Migros-Entscheid

«Als Kind hat mir das Wort ‹Mohrenkopf› immer einen Stich versetzt»: Ein dunkelhäutiger Schweizer erzählt

Umstritten: Die Süssigkeit aus Waltenschwil

Umstritten: Die Süssigkeit aus Waltenschwil

Er lebt bereits sein ganzes Leben in der Schweiz, ist dunkelhäutig, halb Schweizer und halb Nigerianer. Dass die Migros die Dubler-Mohrenköpfe aus dem Sortiment nimmt, begrüsst Lukas*. Hier sagt er, weshalb.

«Ich finde es schon erstaunlich, wie viele Reaktionen der Entscheid der Migros ausgelöst hat. Alle wollen mitdiskutieren. Dabei können die meisten doch gar nicht nachvollziehen, wie es aus Sicht eines Betroffenen ist.

Als Kind hat mir das Wort «Mohrenkopf» immer einen Stich versetzt. Nicht nur, weil mich die Kinder auf dem Pausenplatz immer wieder so nannten, oder weil auf den Verpackungen so ein übertrieben dargestelltes Gesicht eines Schwarzen zu sehen war. Mit viel zu grossen Lippen und einem Ring in der Nase. Es ist nämlich nicht so, als ob es nur das wäre.

Das ist alles nicht unbedingt böse gemeint, aber wenn man das immer wieder mitbekommt als Dunkelhäutiger, dann hat man irgendwann einfach die Schnauze voll. Ich glaube, das ist mit ein Grund, weshalb so viele Leute jetzt auf die Strasse gehen.

«Mohr» – von Kolonialisten benutzt, die Menschen versklavten

Ich werfe den Leuten nicht vor, dass sie rassistisch sind, wenn sie «Mohrenkopf» sagen. Viele wissen vielleicht gar nicht, dass das Wort «Mohr» von den Kolonialisten benutzt wurde, die dunkelhäutige Menschen versklavten. Wenn jetzt aber weisse Personen sagen, das Wort «Mohrenkopf» habe nichts mit Rassismus zu tun, dann ist das falsch. Das ist genau das «white privilege», von dem jetzt immer wieder die Rede ist.

Es gibt sehr viele Leute, welche die «Black-Lives-Matter»-Bewegung jetzt nach dem Tod von George Floyd gut finden. Aber wenn es dann darum geht, «Mohrenköpfe» zu entfernen, dann regen sich alle auf. Dabei ist das doch gut so.

Ich habe ein gewisses Verständnis dafür, wenn sich gewisse Leute jetzt darüber Sorgen machen, dass Schweizer Traditionen verloren gehen. Aber bitte:

Oder halt einfach umbenennen

Den Entscheid der Migros finde ich gut. Allerdings ist der Zeitpunkt nicht unbedingt super. Jetzt sieht es so aus, als ob die Migros auch noch auf den «Black-Live-Matters»-Zug aufspringen will. Mir wäre es ehrlich gesagt lieber gewesen, sie hätten die «Mohrenköpfe» bereits früher stillschweigend aus dem Regal entfernt. Oder halt einfach umbenannt. Ich habe ja nichts gegen das Produkt an sich.

Aber immerhin scheinen die Proteste jetzt eine gewisse Wirkung zu entfalten. Ich hoffe einfach, dass die Leute so langsam ein Bewusstsein dafür entwickeln, was so Worte wie «Mohrenkopf» für die Betroffenen bedeuten.»

*Name geändert

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