Ferngesteuerte Flugobjekte
Boomendes Geschäft: Adler und Laserkanonen gegen Drohnen

Die Abwehr von Drohnen ist zum Geschäft geworden. Eines, das rasant wächst. Einige der entwickelten Abwehrmethoden sind abenteuerlich

Fabio Vonarburg
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In den falschen Händen kann auch eine leichte zivile Drohne zur Gefahr werden.

In den falschen Händen kann auch eine leichte zivile Drohne zur Gefahr werden.

KEYSTONE

Im Krieg werden Drohnen schon lange eingesetzt: Um den Gegner auszuspionieren, um auf ihn zu schiessen. Was aber häufig vergessen geht: Auch die viel kleineren, zivilen Drohnen sind eine potenzielle Gefahr.

Mit ihrer Hilfe werden Drogen und Handys in die Strafanstalten geschmuggelt, und strategisch wichtige Einrichtungen wie Atomkraftwerke können aus der Luft ausspioniert werden. Ein weiteres Szenario: Terroristen könnten Drohnen missbrauchen, um einen Anschlag zu verüben. Wie kann sich der Staat gegen die Gefahr von oben wehren? Die «Nordwestschweiz» stellt bereits eingesetzte, potenzielle und skurrile Massnahmen vor.

1 Wieso nicht mit Störsendern die Drohnen vom Himmel holen?

Drohnen vom Himmel holen kann doch nicht so schwierig sein, könnte man im ersten Moment denken. Einfach in Flugverbotszonen einen Störsender installieren, der die Verbindung zwischen Drohne und der Fernbedienung unterbricht, oder allenfalls den Empfang von GPS-Daten. Sogenannte Jammer gibt es bereits auf dem Markt, sie sind aber gemäss dem Schweizer Fernmeldegesetz verboten.

Eine allfällige Ausnahmebewilligung müsste das Bundesamt für Kommunikation erteilen. Es gibt aber noch weitere Hindernisse, wie der Bericht «Zivile Drohnen in der Schweiz» einer Arbeitsgruppe des Bundesamts für Zivilluftfahrt festhält: «Die Frequenz des Drohnensystems muss für dessen Störung bekannt sein; zudem droht der Störsender, den WLAN-Empfang in der Nachbarschaft zu zerhacken.»

2 Kein unerkanntes Eindringen dank Detektoren

Vor allem bei Gefängnissen sind Detektoren derzeit ein grosses Thema. So plant die Strafanstalt Lenzburg die Installation eines solchen Systems auf dem ganzen Areal. Damit würde eine Drohne zwar nicht unschädlich gemacht, aber sie würde beim Eintritt in den Luftraum oberhalb der Strafanstalt einen Alarm auslösen.

Je nach Art des Detektionssystems werden die Drohnen zum Beispiel über die Akustik oder über ein Radarsystem aufgespürt. Die Firma Koller Engineering aus Nottwil im Kanton Luzern stellt solche Systeme her. «Die Nachfrage ist in letzter Zeit gestiegen», sagte Geschäftsführer Andreas Koller zur «Berner Zeitung». Und: «Viele Firmen informieren sich bei uns, zögern aber noch mit dem Kauf.»

3 Ein Schuss, ein Knall und die Drohne ist gefangen im Netz

Einmal die Drohne erkannt, gibt es bereits verschiedene Möglichkeiten, ihr habhaft zu werden. Eine davon: die Skywall 100, eine Art Bazooka gegen Drohnen. Die eindrückliche Waffe vom britischen Start-up OpenWorks Engineering ist 1,3 Meter lang und 10 Kilogramm schwer. Die Waffe feuert ein Netz ab, dass die Drohne umfängt und sie daraufhin mittels Fallschirm sanft zu Boden zwingt. Ihr Nachteil: Ihre mit 100 Metern eher geringe Reichweite. Die Strafanstalt Lenzburg besitzt bereits ein Netzgewehr. Aber kein solch Eindrückliches wie die Skywall 100.

4 Laserkanone macht mit einer Drohne kurzen Prozess

Auch der US-Flugzeughersteller Boeing mischt im stark wachsenden Geschäft mit Drohnenabwehrsystemen mit. Das Unternehmen hat ein tragbares Gerät entwickelt, das mittels eines Laserstrahls unbemannte Flugobjekte abschiessen kann. Das Problem: Die Drohne fällt unkontrolliert vom Himmel, was wiederum zu einer Gefahr für Mensch und Objekt wird.

