Hermann Rauber

Die Schulsozialarbeit in Aarau geht auf das Projekt «Allons-y-Telli!» (2001 bis 2006) zurück und wurde anno 2005 auf das Oberstufenzentrum im Schachen ausgedehnt. Der Stadtrat begründet diesen neuen Dienst mit der «gesamtgesellschaftlichen Entwicklung», die sowohl das System Schule als auch die Familien «grösseren Belastungen» aussetze. Man stosse «zunehmend» an Grenzen, wenn es darum gehe, dem «Kernauftrag der Bildung und Erziehung zufriedenstellend nachzukommen», stellt die Behörde fest. Besonders «in belasteten Quartieren», in denen sich «erschwerende Faktoren» kumulierten (Unterschichtung, grosse Zahl von Familien, eher bildungsferne Eltern), wurde laut Stadtrat «der Ruf nach sozialarbeiterischer Unterstützung der Schule immer lauter».

Weniger Gewalt auf dem Schulhof

Wie auch immer, offenbar geht es je länger, desto weniger ohne Schulsozialarbeit. Diese leistet gemäss den Behörden «einen zentralen Beitrag daran, dass sich die soziale Situation im Schulhaus stark verbessert hat». Das heisst weniger Gewalt auf dem Schulhof und in der Klasse, bessere Kommunikation, Entlastung der Lehrkräfte, Unterstützung im Kontakt mit den Eltern oder Präventionsarbeit. Umfragen bestätigen, dass sich das Klima an den städtischen Schulen dank der Dienstleistung erheblich verbessert hat.

Die positive Bilanz blieb auch im Einwohnerrat nicht ungehört. Im Januar 2008 reichten Ruth Schiess, Susan Dober Spielmann und weitere Unterzeichner eine Motion ein, welche die Einführung von Schulsozialarbeit an allen Schuleinheiten der Primar- und Oberstufe in Aarau forderte. Der Vorstoss wurde grossmehrheitlich überwiesen, allerdings mit der Einschränkung, vorerst «bedarfsgerechte Lösungen» für die einzelnen Schulhäuser zu entwickeln.

Jetzt legt der Stadtrat einen möglichen Pensenschlüssel vor, der die Schüler- und die Fallzahlen berücksichtigt. Für die Ausweitung beantragt die Exekutive dem Parlament die Schaffung von zusätzlich 100 Stellenprozenten, die auf die Bezirksschule und auf die Standorte Gönhard, Aare und Schachen aufgeteilt werden. Damit wird der entsprechende Aufwand für schulische Sozialarbeit in Aarau verdoppelt. Da eine bedarfsgerechte Ressourcenzuteilung auf die einzelnen Schulhäuser im Voraus schwierig zu definieren sei, soll eine Evaluation nach vier Jahren Praxiserfahrung zeigen, ob der gewählte Schlüssel angepasst werden muss. Den Aufwand beziffert der Stadtrat in seinem Bericht und Antrag an den Einwohnerrat mit wiederkehrenden Lohnkosten von rund 100000 Franken und mit einmaligen Investitionen (Büro, EDV) von noch einmal 100000 Franken. Das Parlament wird in seiner nächsten Sitzung vom 1. März über das Geschäft befinden.