Wiese

Weil will bei der Wiese mitreden

Die Renaturierung der Wiese wird von mehreren Seiten gefordert. Das Hindernis dafür ist jedoch die Trinkwassergewinnung in den Langen Erlen.

Esther Jundt

Die Renaturierung der Wiese ist für Erholungssuchende und Naturfreunde eine grosse Bereicherung. Der frei fliessende Fluss zwischen dem Erlenparksteg und der Freiburgerstrasse ist sehr beliebt bei der Bevölkerung, und das Gebiet wird rege besucht. Die Weiterführung der Renaturierung der Wiese wird deshalb von mehreren Seiten gefordert. Die Verwaltung erhielt inzwischen vom Grossen Rat den Auftrag, das Projekt «Wiese vital» voranzutreiben. Dieses sieht eine weitere Renaturierung des Flusses vor. Verlangt wird auch, dass mit den deutschen Nachbarn konkrete Lösungen zur Verbesserung der Qualität des Wiesewassers erarbeitet werden.

Aufgeschreckt durch die Nachricht, dass Basel das Projekt «Wiese vital» in Angriff nimmt, hat der Weiler Oberbürgermeister Wolfgang Dietz im Auftrag des Wasser-Zweckverbandes südliches Markgräflerland einen Brief an den Basler Regierungspräsidenten Guy Morin geschrieben. Darin verlangt er, dass die deutsche Seite in das Projekt einbezogen wird. Die deutschen Interessen seien zu berücksichtigen. Dietz befürchtet, dass die Basler Änderungen bei der Trinkwassererfassung vornehmen und die Konsequenzen für die Deutschen verkennen.

Der Zweckverband versorge 50 000 Menschen mit Trinkwasser, sagte Dietz auf Anfrage. Dieses werde zu 80 Prozent aus zwei Tiefbrunnen beim «Laguna» bezogen. Weitere 20 Prozent lieferten Brunnen im Umland. Diese könnten aber nicht die restliche Versorgung übernehmen, sollte die Trinkwassergewinnung beim «Laguna» wegen der Revitalisierung beeinträchtigt werden. «Wir haben jetzt keine Gefährdung bei der Trinkwassergewinnung, ich meine, wir sollten eine solche auch nicht provozieren», sagte Dietz, der betonte, dass er im Namen aller betroffenen Gemeinden interveniert habe. Ausgerechnet die Trinkwassergewinnung bildet das grosse Hindernis bei der Weiterführung der Renaturierung der Wiese.

Das Trinkwasser wird aus dem Grundwasserstrom entnommen, der durch die Langen Erlen und durch die gegenüberliegenden Wiesen auf deutschem Gebiet fliesst. Das System der Trinkwassergewinnung ist derzeit so austariert, dass kein Wiesewasser in den Untergrund gelangt. Dieses ist nämlich für die Trinkwassergewinnung zu stark mit Bakterien durchsetzt. Bei einer für die Renaturierung notwendigen Veränderung im Flussbett - es wird ausgebaggert - fällt das System zusammen. Das nicht reine Wiesewasser würde sich dann mit dem Grundwasser vermischen und die Trinkwassergewinnung gefährden. Diese Problematik ist seit langem bekannt, weshalb die Renaturierung nicht schneller vorwärts kommt.

«Die Trinkwassergewinnung ist und bleibt für Basel prioritär», sagte Jürg Hofer, Leiter des Amtes für Umwelt und Energie, zur bz. Das Problem sei das verschmutzte Wiesewasser. Die Verschmutzung erfolge allerdings in Deutschland, wo bei starken Regenfällen nicht gereinigtes Wasser direkt in den Fluss gelange.

Problem erkannt

Inzwischen habe Regierungsrat Christoph Brutschin den Brief von Oberbürgermeister Dietz beantwortet, sagte Hofer weiter. Das Problem sei erkannt, heisst es. Eine Zusammenarbeit sei erwünscht. Diese sei auch im Interesse der Basler, betonte Hofer. Die Deutschen sollen dabei ermuntert werden, die Qualität des Wiesewassers zu verbessern, weil nur sauberes Flusswasser eine Renaturierung der Wiese möglich macht.

Die Renaturierung der Wiese ist im Projekt «Landschaftspark Wiese» enthalten, das vom Kanton Basel-Stadt und den Gemeinden Riehen, Lörrach und Weil am Rhein entwickelt wird. Trotz der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit bei diesem Vorhaben, scheint die Kommunikation zwischen Basel und Weil nicht optimal zu funktionieren. «Mit meinem Brief wollte ich das ändern», sagte Dietz.

Meistgesehen

Artboard 1