Zuwanderung

1,5 Millionen Muslime in der Schweiz? – «Wir müssen endlich aufwachen»

«Diese Zahlen überraschen mich nicht, doch sie machen mir Angst», sagt SVP-Nationalrat Walter Wobmann.

«Diese Zahlen überraschen mich nicht, doch sie machen mir Angst», sagt SVP-Nationalrat Walter Wobmann.

Im Jahr 2050 könnten 1,5 Millionen Muslime in der Schweiz leben. Dem Vorkämpfer gegen Burkas und Minarette, Walter Wobmann, macht das Angst.

Die Zahl der Muslime in Europa wird in den kommenden Jahrzehnten höchst wahrscheinlich stark ansteigen (siehe Box). Selbst wenn die Zuwanderung ausbleibt, ist mit einem Zuwachs der muslimischen Bevölkerung in Europa von derzeit rund 5 Prozent der Gesamtbevölkerung auf 7,4 Prozent im Jahr 2050 zu rechnen.

«Diese Zahlen überraschen mich nicht, doch sie machen mir Angst. Denn das ist eine Religion, die ganz andere Werte vertritt als andere Religionen und nachweislich gegen unser freiheitliches demokratisches System ist», sagt SVP-Nationalrat Walter Wobmann. Der Solothurner Politiker reichte im September eine Volksinitiative für ein Verhüllungsverbot ein. Dafür hatte er mehr als 106'000 Unterschriften gesammelt.

Wobmann sorgt sich vor allem wegen des Studien-Szenarios «Hohe Migration». Dieses geht davon aus, dass in den nächsten Jahrzehnten permanent so viele Flüchtlinge nach Europa strömen würden wie in den Rekordjahren 2014 bis 2016. Dies würde dazu führen, dass in der Schweiz im Jahr 2050 rund 1,5 Millionen Muslime leben würden. Gleichzeitig würde die in der Schweiz wohnhafte Bevölkerung auf 12 Millionen anwachsen.

«Man muss jetzt endlich aufwachen und aufhören zu träumen, denn diese Erhebung zeigt, dass es höchste Zeit ist zu handeln», sagt Wobmann. «Wir müssen in der Schweiz den radikalen und extremen Muslimen ganz klare Regeln aufstellen. Ein Beispiel: In unserem Kulturkreis zeigt man sich gegenseitig das Gesicht. Das ist ein Zeichen der Freiheit und Wertevorstellung unserer Gesellschaft.» Falls die Politik nicht schnell handle, sei das ganze System in Gefahr.

Auch Saïda Keller-Messahli vom Forum für einen fortschrittlichen Islam fordert Massnahmen: «Wir müssen jetzt die Weichen stellen, sonst läuft das Ganze aus dem Ruder», sagt sie der NZZ. Keller-Messahli kritisiert, dass die verschiedenen Staatsebenen sich gegenseitig die Verantwortung zuschöben, anstatt rechtzeitig gegen Islamisten vorzugehen – so geschehen im Fall des Predigers Abu Ramadan in Biel. «Statt einer Gesamtschau machen wir eine Pflästerlipolitik, die bloss auf jene Probleme fokussiert, die gerade aktuell sind.»

Warnrufe der Professoren

Antonius Liedhegener, Professor für Politik und Religion an der Universität Luzern, sagt im Interview mit NZZ, dass demografische Prognosen, die über das Jahr 2030 hinausgehen, mit grösster Vorsicht zu betrachten seien. Und auch Hansjörg Schmid, Direktor des Schweizerischen Zentrums für Islam und Gesellschaft an der Universität Freiburg, mahnt: Solche Vorhersagen würde die Gefahr einer Instrumentalisierung durch populistische Kreise in sich bergen.

Für SP-Chef Christian Levrat ist die Angst vor Muslimen, so wie sie Walter Wobmann kennt, völlig unbegründet: «Der Islam gehört zur Schweiz», sagte er kürzlich der Sonntagszeitung. Ziel sei die Integration eines zeitgemässen Islams, der «neben unseren Landeskirchen als gleichwertige Religion anerkannt werden kann».

Die amerikanischen Forscher betonten bei der Präsentation ihrer Muslim-Zahlen, dass Migrationszahlen wegen unvorhersehbarer politischer und wirtschaftlicher Entwicklungen nicht fest vorhergesagt werden könnten. Man müsse Daten deshalb als «ungefähre Parameter» betrachten.

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