Julian Perrenoud

Klassen wachsen, schrumpfen, verschwinden. Schulfächer ebenso. Das Bildungswesen wandelt sich in der heutigen Zeit rasend schnell. Ein neues Problem: der Schülermangel. «Es war voraussehbar, dass es einen Knick in den Beständen geben wird», sagt Bernhard Witschi, Vorstandsmitglied des Vereins Bildungsraum Emme (VBE). Schon früh war ihm bewusst, dass Gemeinden in der Bildung zusammenspannen müssen, wollen sie weiterhin wettbewerbsfähig bleiben. So beauftragte ihn 2003 die Stadt Burgdorf, ein Konzept auszuarbeiten, nach dem mehrere Schulen der Sekundarstufe II zusammen ein Kompetenzzentrum bilden würden. Gesagt, getan: Ein Jahr später kam der Bericht «Auf dem Weg zum Bildungsraum Emme» heraus.

Der Raum Emme soll profitieren

Aus dem vorab stadtinternen Projekt wurde eine regionale Idee: Vor drei Jahren entstand der Verein Bildungsraum Emme. Anfang 2009 umfasste dieser 22 Gemeinden, 38 Verbände und 10 Schulen. Das Gebiet erstreckt sich von Schangnau bis Bätterkinden. Neu gehört auch Koppigen diesem «Kuchen» an (siehe Text unten). «Wir wollen für die Zukunft alle unsere Kräfte bündeln», sagt Witschi. Mit allen Kräften meint er diejenigen aus Politik, Bildung, Gewerbe und Wirtschaft. Schulen sollen nicht alleine agieren müssen. Laut dem pensionierten Bätterkinder Schulinspektor ist Bildung der wichtigste Rohstoff unserer Gesellschaft.

Auf der Website des VBE werden unter anderem Kurse und Weiterbildungsmöglichkeiten angeboten, die sich über das ganze Einzugsgebiet erstrecken. So müssen weniger Kurse mangels Anmeldungen abgesagt werden. Eine Person aus Utzenstorf kann nun problemlos einen Kurs in Langnau besuchen. Dieses Vernetzen sei wichtig, sagt Vereinspräsidentin Rosette Gerber. «Früher schaute jede Schule für sich - was heute anders ist.» So arbeitet beispielsweise die Langnauer Volkshochschule mit den Schulen in Burgdorf zusammen.

Anfänglich wurde das vernetzende Angebot verhalten genutzt. Laut Gerber hat sich das verändert. Besonders kleine Gemeinden profitierten und sähen dies auch ein: «Der VBE bietet ihnen ja eine günstige Plattform.» Im Bereich Bildung bringt Gerber nach 14 Jahren als Langnauer Gemeinderätin (Ressort Schule) und Gründungsmitglied der Konferenz der Bernischen Schulkommissionspräsidien viel Erfahrung mit. Sie weiss, dass Schulen in Bildungsfragen den Wirtschaftsfaktor nicht unterschätzen dürfen.

Gleiche Spiesse für alle schaffen

Der Verein Bildungsraum Emme finanziert sich über Spenden - unter anderem der Stadt Burgdorf - und Mitgliederbeiträge. Letztere bewegen sich von kleinen (weniger als 1000 Einwohner) bis grossen Gemeinden (ab 3000 Einwohner) zwischen 50 und 1000 Franken jährlich.
Ein aktuelles Thema des VBE: «Vernehmlassung zur Optimierung der Berufsschulorganisation 2008 mit dem Teilprojekt Schulstrukturen Kaufmännische Berufsschule». Will heissen, die Erziehungsdirektion streicht an Schulen aus Schülermangel gewisse Berufsfelder. Nun schaut der VBE, dass für Lernende trotzdem ein gutes Angebot in der Region bestehen bleibt.

Gleich lange Spiesse wolle man schaffen, wenn dann der Verteilkampf im Bildungswesen beginne, sagt Witschi. Das Projekt befinde sich auf einem guten Weg. Der Aufbau soll bald abgeschlossen sein. Dann könne die Region mit dem Bildungswesen im Oberaargau gleichziehen. Und vielleicht gar eine Zusammenarbeit anstreben. Witschi, die bis anhin treibende Kraft im VBE, wird an der nächsten Hauptversammlung zurücktreten. Die ist am
6. Mai. Der Apparat Bildungsraum soll fortan ohne ihn funktionieren.