Wo kommen eigentlich die ganzen Ostereier her?

Eine Spurensuche auf dem Gutsbetrieb Eichberg Seengen. Hier leben 3500 Legehennen, einige Güggel und 3000 Küken.

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Bauer Daniel Mahler

Bauer Daniel Mahler

Katja Schlegel

Das Huhn schleicht sich von hinten an. Mit zuckendem Kopf und schlackerndem Kamm. Zu hören ist es nicht, sein eigener Schatten verrät es. Dann, blitzschnell, pickt es in den Schuhbändel – oder den Wurm, aus Hühnersicht. Eine rasche Bewegung, das Huhn flattert erschrocken weg, ein paar andere mit.

Betriebsleiter Dani Mahler steht mitten im Hühnerhof. Hier auf dem Biogutsbetrieb Eichberg ob Seengen leben insgesamt 3500 Legehennen, einige Güggel und 3000 Küken. Hier kommen ein paar der Ostereier her, die in den nächsten Tagen schweizweit zu Tausenden gegessen werden.

Eierlegen im Séparée

Die Reise des Eis beginnt früh: Um 4.30 Uhr ist Tagwache, im Stall geht das Licht an. Das Huhn zieht sich in den Legekasten zurück, ein roter Vorhang sorgt für etwas Intimsphäre. Eine knappe halbe Stunde später ist es so weit, das Ei ist da. Pro Tag legen die 3500 Hühner rund 3000 Eier. «Ein Huhn braucht auch Ruhepausen», sagt Mahler. Während ein Huhn in den ersten Wochen fast täglich legt, sinkt die Legeleistung mit der Zeit schrittweise.

Das Ei landet nach dem Legen auf einem Förderband und rollt in die Sortiermaschine. Hier wird es durchleuchtet – Eier mit Bruchstellen oder Blut darin werden aussortiert –, gestempelt, gewogen und je nach Gewicht auf die Eierschachteln verteilt. Von den rund 3000 Eiern sind nur 2600 erstklassig. Die zu leichten oder kaputten Eier werden in Küchen oder Backstuben verarbeitet. Bluteier werden weggeschmissen.

Die sortierten Eier werden im klimatisierten Raum bei 18 Grad Celsius gelagert. Dreimal pro Woche wird ein Grossteil der Eier nach Seon an Biopartner Schweiz AG geliefert und schliesslich an Quartier- und Reformläden verteilt. Der andere Teil wird an Marktfahrer und an die Ei AG verkauft. Diese Eier landen bei den Grossverteilern. Vor Ostern laufen die Bestellungen auf Hochtouren. «Wir sind völlig ausgebucht», sagt Mahler. Hühnerdoping gibt es nicht. Er kann seinen Tieren höchstens gut zureden. «Aber ich bin überzeugt: Fühlen sich die Tiere wohl, legen sie gut.»

Die Legehennen und Hähne sind aufgeteilt auf zwei Ställe und Herden zu je 500 Tieren. Schön haben sie es: Stall, Wintergarten, Sandkästen, Holzschnitzelplatz und Weide, mehr als genug Platz und sogar deutlich mehr, als Bio Suisse und KAG freiland vorschreiben.

Ein Huhn müsste man sein: Wie hingegossen liegen die Tiere im warmen Sand und waschen sich Ungeziefer aus dem Gefieder, scharren nach Fressbarem oder stehen in der Sonne. Gegackert wird gerade kaum –, dass wir im Gehege stehen, hat die Tiere etwas verunsichert. Sie wimmern eher, wie gefiederte Klageweiber. Ab und zu kräht ein Hahn.

Einer krächzt plötzlich ganz heiser. «Das bedeutet ‹Gefahr›», sagt Mahler. Tatsächlich: Über dem Hühnerhof kreist ein Milan. Die Hühner rennen blitzartig unters Dach, die Köpfe weit vorgestreckt, die Beine gespreizt. Dass der Milan ein Aasfresser ist und sich – im Gegensatz zum Habicht – nicht für sie interessiert, wissen sie nicht.

Lebhafter Nachwuchs

Ein schönes Hühnerleben, wenn auch ein kurzes. Nach eineinhalb Jahren ist Schluss, die Produktivität der Hühner sinkt. «Die Hühner landen im Schlachthof und werden beispielsweise zu Chicken Nuggets oder Würsten», sagt Mahler und fügt an: «Aus wirtschaftlichen Gründen.» Er spricht nicht gerne darüber, er mag seine Tiere.

Der Nachwuchs wächst schon heran, im Kükenstall: Hier ist es warm; warm und heimelig. Grünes Licht soll die Bibeli beruhigen. Das ist wichtig, denn Küken sind äusserst schreckhaft. Da darf man nicht herumpoltern oder fuchteln. Und wer in die Kinderstube rein will, muss Schutzkleidung tragen – ein Plastikmäntelchen und Überzieher für die Schuhe. Hygiene ist das A und O.

Die Bibeli sind rund vier Wochen alt und etwa so gross wie Amseln. Kleine Federbällchen mit dunklen Knopfaugen. Unschlüssig wackeln sie auf den Stangen herum, kurz vor dem Sprung ins Sägemehl. Die Mutigen scharren unten schon wie die Grossen. Das ist Sinn und Zweck dieser Übung: Lernen, wie man springt und hüpft und wie man richtig scharrt. «Jede Woche bringen wir den Kleinen etwas Neues bei», sagt Mahler. In den ersten Wochen wird die Voliere schrittweise vergrössert, mit 42 Tagen dürfen die Bibeli in den Wintergarten und dann nach draussen auf die Wiese. Und mit rund 18 Wochen wird es so weit sein, die Hühnchen werden ihre ersten Eier legen.

Vor dem grossen Stall steht ein weisser Bus, Mahlers Mitarbeiter lädt stapelweise Eierschachteln ein. Es eilt, die Eier müssen geliefert werden. Ab nach Seon, in die Verkaufsregale, und dann: husch, husch, ab ins Oster-Körbchen.

www.gutsbetrieb-eichberg.ch