Jan Wengeler, gibts eigentlich Leute, die Sie um Ihren Job beneiden?

Es dürfte mittlerweile bekannt sein, dass es eine Herausforderung darstellt, neue Shopping-Center in einem gesättigten Markt zu etablieren. Das war mir bewusst, als ich im April 2016 die Stelle angetreten habe. Aber zu Ihrer Frage: Bis jetzt lag jedenfalls noch kein Bewerbungsschreiben für meinen Job im Posteingang (er schmunzelt).

Sie müssen seit einem Jahr Optimismus versprühen für ein Produkt, dass gute Seiten hat, aber irgendwie zur falschen Zeit und vielleicht am falschen Ort angeboten wird.

Da muss ich Ihnen widersprechen. Wir befinden uns auf der boomenden Achse Luzern-Rotkreuz - und unser Produkt ist zukunftsweisend. Wir bieten nebst über 110 Läden auch Erlebnisse an. Denken Sie an die Kinos mit Imax und 4DX-Technik oder die schweizweit einmalige Surfwelle. Ab Dezember verfügen wir zusätzlich über eine Hausarztpraxis. Kommt dieses Angebot gut an, können wir uns einen Ausbau im medizinischen Bereich vorstellen.

Das heisst, man wird in der Mall bald auch Botox spritzen oder die Brust vergrössern lassen können?

Konkrete Pläne dafür gibts keine. Aber es ist zumindest nicht mehr abwegig, solches auch in einem Shopping-Center anzubieten. Die Leute wollen heute länger jung und schön bleiben. Und wir sind viel mehr als nur ein Shopping-Center.

Das sagen andere auch von sich - Sihlcity Zürich zum Beispiel.

Deswegen läuft es dort so gut.

Nur liegt Sihlcity nicht in der Agglo, sondern am Rand einer Grossstadt, mit Zehntausenden Arbeitsplätzen und Einwohnern in unmittelbarer Nähe.

Auch wir verfügen mit Schindler und anderen grossen Firmen über Frequenzbringer in der Nachbarschaft. Viele dieser Angestellten verbringen die Mittagspause inzwischen bei uns. Klar, einen solch grossen Zulauf in unmittelbarer Nähe wie Sihlcity haben wir nicht - wir müssen die Leute schon herholen.

3 Jahre in 60 Sekunden: Der Bau der Mall of Switzerland im Zeitraffer.

3 Jahre in 60 Sekunden: Der Bau der Mall of Switzerland im Zeitraffer.

Ein Standortnachteil für die Mall sind nicht zuletzt die restriktiven Öffnungszeiten im Kanton Luzern. Nun kommt Bewegung in die Sache. Ihre Haltung dürfte klar sein.

Am Samstag mindestens eine Stunde länger ist unbedingt erforderlich - nicht nur für uns, für alle. Wir brauchen dafür nicht zwei Abendverkäufe bis 21 Uhr. Es ist auch unnötig, jeden Abend bis 20 Uhr offen zu haben.

Sie haben vor der Eröffnung mit 4,5 bis 5 Millionen Besuchern jährlich gerechnet - wie sieht es nun aus?

Unser Ziel war es, während der Markteinführung, die 3 bis 5 Jahre beträgt, eine Besucherzahl im erwähnten Bereich zu erreichen. Seit der Eröffnung vor einem Jahr bis gestern zählten wir rund 3,9 Millionen Besucher. Damit sind wir zufrieden und auf Kurs. Denn die 5 Millionen basieren auf der Voraussetzung, dass die Mall voll vermietet ist. Da sind wir aber aktuell erst bei 84 Prozent von 65000 Quadratmetern. Zudem betonen wir immer wieder, dass es drei bis fünf Jahre dauert, bis sich ein neues Center etabliert hat.

Tausende wollen die Mall of Switzerland sehen

Eröffnung: Tausende wollen die Mall of Switzerland sehen (9. November 2017)

Wieviel Umsatz erzielt die Mall?

Das können wir erst im nächsten März bekanntgeben, wenn die bereinigten Zahlen der Mieter für das ganze 2018 gemeldet wurden.

Wird der Jahresumsatz näher bei 200 oder 300 Millionen liegen?

Wie gesagt, ich muss Sie vertrösten.

Nimmt man das oft gähnend leere Parkhaus als Gradmesser, sind es wohl nicht einmal 200.

Das ist eine subjektive Beobachtung. Unser Parkhaus zählt 1600 Plätze auf 6 Etagen - da braucht es natürlich viele Autos, bis es voll aussieht. Vor allem aber reisen erfreulicherweise 50 Prozent der Kunden mit dem ÖV, Velo oder zu Fuss an. Das sind 10 Prozent mehr als erwartet.

Noch eine subjektive Beobachtung: Auch in der Mall selber sind oft nur wenige Leute zu sehen.

