Strafprozess

31-Jähriger hat geklaut, was die Grabstätten hergaben

Antike Münzen wurden in Liegeschaften und in Bankschliessfächern in der Schweiz, Deutschland und Österreich beschlagnahmt. (Archiv)

Antike Münzen wurden in Liegeschaften und in Bankschliessfächern in der Schweiz, Deutschland und Österreich beschlagnahmt. (Archiv)

Während Jahren trieb ein Baselbieter einen schwunghaften Handel mit antiken Gegenständen aus Raubgrabungen. Nun muss er sich wegen Verstössen gegen das Kulturgütertransfergesetz verantworten.

«Römische Münzen von guter Qualität. Schatzgrube!», hiess der Werbespruch auf der Versteigerungs-Plattform. Jahrelang verkaufte der heute 31-jährige Mann aus Ormalingen etwa 14 000 alte Münzen und über 2500 andere antike Kunstgegenstände für über 600 000 Franken via Ebay, Ricardo und auch über diverse eigene Webseiten in alle Welt.

Gehandelt wurde mit allem, was die Grabstätten hergaben: Gereinigte wie auch ungereinigte Marmorköpfe, Gürtelschnallen, Nägel, Spiegel, Messer, Statuetten, Armreifen, Ringe, Glocken, Öllampen, neolithische Keramik sowie Münzen aus Silber, Bronze und Kupfer. Die Objekte stammen allesamt aus der Türkei, Bulgarien und Serbien. Anfangen mit dem Handel hatte der Mann noch als Schüler im Haus der Eltern; mit der Zeit entwickelte es sich zu einem regelrechten Geschäft. Im Jahr 2012 griff die Baselbieter Staatsanwaltschaft mit einer Razzia durch, der Mann sass fünf Monate in Untersuchungshaft.

«Die Münzen waren ja herrenlos»

Heute lebt der Mann zurückgezogen im Wallis und hat den Namen seiner Frau angenommen, nebenbei handelt er mit Bergkristallen. Gerichtspräsidentin Jacqueline Kiss erwähnte zum Prozessauftakt am Mittwoch eine frühere Aussage von ihm, wonach er bewusst unter dem existenzrechtlichen Minimum lebe, um nicht bis zum Lebensende Schulden abstottern zu müssen. Vor Gericht antwortete er darauf nur indirekt: «Für mich ist es optimal so, wie es jetzt ist.»

Der Aussteiger besitzt einen universitären Abschluss als Jurist und hatte vor der Verhandlung offenbar in einem schriftlichen Thesenpapier verwirrende Aussagen zu seinem Handel gemacht, was am zu mehreren Nachfragen der Richter führte. «Wenn sie in meinem Garten Schmuck ausgraben, ist das dann ihr Eigentum?», frage Kiss den Mann. «Der ist ja nicht herrenlos. Die Münzen waren ja herrenlos», betont er. «Sie akzeptieren das Eigentumsrecht des Staates dort nicht?», hakte die Richterin nach. «Das kann man so nicht sagen. Ausgraben aus dem Boden, das ist meiner Meinung nach kein Unrecht», meinte er.

Bankbüchlein vergraben

Tatsächlich aber fallen Funde von alten Gegenständen fast überall dem Staat zu, entsprechend ist auch in Serbien, Bulgarien und der Türkei die Ausfuhr sowie der Handel ohne Bewilligung verboten. Teilweise reiste er selber in die Länder und kaufte die Münzen lokalen Schatzsuchern oder Bauern ab, teilweise liess er die Ware von anderen über die Grenzen schmuggeln. So wurden im Juni 2009 rund acht Kilogramm an Münzen und Ringen in einem aus der Türkei kommenden Lastwagen in Bayern sichergestellt, die Lieferung sollte an ihn gehen. Grosse Mengen verkaufte er auch über «Verkaufsagenten» in Deutschland.

Der Mann besass nicht nur mehrere Konten in verschiedenen Ländern, sondern für die Aufbewahrung der Gegenstände auch einige Schrankfächer in diversen Kantonalbanken über die ganze Schweiz verteilt. Bankunterlagen über ein Sparkonto mit 59 000 Franken vergrub er kurzerhand unter einer Fichte vor dem Chalet der Eltern in Kandersteg.

Verdacht auf Geldwäscherei

In einem Telefongespräch machte er einmal einen Witz darüber, dass er in der Einkommenssteuererklärung die Zahl Null eingetragen habe. Was er nicht wusste: Sein Telefon wurde bereits überwacht. Die Staatsanwaltschaft attestiert ihm allerdings auch, dass ohne sein Geständnis das Sparkonto wohl nie entdeckt worden wäre.

Staatsanwältin Ludovica Del Giudice warf ihm vor Gericht allerdings auch vor, dass er selbst dann mit dem illegalen Handel nicht aufgehört habe, als Ebay sein Konto gesperrt habe. «Es ist nicht egal, woher die zahlreichen Münzen kommen. Die illegalen Ausgrabungen haben in den europäischen Mittelmeerländern alarmierende Dimensionen angenommen», betonte sie in ihrem Plädoyer. Der Fall ist rechtlich kompliziert: Für eine Bestrafung des Mannes in der Schweiz muss die Tat auch in den Herkunftsländern strafbar und dort noch nicht verjährt sein. Nebst Hehlerei und Geldwäscherei wirft man dem Mann auch mehrfache Verstösse gegen das Kulturgütertransfergesetzes vor, er sei dabei gewerbsmässig vorgegangen.

Ihm drohen 24 Monate bedingt

Bei dem Angeklagten wurde Asperger diagnostiziert, er soll dennoch voll schuldfähig sein. Die Staatsanwaltschaft fordert eine bedingte Freiheitsstrafe von 24 Monaten sowie zusätzlich eine Geldstrafe.

Die drei Richter beraten den Fall nun während vier Tagen, das Urteil fällt Mitte nächster Woche.

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