Kobik
Besser vernetzt gegen Kinderpornografie

Die Koordinationsstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität verstärkt die internationale Zusammenarbeit

Rinaldo Tibolla
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Dank internationaler Vernetzung sollen Kinder und Jugendliche besser vor sexuellem Missbrauch im Netz geschützt werden.

Dank internationaler Vernetzung sollen Kinder und Jugendliche besser vor sexuellem Missbrauch im Netz geschützt werden.

Keystone

Obwohl in der Schweiz die Zahl der gemeldeten Kinderpornografie-Websites um die Hälfte auf 698 Meldungen gesunken ist, heisst dies noch lange nicht, dass dieses illegale Geschäft im Begriff wäre, zu verschwinden.

Zwar verweist auch die Koordinationsstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (Kobik) in ihrem gestern veröffentlichten Jahresbericht, dass die Effizienz in der Bekämpfung durch gute Zusammenarbeit mit Schweizer Internetanbietern und Interpol in diesem Bereich im Vergleich zum Vorjahr gesteigert werden konnte.

Kobik erwähnt aber auch, dass das kinderpornografische Material vermehrt in nicht öffentlich einsehbaren Bereichen des Internets wie dem Deep Web oder dem Darknet – Netzwerken also, wo sich Nutzer mit Personen ihres Vertrauens treffen – ausgetauscht wird.

Schweiz gesellt sich zur Spitze

Weltweit ist Kinderpornografie ein Milliardengeschäft, das stetig wächst. Laut Schätzungen von 2009 der ECPAT International – einer NGO zum Schutz der Kinder vor sexueller Ausbeutung – werden mit illegalem Material jährlich 20 Milliarden US-Dollar umgesetzt.

Wie die EU festhält, waren schon 2005 weltweit eine Million Bilder online. Jedes Jahr kämen weitere 50 000 Bilder und Videos dazu. 70 Prozent des Materials würden Kinder unter zehn Jahren zeigen. Eine Allianz gegen den weltumspannenden Kinderpornografie-Zirkel aus 54 Ländern (darunter auch die Schweiz) wurde 2012 ins Leben gerufen – die Global Alliance against Child Sexual Abuse Online. Das globale Bündnis legt für die Staaten Ziele fest, die auf freiwilliger Basis innerstaatlich umgesetzt werden. Die Ziele für 2014 konnte die Schweiz in allen Bereich erreichen oder gar übertreffen, heisst es im Jahresbericht. Die Schweiz sei bei diversen Präsentationen «hervorgehoben» worden und habe sich nun «bei der Bekämpfung des Online-Kindsmissbrauchs» zur «internationalen Spitze» gesellt.

Bereits ein neues Ziel hat sich die Schweiz im Rahmen der Allianz gestellt. So soll in Zusammenarbeit mit den Kantonen bis 2016 ein nationales Opferidentifikationskonzept im Bereich der Kinderpornografie erarbeitet werden, wie das zuständige Bundesamt für Polizei bestätigte: «Kobik möchte, dass bei Ermittlungen zukünftig eine systematische Opferidentifikation vorgenommen wird. Ziel ist, dass mehr Opfer sexuellen Missbrauchs identifiziert und vor weiteren Übergriffen geschützt werden können.»

Gefährdete Kinder erkennen

Seit vergangenem Jahr ist die Kobik neu Mitglied der Virtual Global Taskforce (VGT), ein Zusammenschluss von Strafverfolgungsbehörden, NGOs und der Privatwirtschaft zur Bekämpfung des sexuellen Missbrauchs von Kindern im Internet. Ihre erklärten Ziele sind, das Internet zu einem sichereren Ort zu machen, gefährdete Kinder zu erkennen und Täter von Kindsmissbrauch zur Verantwortung zu ziehen.

Laut Kobik bietet die rasante Entwicklung des Internets der Täterschaft immer wieder neue Möglichkeiten, den Strafverfolgungsbehörden eine Nasenlänge voraus zu sein und sich an Kindern zu vergehen. VGT sei eine «direkte Antwort» auf diese Entwicklung. «Diese Form der Zusammenarbeit ist gerade im Bereich der Internetkriminalität von enormer Bedeutung», heisst es beim Bundesamt für Polizei. Die staatlichen Behörden könnten so gemeinsam mit wichtigen Partnern aus der IT-Branche neue Wege bei der Bekämpfung der Pädokriminalität suchen und Lösungen entwickeln.