Wenn die Gülle für den Boden zur Last wird

Bund und Kanton Bern starten ein neues Förderprogramm. Zwei SVP-Grossräte sind nicht einverstanden mit den Kriterien.

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Johannes Reichen

Wenn es sogar hier geht, wo dann nicht? Seit wenigen Jahren kann auf der Höhenmatte vor dem Hotel Victoria Jungfrau in Interlaken Gülle ausgetragen werden, ohne dass es irgendjemanden stört. Die Gülle wird nicht mehr versprüht, vielmehr wird sie zwischen das Gras gelegt, und so reduziert sich das Ammoniak in der Umwelt. Man riecht nichts. Bernhard Zumbrunn, SVP-Grossrat aus Unterbach und Landwirt, schwärmt von dieser Technik der «bodennahen Ausbringung»: «Es gibt keine Reklamationen mehr», sagt er.

Zusammen mit Rats- und Parteikollege Christian Hadorn aus Ochlenberg hatte Zumbrunn den Platz vor dem Oberländer Nobelhotel gewählt, um auf eine Sache aufmerksam zu machen, die zwar geruchsfrei ist, aber nicht ohne Nebengeräusche. Auch Klaus Brenzikofer, Präsident des Bernischen Verbands für Landtechnik, unterstützt das Anliegen der SVP-Grossräte. Es geht um die Fahrzeuge, die diese Technik möglich machen.

Den Boden schützen

Anfang August startet im Kanton Bern ein sechsjähriges Förderprogramm. 60 Millionen Franken stehen für Landwirte bereit, die Leistungen für den Schutz des Bodens erbringen (siehe Text rechts). Einer der drei Bereiche betrifft Ammoniak-reduzierende Ausbringsysteme. Dies kann man entweder durch eine «Verschlauchung» tun: Die Gülle fliesst direkt vom Hof aufs Feld, schwere Fahrzeuge sind nicht notwendig. Hadorn und Zumbrunn aber haben es auf die andere Variante abgesehen, bei der die Gülle noch mit dem Fahrzeug transportiert und ausgebracht wird. Die Kriterien für Fördergelder, meinen sie, seien zu anspruchsvoll. Beim Kanton Bern aber sieht man keinen Handlungsbedarf.

Wo ist die Grenze?

Es geht um die Grösse der Güllefässer auf den Anhängern, um Achsenlasten und Reifendruck. Letztlich entscheidet aber die Radlast der Fahrwerke, ob ein Förderungsbeitrag bezahlt wird oder nicht. Zweiachser schneiden besser ab. Wird aber die Last eines Tanks nur von einer Achse getragen, ist die Radlast zu gross. Dies bedeutet mehr Bodenverdichtung, und die will das Förderprogramm eindämmen.

«Es ist ein gutes Programm», sagt Hadorn. Er betreibt in Leimiswil die Gülletechnik AG, und er baut diese Maschinen mit 30 oder mehr Schläuchen, die die Gülle von einem Fass auf einem Traktoranhänger zur Erde transportieren. «Aber für die grossen Güllefässer, die am effizientesten sind, gibt es keine Gelder.» Dabei seien gerade sie die ökologischsten, sagt Zumbrunn. Grosse Tanks bedeuteten weniger Fahrten.

Praxisnahe Lösung verlangt

Einen Tank grösseren Ausmasses nützt auch Brenzikofer. Zusammen mit acht weiteren Landwirten mietet er ihn jeweils. «Wir alle könnten wegen der jetzigen Gewichtsnorm nicht am Programm teilnehmen», hat er einmal an den zuständigen Regierungsrat, Volkswirtschaftsdirektor Andreas Rickenbacher (SP) geschrieben. «Die Betriebe werden wachsen müssen», sagt er. «Das ergibt einen grösseren Gülleaufwand.»

Also dürften sie nicht bestraft werden. Der Achsenlast-Wert sei eine bürokratische Lösung. «Wir verlangen vom Kanton, dass er eine praxisnahe Lösung aufzeigt.»