Das VBS habe seit je andere Prioritäten gehabt als die Entsorgung von Munition, auch wenn sie Menschenleben gefährde, sagt der Mann: «Neue Kampfjets sollen 8 Milliarden kosten, aber zum Wegräumen der Munition, dieser einzig tauglichen Sofortmassnahme, hatte man seit 70 Jahren offenbar kein Geld.»

Dabei ist das ehemalige Munitionslager Mitholz nur eine von mehreren tausend Altlasten, auf denen das Verteidigungsdepartement (VBS) von Bundesrat Guy Parmelin sitzt. Auf Anfrage sagt VBS-Sprecher Lorenz Frischknecht: «Das VBS führt gemäss der Altlasten-Verordnung einen Kataster der belasteten Standorte.

Darin sind rund 2500 belastete Standorte aufgeführt.» Dabei handle es sich meist um Schiessplätze und/oder Betriebsstandorte wie Tankanlagen. «Aus Informationsschutzgründen» gibt das VBS keine Gesamtübersicht über diese Anlagen heraus.

Blick ins ehemalige Munitionslager bei Mitholz

Blick ins ehemalige Munitionslager bei Mitholz

Reto Luginbühl, stellvertretender Leiter des Fachbereichs Explosivstoffe und Munitionsüberwachung, erklärt, was bei der Explosion vom 19. Dezember 1947 bei Mitholz geschehen ist.

«Von den rund 2500 Standorten sind rund 800 abschliessend untersucht und weder überwachungs- noch sanierungsbedürftig. Hier besteht kein weiterer Handlungsbedarf. Rund 45 Standorte wurden bisher saniert», teilt Frischknecht mit. Bei den übrigen Standorten bestehe «noch Handlungsbedarf». Das heisst: «Sei es, dass noch Untersuchungen nötig sind, sei es, dass eine Überwachung erfolgt oder dass eine Sanierung durchgeführt werden muss», so der VBS-Sprecher.

Die Sanierung dieser Anlagen kostet Unsummen. «Die Kosten für die Untersuchungen der belasteten Standorte und die nötigen Sanierungen werden grob auf 0,5 bis 1 Milliarde Franken geschätzt», richtet Frischknecht aus. Und in dieser Summe ist Mitholz noch gar nicht drin. VBS-Sprecher Frischknecht: «Er ist in dieser Abschätzung nicht enthalten, weil eine Sanierung des Standorts aus altlastenrechtlicher Sicht bisher nicht vorgesehen war. Nun müssen die Abklärungen der Arbeitsgruppe abgewartet werden, die der Bundesrat letzte Woche beschlossen hat.»

Die Flucht nach der Explosion - eine Augenzeugin berichtet

Die Flucht nach der Explosion - eine Augenzeugin berichtet

Regina Trachsel ist eine von drei Augenzeugen, die die Explosion vom Munitionslager am 19. Dezember 1947 miterlebt hat. Sie war damals noch ein Kind. Sie berichtet im Interview mit Keystone-SDA, wie sie mit ihrer Schwester mitten in der Nacht das Haus verlassen und fliehen musste.

Der Fall Mitholz zeigt erstaunliche Unterlassungen und Verharmlosungen früherer Armeeverantwortlicher auf. Das Gefährdungspotenzial der in den Kavernen verbleibenden Munition wurde ignoriert. So sagte der damalige EMD-Chef Karl Kobelt 1948 an einer Konferenz der kantonalen Militärdirektoren, dass in Mitholz 7000 Tonnen Munition explodiert seien. Das wäre der gesamte Munitionsbestand gewesen.

Tatsächlich liegen aber heute noch 3500 Tonnen Munition im Bahnstollen und im Schuttkegel. Spätestens seit 1949 war dies bekannt, wie das VBS einräumt. Aber öffentlich kommuniziert wurde es nicht, und der Bevölkerung war dies nicht bewusst. Eine Rolle dürfte gespielt haben, dass «die Anlage klassifiziert war», so VBS-Sprecher Frischknecht. Geheimhaltung ging also vor.

Mitholz: Gefahr einer Explosion höher als angenommen

Mitholz: Gefahr einer Explosion höher als angenommen

Im vor 71 Jahren explodierten ehemaligen Munitionsdepot Mitholz der Armee im Berner Oberland besteht ein höheres Explosionsrisiko als bisher angenommen. Die Anlage wurde bis jetzt als Armeeapotheke und Truppenunterkunft genutzt. Der Bund hält es allerdings nicht für nötig, weitere Sofortmassnahmen zu ergreifen und die Bevölkerung zu evakuieren.