmehr ist er mit Rhabarber und Sauerampfer verwandt. Ein Pseudogetreide also, genauso wie Quinoa, jenes Korn, das in den vergangenen Jahren besonders unter den Hipstern, Veganern und Vegetariern sowie bei Biofans als Superfood gefeiert wurde, weil es voller Nährstoffe steckt.

Heimischer Anbau erstarkt wieder

Der Haken an Quinoa: Meist entstammt er Monokulturen aus Südamerika, was für Konsumenten in Europa ökologischer Unsinn ist und eigentlich so manchem nachhaltig lebenden Menschen sauer aufstossen sollte. Zudem führte der Boom zu einer Preisverteuerung, sodass die Landbevölkerung vor Ort sich die Körner bald nicht mehr leisten kann.

Anders der Buchweizen. Die Körner bei den Grossverteilern stammen zwar meist noch aus Russland oder China – wer aber im Reformhaus oder im Bioladen zugreift, kauft Buchweizen aus heimischem oder zumindest europäischem Anbau. Und der vergrössert sich im Zuge des Wiederaufkommens des Korns stetig: Im Kanton Graubünden etwa werden die Anbauflächen derzeit stark ausgeweitet, unter anderem auf Initiative der Genossenschaft Gran Alpin. Buchweizen lässt sich übrigens auch ohne grossen Aufwand im heimischen Garten anbauen (siehe Box links).

Buchweizen steckt voller Nährstoffe

Das also einer der vielen Gründe, warum wir in Zukunft mehr Buchweizen essen und Quinoa ignorieren sollten. Ein weiterer gewichtiger Grund: Buchweizen steckt voller Nährstoffe; es ist nicht übertrieben, ihn als Kraftkorn, als Superfood zu bezeichnen. Im Körnli steckt eine Vielzahl an Vitaminen, Mineralien und hochwertigem Eiweiss – es enthält alle essenziellen Aminosäuren. Lysin zum Beispiel ist Bestandteil des Kollagens, das es für ein straffes Bindegewebe und pralle Haut braucht. Auch stärkt Lysin die Blutgefässe, wovon das Herz-Kreislauf-System profitiert. Dafür enthält Buchweizen kein Klebereiweiss, was wiederum vorteilhaft für Leute mit Zöliakie ist. Und 100 Gramm Buchweizenkörner decken rund einen Viertel des täglichen Bedarfs an Magnesium ab, das die Nerven, die Muskeln und die Psyche stärkt. Das Schönste zum Schluss: Der Buchweizen sättigt schnell, womit er sich ideal zum Abspecken eignet. Er macht also schlank, schön, schützt vor Herzinfarkt und macht glücklich.

Und wie schmeckt er? Nun, ein bisschen nussig, aber nicht zu penetrant. Er harmoniert deshalb mit allen möglichen Gewürzen und Aromen, und er ist sehr einfach und sogar schneller als Reis zuzubereiten: Die Körnli unter kaltem Wasser abspülen, danach in Bouillon 20 Minuten quellen lassen – und schon ist er bereit, verzehrt zu werden.

Auch die Blätter des Buchweizens stecken voller guter Dinge.

Auch die Blätter des Buchweizens stecken voller guter Dinge.

Also los, probieren Sie den Buchweizen, und kombinieren Sie ihn mit allem, worauf Sie Lust haben – es wird passen! Wetten, dass Sie ihn aber schon gegessen haben? Denn in den Küchen Europas steckt öfter Buchweizen drin, als man vermuten würde. Etwa in den Bündner Pizzoccheri: Sie bestehen vorwiegend aus Buchweizenmehl. Aber auch in der Galette aus der Romandie finden sich die Körnli. Ganz von der Bildfläche verschwunden ist der Buchweizen also nie – trotz der Kartoffel.

Die Rahmsuppe schmeckt besonders an eiskalten Wintertagen.

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Autorin

Rahel Koerfgen

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