Bessere Chancen im harten Markt

Ihre Zahl nimmt ständig ab, ihre Bedeutung laufend zu: Damit die Aargauer Bauern auch in Zukunft möglichst viel und dennoch ökologisch produzieren können, wird ihr Gesetz total revidiert. Zum Entwurf können sich alle Interessierten bis zum 15. September äussern.

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Aargauer Zeitung

Hans Lüthi

Kein Zweifel, die Globalisierung macht auch den Landwirten das Leben schwer, tiefere Preise ennet der Grenzen erhöhen den Druck auf unsere Bauern laufend. Von der Anzahl her haben sich die Betriebe unter 10 Hektaren von 1990 bis 2005 halbiert, jene über 30 Hektaren wuchsen auf mehr als das Doppelte. Der Trend zur Grösse, zur Automatisierung und zur Spezialisierung wird in rasantem Tempo weitergehen. «Unsere Bauern müssen mit härteren Marktbedingungen besser umgehen können», sagt Hans Burger zur Totalrevision des Landwirtschaftsgesetzes. Der Leiter der Abteilung Landwirtschaft sieht Chancen im Wachsen und Rationalisieren, in Zusatzerwerben und mehr Kooperation, etwa mit Maschinen-Gemeinschaften.

Beachtliche Gelder des Bundes

Die Leitplanken für die Bauern auf dem Weg in die Zukunft setzt der vom Parlament vor zwei Jahren verabschiedete Bericht «Landwirtschaft Aargau». Die Agrarpolitik liegt primär in der Obhut des Bundes, aber auch der Aargau will die Eigenständigkeit der Bauern verstärken. Mit diesem Ziel: «Der Schwerpunkt der neuen Massnahmen wird auf die produzierende Landwirtschaft gelegt, ohne jedoch die ökologischen Anliegen aus den Augen zu verlieren», steht in der schönen Absichtserklärung. Es geht auch um beachtliche Fördermittel - wobei das in Relation zu den Milliarden für die Banken nur Peanuts sind. «100 Millionen Franken hat der Bund in den letzten Jahrzehnten als Investitionshilfe in den Aargau geschickt, plus zinsfreie Darlehen mit Rückzahlung», rechnet Hans Burger vor. Der Aargauer selber habe einen kantonalen Fonds von 1980 bis 2000 sukzessive auf 20 Millionen Franken aufgestockt.

Leistungen für die Gesellschaft

Ob es den Bauern passt oder nicht, spielt keine Rolle, dieses Faktum gilt: Die Landwirtschaft muss ihre Konkurrenzfähigkeit weiter verstärken - obwohl sie längst auf einer immer kleineren Fläche immer mehr und qualitativ hochstehender produziert: 1960 musste ein Schweizer Haushalt 27 Prozent seiner Kosten für Nahrungsmittel aufwenden, heute sind es weniger als 8 Prozent! Die Ansprüche der Gesellschaft sind hoch: Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen, Versorgungssicherheit, Pflege der Kulturlandschaft, Steigerung des Wohlstandes. Die im öffentlichen Interesse erbrachten Leistungen müssen weiterhin «von der öffentlichen Hand abgegolten werden, weil es dafür keine Märkte gibt».

Einfachere Landumlegungen

Immer wieder ist die Rede von Strukturverbesserungen, auch das neue Gesetz will sie weiter fördern. Was darunter zu verstehen ist, umschreibt Burger so: Modernere Meliorationen erleichtern die Landumlegungen, die für grössere Parzellen zwingend nötig sind. Das neue Verfahren nach Baugesetz wird wesentlich einfacher. Verbessert wird damit auch die Zugänglichkeit zu den Ackerflächen. Für die Gemeinden stellt sich bei Veränderungen immer auch die grundsätzliche Frage, ob der Ökoausgleich am richtigen Ort ist.
Innovation und Wissenstransfer

Schon längst sind die Bauern im Informationszeitalter angekommen und nutzen die neuen Technologien. Verbesserungen sind aber auch hier möglich, durch gezielte Förderung von Innovationen und einen besseren Transfer von Wissen. Diesem Ziel dienen Berufs- und Weiterbildung, öffentliche Beratung, Dienstleistungen und der Vollzug von Fachstellen.

Dazu nennt Hans Burger ein Beispiel: Heute sind die Ackerbaustellen für die nötigen Formulare zuständig, doch die Gemeinden finden immer weniger Personal dafür. «In zwei bis drei Jahren erfolgt die Erhebung elektronisch und direkt durch den Kanton», erläutert Burger. Das neue Bodenrecht will den bäuerlichen Grundbesitz erhalten. Für das Gesetz sind eine Änderung der Verfassung und eine Volksabstimmung notwendig.