Video-Überwachung
Big Brother erobert Bahnhöfe

Die SBB rüsten zahlreiche Regionalbahnhöfe mit zusätzlichen Überwachungskameras auf. Wie die SBB setzen auch BLT und BVB immer mehr auf Videoüberwachung. Mit Hilfe solcher Videoaufnahmen an Tramhaltestellen wurden im Baselbiet bereits zwei Fälle von Gewaltverbrechen aufgedeckt.

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Video Kamera Überwachung

Video Kamera Überwachung

bz Basellandschaftliche Zeitung

Andreas Maurer

Seit der Einführung der Flirt-Kompositionen sind sämtliche Regionalzüge videoüberwacht. Anfangs beschlich dabei viele Pendler ein mulmiges Gefühl: Man fühlte sich ständig beobachtet. Die neuen Kameras waren auf der Zugfahrt Gesprächsthema Nummer eins. Unterdessen ist dieses unbehagliche Gefühl bei den meisten Pendlern verschwunden. Die schwarzen «Augen» werden von den meisten Fahrgästen nicht mehr als bedrohlich wahrgenommen. Im Gegenteil: Sie steigern das Sicherheitsgefühl.

Nach dieser Gewöhnungszeit gehen die SBB nun in die Offensive: Bis Ende 2010 sollen rund 140 statt wie bisher 80 Verkaufsräume und Billettautomaten mit Videokameras überwacht werden. Für Wirbel sorgte ein Artikel der «Sonntag bz»: 100 Regionalbahnhöfe sollen demnach neu mit Videokameras ausgerüstet werden. SBB-Mediensprecher Roman Marti präzisiert, dass es sich dabei aber nicht wie suggeriert um eine flächendeckende Überwachung des ganzen Bahnhofs handle.

BVB-Haltestellen überwachen

Auch die Basler Verkehrsbetriebe (BVB) planen, Haltestellen mit Video zu überwachen. «Wir denken darüber nach, ob wir ein Pilotprojekt konzipieren wollen. Die Idee ist allerdings noch nicht spruchreif», berichtet BVB-Mediensprecherin Dagmar Jenny. Diskutiert werde die Überwachung von einzelnen, kritischen Haltestellen. Mit der Überwachung der Trams hätten die BVB gute Erfahrungen gemacht. Die Vandalismusschäden gingen zurück. Die Kameras würden laut einer Umfrage der BVB von den Fahrgästen sehr geschätzt. (öpf)

Stattdessen würden die neuen Kameras in erster Linie auf Verkaufsräume und Billettautomaten gerichtet. Welche Bahnhöfe in der Region Basel auf diese Art neu überwacht werden, ist noch nicht bekannt. Bereits heute überwachen die SBB 27 Bahnhöfe praktisch flächendeckend mit Kameras. In der Region gehören der Basler Hauptbahnhof und der Stadionbahnhof St. Jakob dazu.

20 000 Franken für vier Kameras

«Wo Videokameras gut sichtbar sind, gehen die Vandalenakte zurück», berichtet SBB-Mediensprecher Roman Marti. Die Videoaufnahmen werden während 24 Stunden aufbewahrt. Auf Anfrage der Polizei kann die Aufbewahrungszeit bei einem Vorfall auf 72 Stunden verlängert werden.

«Um die Aufnahmen zu erhalten, benötigen wir einen untersuchungsrichterlichen Beschluss beziehungsweise ein Strafverfahren gegen eine bekannte oder unbekannte Person», erklärt der Baselbieter Polizeisprecher Rolf Wirz. Es muss also ein dringender Tatverdacht vorliegen. Der Polizeisprecher kann keine Fälle nennen, in denen die Baselbieter Ordnungshüter dank Aufnahmen von SBB-Kameras Ermittlungserfolge erzielten.

Die Baselland Transport AG (BLT), der erste Schweizer Nahverkehrsbetrieb mit videoüberwachten Fahrzeugen, kann demgegenüber bereits von ersten Erfolgen mit Videokameras an Haltestellen berichten. Die BLT überwacht zwei Stationen mit Kameras: Therwil und Neue Welt. Eine Messerstecherei an der Therwiler Haltestelle konnte die Kantonspolizei mit Hilfe der Videoaufnahmen lückenlos aufklären. Bei der BLT-Haltestelle Neue Welt wurde eine Person grundlos angegriffen - ähnlich wie kürzlich im thurgauischen Kreuzlingen. Wie in Kreuzlingen konnte der Täter von Münchenstein mit den Videoaufnahmen identifiziert werden.

Vorerst dehnt die BLT die Videoüberwachung allerdings im Gegensatz zu den SBB nicht aus - auch aus Kostengründen. Für ein Überwachungssystem mit drei bis vier Kameras müsse mit Investitionskosten von mindestens 20 000 Franken gerechnet werden, sagt BLT-Direktor Andreas Büttiker auf Anfrage.

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