«Bachmann vorverurteilen ist unfair»

Leopold Bachmann will Olten SüdWest mit 2000 Wohnungen überbauen. Ihm eilt der Ruf schnellen und billigen Bauens voraus. Das nährt Befürchtungen, das Gelände könnte zum Getto verkommen. Baudirektorin Silvia Forster sieht das anders.

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Solothurner Zeitung

Urs Huber

Von Generationenprojekt und «vollen Hosen»

Um sicherzustellen, dass die Stadt Olten sich die einmalige Möglichkeit für eine attraktive Stadtentwicklung nicht entgehen lasse, haben Jungpolitikerinnen und Jungpolitiker parteiübergreifend die Aktion «Junge für ein lebendiges Olten SüdWest» gegründet. Prinzipiell sei man über das Interesse des Investors Leopold Bachmann erfreut; weniger hingegen über die günstige Bauweise: «Wir sind überzeugt, dass eine solche Überbauung der Stadt Olten keine Vorteile verschafft», so die Aktion in einer Mitteilung. Vielmehr sollten auch durchschnittliche und qualitativ hochwertige Wohnungen gebaut werden, um einen gesunden Sozialmix zu erreichen. Die günstigen Mietzinse seien nur durch eine sparsame Bauweise profitabel zu verwirklichen. Für Olten sei jedoch die Attraktivität entscheidend.

Weitere Zweifel zu Bachmanns Projekt untermauert die Aktion mit einem Ausschnitt aus der Fachzeitschrift Wohnen (Ausgabe 11/2004), der sich mit anderen Vorhaben des Investors befasst: «Die halböffentlichen Räume sind minimal, Gemeinschaftsräume gibt es nur im gesetzlich vorgeschriebenen Umfang, und die Umgebungsgestaltung ist karg. Die Mieter beklagen die kleinen Individualzimmer, die spartanische Elektroausstattung mit einem Anschluss pro Zimmer und die billigen Materialien. Doch Bachmann geht bei neuen Projekten nur zögerlich auf solche Kritiken ein, da er befürchtet, sein Realisierungsmodell und das Preisargument zu gefährden.» Weiter trage Olten das Label Energiestadt. «Wäre es nicht sinnvoll, dieser Auszeichnung durch die Realisierung eines ganzen Stadtteils mit Minergie-Standard Rechnung zu tragen?» Die Jungpolitiker würde es freuen, sich an der Planung des neuen Stadtteils Olten SüdWest beteiligen zu können, «da es sich um ein echtes Generationenprojekt handelt».

Dezidiert äussert sich Architekturkritiker Benedikt Loderer alias «der Stadtwanderer» zu Olten SüdWest: «Die Stadtregierung hat die Hosen voll. Wenn die Stadt eine Umzonung von Industrie- in Bauland macht, dann vervielfacht sich der Wert des Landes. Dieser Gewinn fliesst nur in die Taschen der Landbesitzerin. Die Stadt kriegt nichts. Für diesen Mehrwert, den sie ja erst ermöglicht, muss sie eine Gegenleistung erhalten. Etwa in Form eines Teils dieser riesigen Parzelle, denn die künftigen Bewohner haben Kinder, und diese gehen zur Schule und in den Kindergarten. Diese Gebäude sollten in der Nähe gebaut werden. Es kann nicht sein, dass die Stadt alles aus dem eigenen Sack bezahlen muss.» (mgt/tsT)

«Die Vorverurteilung Bachmanns ist unfair», stellt die Oltner Baudirektorin Silvia Forster klar. Der Rüschliker Unternehmer Leopold Bachmann, der jüngst einen Kaufvorvertrag über das Gelände Olten SüdWest abgeschlossen hat (wir berichteten), verdiene mehr Vertrauen. Ängste, wonach über kurz oder lang ein überbautes Gebiet mit Getto-ähnlichem Charakter zurückbleibe, sieht die Baudirektorin unbegründet. Denn der Gestaltungsplan, hervorgegangen aus dem seinerzeitigen Wettbewerb, sei streng, beinhalte neben Vorgaben wie der Errichtung öffentlicher Plätze auch Sonderbauvorschriften etwa bezüglich Energieverbrauch, nach Möglichkeit in Minergiestandard. Dieser ist jedoch nicht explizit zwingend, was externe Planungs- und Baufachleute erstaunt. «Der Minergiestandard ist einzuhalten, wenn dies wirtschaftlich tragbar, nachhaltig, technisch möglich und städtebaulich gut verträglich ist», steht in den Sonderbauvorschriften. «Es ging vor allem darum, bei der riesigen Struktur nicht zu viel vorzugeben», argumentiert die Baudirektorin, «und Qualitätssicherung bei möglichst viel Spielraum zu garantieren. Setzt man den Gestaltungsplan um, so sehe ich keine Veranlassung von einem drohenden Getto zu sprechen.» Sie geht davon aus, den Gestaltungsplan, allenfalls mit Modifikationen, noch vor Ablauf ihrer Amtszeit als Stadträtin in Oltens Exekutive zur Ratifizierung vorlegen zu können.

Als ein wesentliches Element der Qualitätssicherung für Olten SüdWest sieht Forster auch die Gestaltungskommission als beratendes Gremium für die Qualitätssicherung der Entwicklung im Gebiet Olten SüdWest. Sie setzt sich aus Personen zusammen, welche die massgebenden Disziplinen aus Städtebau und Architektur, Raum- und Verkehrsplanung sowie Umwelt und Ökologie und Ökonomie abdecken.

Arealkauf - nur kurz ein Thema

Was heute als Forderung einer Volksmotion im Raume steht (wir berichteten), nämlich der Kauf des Areals SüdWest durch die Stadt, war auch im Oltner Stadtrat ein Thema. Dies zu jener Zeit, als die Liegenschaftsbesitzerin Holcim mit dem Gedanken spielte, auf dem Gelände einen Vergnügungspark einzurichten. «Das war 2007», erklärt Silvia Forster. Die Stadt sei damit überhaupt nicht einverstanden gewesen und habe sich für eine andere Nutzungsform, eben jene von «Wohnen - leben - arbeiten» ins Zeug gelegt. Damals, so erinnert sich Forster, sei als Höchstofferte für den Stadtrat eine niedrige zweistellige Millionensumme im Raum gestanden.

Für das Anliegen des Komitees «Zukunft Olten SüdWest» bringt Forster ein gewisses Verständnis auf. «Aber wie gesagt, man gibt Bachmann damit auch keine Chance, das finde ich nicht gut», sagt sie. Nicht nur Bauten an sich seien Nährboden einer befürchteten Gettobildung. Auch der Bevölkerungsmix, die Instandhaltung der Liegenschaften, die Anbindung des Quartiers und andere Momente spielten dabei eine Rolle.

Baggersee und Surf'in

«Wissen Sie», sagt Silvia Forster auf ihre persönliche Beziehung zu Olten SüdWest angesprochen, «ein Baggersee im Naherholungsgebiet würde mir auch gefallen.» Aber im selben Atemzug meint sie auch: «20 bis 30 Millionen Franken ausgeben dafür? Wie soll man das dem Steuerzahler und Einwohner bloss verständlich machen?» Es sei nämlich nicht so, dass der Stadtrat über einen Kauf absolut entscheiden könne. «Eine Vorlage dieser Dimension kommt vors Volk.»