5 Wenn Adler Drohnen an den Boden geleiten

In Holland wird eine ganz spezielle Art der Drohnenabwehr getestet: Adler. Die Tiere werden in einer Halle in Den Haag von der Firma «Guard from Above» darauf trainiert, auf Befehl Drohnen anzugreifen und vom Himmel zu holen. Die niederländische Polizei sieht in der Methode einen grossen Vorteil: Die Drohne stürzt nicht wie bei anderen Abwehrmethoden einfach ab, sondern wird vom Adler mehr oder weniger sanft auf den Boden geleitet. Noch unklar ist, wie gross das Verletzungsrisiko für die Tiere dabei ist.

Dass selbst wilde Adler Drohnen angreifen, diese Erfahrung machte ein Österreicher. Seine Drohne wurde in der Luft von zwei Adlern attackiert und an den Boden gedrängt. Sie hielten die Drohne vermutlich für Futter. In der freien Wildbahn funktioniert es also schon mal.

6 Mit guten Drohnen gegen böse Drohnen

Böse Drohnen werden gefangen durch gute Drohnen. Auf diese Taktik setzt das Metropolitan Police Department in Tokio. Seit letztem Dezember gibt es eine Drohnen-Spezial-Einheit, ausgerüstet mit einer Kamera und einem zwei bis drei Meter langen Netz. Damit kann der Drohnen-Polizist andere Flugobjekte abfangen.

7 Flugverbotszonen in die Software integrieren

Eine Möglichkeit wäre, dass Hersteller beim Programmieren der Software bereits Flugverbotszonen integrieren. So, dass man sich zum Beispiel einem Flugplatz gar nicht mehr als 5 Kilometer nähern kann. Die private Datenbank NoFlyZone.org hat 2015 angefangen Flugverbotszonen zu sammeln, um sie an Hersteller weitergeben zu können.

Beinahe Crash mit Flugzeug

Bisher gab es noch keinen grösseren Zwischenfall mit einer zivilen Drohne. Doch die Flugobjekte wurden schon mehrere Male missbraucht. Hier ein paar Beispiele der letzten Jahre:

Airbus vs. Drohne: Für das Bundesamt für Zivilluftfahrt ist eine mögliche Kollision mit einem Flugzeug die grösste Gefahr, die von einer Drohne ausgeht. «Bei einem Passagierflugzeug besteht kaum ein unmittelbares Absturzrisiko, auch wenn die Drohne in ein Triebwerk geraten sollte», sagt Urs Holderegger, Leiter Kommunikation Bazl. «Aber es ist immer ein potenzielles Risiko, wenn ein Flug während der Start- oder Landephase gestört wird.» So passiert im August in München. Eine Drohne kam beinahe einem Airbus der Lufthansa in die Quere.

Wahlkampfveranstaltung gestört: Bei einem Auftritt von Angela Merkel in Dresden flog auf einmal eine Drohne auf die deutsche Bundeskanzlerin zu. Sicherheitskräfte konnten den Piloten kurz darauf ausfindig machen und die Drohne zum Landen zwingen. Der junge Mann gab an, er hätte mit der Drohne Fotos von Merkel knipsen und an Medien verkaufen wollen. Erschreckend: Die Drohne gelang bis 2 Meter vor Merkel.

Handy-Lieferant: Immer wieder wird versucht, mithilfe von Drohnen Handys ins Gefängnis zu schmuggeln. In der Schweiz gab es unter anderem einen solchen Versuch bei der Strafanstalt Bostadel in Zug.

Drohne als Flaggenträger: Am 14. Oktober 2014 kommt es beim Fussballspiel zwischen Serbien und Albanien zu tumultartigen Szenen. Der Auslöser: Eine Drohne fliegt über den Fussballplatz, an der eine Fahne eines «Grossalbaniens» befestigt ist.

AKW überflogen: Ein Drohnenfilmer hat im August das AKW in Leibstadt überflogen und das Video daraufhin auf die Videoplattform Youtube gestellt. Er sagte zur «Nordwestschweiz»: «Ich wollte zum Nachdenken anregen darüber, wie einfach man mit einem solchen Fluggerät an ein AKW herankommt.» Gemäss einer Analyse des Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorats (Ensi) und der AKW-Betreiber geht keine direkte Gefahr von Drohnen für Kernkraftwerke aus. Die Hüllen der Kernreaktoren seien selbst bei einem Absturz ausreichen geschützt.

Die Drohne als Terrorist: Bislang ist dies in erster Linie beim Szenario geblieben. Der IS hat aber bereits zivile Drohnen für Angriffe eingesetzt. Drei davon ereigneten sich im September im Irak, wie die «New York Times» schreibt. Zuletzt wurden zwei kurdische Kämpfer getötet, als eine Drohne über ihnen explodiert ist. (fvo)