Dies liegt an der Grösse und Anordnung. Im Gegensatz zu den meisten anderen Zentren gruppieren sich bei uns die Läden um mehrere, teils geknickte Passagen verteilt auf vier Verkaufsebenen. Man sieht nicht alles auf einen Blick.

Wie viele Mieter haben im ersten Jahr das Handtuch geworfen?

Nur wenige unserer Mieter haben die Mall verlassen, jedoch sind mehr hinzugekommen. Unsere Vermietungsbilanz ist also insgesamt positiv.

Unter den Wegzügen ist mit Coffee Fellows eine Firma, bei der noch ein Rechtsverfahren mit der Mall hängig ist. Das Center verlassen will offenbar auch Flying Tiger. Warum?

Dazu möchte ich mich nicht äussern. Nur soviel: Es ist ganz normal, dass Mieter wechseln, auch nach kurzer Zeit, dies ist ein wichtiger Prozess zur Schärfung des Profils des Einkaufszentrums. Auch nächstes Jahr wird es zu Schliessungen und Neueröffnung kommen.

Was läuft in der Mall denn gut?

Definitiv die Gastronomie, dann aber auch diverse Läden und natürlich das Freizeitangebot unter anderem mit dem grossen Fitnesscenter. Die Oana-Surfwelle ist zudem in den ersten rund zwei Monaten super angelaufen.

Zum Freizeitangebot gehört auch das Kino. Aus der Branche hört man jedoch, dass die Umsätze des Pathé weit unter den Erwartungen sind.

Die gesamte Kinobranche leidet dieses Jahr wegen des zu guten Wetters und den fehlenden Blockbusters. Zumindest letzteres wird sich 2019 ändern.

Was war Ihr Höhepunkt im ersten Mall-Jahr?

Zweifellos die Eröffnung der Oana-Surfwelle. Sie ist schweizweit einmalig. Das macht unsere Mall einzigartig. Vor allem aber konnten wir endlich unser Versprechen einlösen, wonach wir eine solche Surfwelle realisieren.

Wenn die Surfwelle so gut läuft - warum hat man nicht von Anfang mehr auf diesen Bereich gesetzt, etwa mit einem Freizeitbad?

Das hätten wir gerne, doch leider fand sich kein Betreiber. Die Mall ist aber im Gespräch mit den Rontaler Gemeinden für ein Hallenbad. Die dafür nötige Landreserve hätten wir jedenfalls.

Was war Ihr Tiefpunkt im ersten Jahr?

Die Bombendrohung Anfang März. Immerhin zeigte sich, dass unser Notfall-Regime bestens funktioniert.

Und die Mall war erst noch wieder schweizweit in den Medien.

Stimmt. Das Ganze war aber nicht von uns inszeniert (er schmunzelt).

Wie steht es um das Verhältnis zwischen der Mall und der Ebikoner Bevölkerung?

Für viele Ebikoner sind wir ein Treffpunkt geworden. Unser Ebibeach im Sommer war sogar ausserhalb der Ladenöffnungszeiten gut besucht. Andere Ebikoner sind nach wie vor skeptisch. Es ist ein üblicher Gewöhnungsprozess. Ich habe in den letzten 20 Jahren mehrere Shopping-Center eröffnet. An manchen Orten gab es sogar Demos. Von daher war es in Ebikon geradezu ruhig.

Nach wie vor stehen rund 10000 Quadratmeter Fläche leer - was passiert damit?

Wie bereits zu einem früheren Zeitpunkt kommuniziert, arbeitet eine Projektgruppe daran, mögliche Nutzungen auszuloten. Uns ist es primär wichtig, dass diese Flächen mit Konzepten und Angeboten gefüllt werden, welche unseren Besucherinnen und Besuchern einen Mehrwert bringen.

Haben Sie keine Eile? Jeder Monat mit Leerstand kostet Geld.

Das schon. Wir wollen die Flächen aber nicht um jeden Preis vermieten, sondern zum Konzept passende Mieter finden.

Trotzdem erhält man den Eindruck, die Mall-Verantwortlichen seien nervös. Oder warum sonst bittet Ihre PR-Agentur Journalisten im Vorfeld des Jubiläums, auf Umfragen bei den Mietern bezüglich des Geschäftsgangs zu verzichten.

Es steht uns selbstverständlich weder an, unsern Mieter den Mund zu verbieten, noch einen Journalisten in seiner Arbeit zu behindern. Fakt ist aber: Die Mietervereinigung hat uns explizit gebeten, die Mitarbeiter der Geschäfte etwas vor den Medien abzuschirmen, weil ihnen einfach die Erfahrung im Umgang mit Journalisten fehlt und sie Angst haben, sich falsch auszudrücken oder falsch verstanden zu werden.