J+S-Beiträge
Baselland plant revolutionäre Unterstützung für Sportvereine

Der Kanton könnte in Zukunft von sich aus die J+S-Beiträge an die Sportvereine verdoppeln, da sich immer mehr Sponsoren zurückziehen. Grund dafür ist die Wirtschaftskrise.

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Karl Willimann

Karl Willimann

Schweiz am Sonntag

Von Bojan Stula

Die Wirtschaftskrise lässt die Finanzchefs zahlreicher regionaler Sportvereine verzweifeln. Sponsoren ziehen sich in immer stärkerem Masse zurück, die müsahme Suche nach neuen Geldgebern beschert den Vereinsverantwortlichen schlaflose Nächte. Gleichzeitig werden Institutionen wie der Baselbieter Lotteriefonds mit Anfragen um finanzielle Hilfe überschwemmt. Doch bald schon könnte der Kanton Baselland seinen Sportklubs zu Hilfe eilen.

Ausgehend von einer Motion von SVP-Landrat Karl Willimann tüftelt das Sportamt Baselland an einem für die Schweiz revolutionären Subventionsmodell, das unmittelbar nach den Sommerferien der Regierung und anschliessend dem Landrat vorgelegt werden soll.

Die Absicht, die dahinter steckt, ist klar. Geht es nach Willimann, soll im Landkanton der Sport bei der Subventionierung der Kultur gleichgestellt werden und ebenfalls mit einem halben bis ganzen Prozent der jährlichen Steuereinnahmen unterstützt werden.

Sportamtleiter Thomas Beugger spricht in diesem Zusammenhang von einem wegweisenden Modell und lässt an der Berechtigung von kantonaler Sportunterstützung keinen Zweifel: «In den Sportvereinen wird tagtäglich derart grosse und wertvolle Arbeit verrichtet, dass mehr Geld für die Klubs dringend angezeigt wäre.

Wir sind Karl Willimann für seinen Vorstoss im Parlament sehr dankbar.» Die Frage, die die Regierung nun beantworten muss, lautet: Wie kann der Kanton allfällige Subvention möglichst gerecht und einfach auf die über 700 Baselbieter Sportvereine verteilen?

Für Sportamtleiter Beugger liegt die Antwort auf der Hand: Indem man die gute Vorarbeit nützt, die das Eidgenössische Förderprogramm «Jugend und Sport» (J+S) sowie das kantonale Förderprogramm Jugendsport Baselland (JSBL) bereits jetzt leisten.

Sportvereine, die über J+S ihre Trainer- und Leiterschar ausbilden lassen und Trainings oder Kurse für Jugendliche zwischen 10 und 20 Jahren - sowie neu zwischen 5 und 10 Jahren (J+S-Kids) - anbieten, werden von J+S oder JSBL finanziell unterstützt.

Die Höhe der J+S- und und JSBL-Gelder berechnet sich nach der Anzahl Gruppen/Teams, Teilnehmer und Häufigkeit der Trainings und Wettkämpfe und kann in Form von Saison- oder Jahreskursen abgerechnet werden. Das kann je nach Grösse des Klubs durchaus mehrere 10 000 Franken jährlich an Subventionen bedeuten.

Nimmt nun das Baselbiet künftig die Höhe der bisherigen J+S- und JSBL-Beiträge als Berechnungsgrundlage für die zusätzlichen künftigen Sportgelder, kann zweierlei erreicht werden: Erstens profitieren nur diejenigen Sportvereine von der zusätzlichen Unterstützung, die sich tatsächlich in der Jugendarbeit engagieren.

Zweitens ist durch die J+S-Ausbildung der entsprechenden Leiter und Trainer eine hohe Qualität der angebotenen Sporttrainings und Kurse gewährleistet. «Wir sind sehr interessiert daran, primär diejenigen Vereine zu unterstützen, die bei ihrer Arbeit auch Qualität abliefern», sagt Sportamtleiter Thomas Beugger.

Nach einem ersten Überschlag der Zahlen liesse sich dank des geplanten «Sportprozents» eine Verdoppelung der bisherigen J+S-Ausschüttungen erreichen. Somit könnten dem Baselbieter Vereinssport zusätzlich etwa 2,4 Millionen Franken im Jahr zugeführt werden. Nicht zuletzt in Basel-Stadt würde ein solches Modell aus dem Landkanton als starkes Signal empfunden, bleibt doch die städtische Sportförderung vor allem in Fussballkreisen umstritten.

Und noch einen Vorteil hätte dieses Modell: Der Verwaltungsaufwand würde sich für den Kanton Baselland in engstem Rahmen halten. Da heute schon nur jene Sportvereine Jugend+Sport- respektive JSBL-Gelder einkassieren, die eine ordnungsgemässe Buchhaltung führen und die Kurse rechtzeitig anmelden, entfiele der kantonale Kontrollaufwand; eine verlockende Aussicht.

Doch hat das Projekt, das von Regierung und Landrat zunächst abgesegnet werden muss, politisch überhaupt eine Chance? Thomas Beugger gibt zu, dass die jetzige Wirtschaftslage «gewiss nicht zu neuartigen kantonalen Ausgaben ermuntert». Andererseits wäre es ungemein gut investiertes Geld - gerade wegen der Wirtschaftskrise.