Fall Zuppiger

Bruno Zuppiger: «Ich habe mich nicht bereichern wollen»

Da war er noch Bundesratskandidat der SVP: Bruno Zuppiger gestern Morgen um 7.30 Uhr beim Interview mit der az.   Alessandro della Valle / Key

Da war er noch Bundesratskandidat der SVP: Bruno Zuppiger gestern Morgen um 7.30 Uhr beim Interview mit der az. Alessandro della Valle / Key

Bruno Zuppiger ist mit happigen Vorwürfen konfrontiert. Als Reaktion darauf, zog er gestern seine Bundesrats-Kandidatur zurück. Im Interview erklärt er seine Sicht der Dinge in der Erbschaftsaffäre, die ihn zu Fall gebracht hat.

Herr Zuppiger, die «Weltwoche» erhebt schwere Vorwürfe gegen Sie. Eine Ihnen anvertraute Erbschaft soll nicht korrekt abgewickelt worden sein. Erst auf Druck hätten Sie reagiert und den Begünstigten das Geld ausbezahlt. Wie ist es dazu gekommen?

Bruno Zuppiger: Einer meiner Mitarbeiter hat das Mandat betreut. Ich bin davon ausgegangen, dass der Fall längst abgeschlossen ist, wurde aber Ende 2009 von der Gegenpartei darauf aufmerksam gemacht, dass dem nicht so ist. Der Mitarbeiter war zu diesem Zeitpunkt bereits pensioniert, also habe ich alle Unterlagen aufgearbeitet. Darauf habe ich mit meinem Anwalt und der Gegenpartei eine gegenseitige Vereinbarung getroffen.

Sie geben also Fehler zu?

Ja, natürlich. Die Vollstreckung des Erbes hat zu lang gedauert. Ich bin wie gesagt davon ausgegangen, alles sei schon längst abgeschlossen.

Wie gross ist denn Ihr Unternehmen?

Ich hatte zu dieser Zeit zwölf Angestellte und bin selber wegen der Politik viel abwesend. Ich muss meinen Mitarbeitern vertrauen, trage allerdings die Verantwortung für das Unternehmen.

Sie haben gemäss «Weltwoche» erst nachgegeben, als eine Klage eingereicht wurde.

Es war so: Die Gegenpartei hatte von mir ein Angebot verlangt. Das habe ich gemacht. Es war der Gegenpartei aber zu wenig, und sie verlangte innert zweier Tage unter Klageandrohung Nachbesserungen. Weil ich zu diesem Zeitpunkt an einer Kommissionssitzung in Neuenburg war und meinen Laptop nicht dabei hatte, ging das an mir vorbei. Als ich die Aufforderung dann sah, war es schon zu spät: Die Strafklage war eingereicht. Darauf habe ich sofort meinen Anwalt eingeschaltet. Die Sache konnte im gegenseitigen Einvernehmen und ohne dass Dritte zu Schaden kamen geregelt werden.

Sie sagen, Sie selbst hätten nie an dem Fall gearbeitet. Die «Weltwoche» behauptet aber, dass Ihr Unternehmen auch ein Honorar für Sie verrechnet hatte.

Mir liegt nicht das ganze Dossier vor, ich kann das nicht beantworten zum heutigen Zeitpunkt. Aber die Sache wurde mit der Gegenpartei geregelt.

Zwischen 2000, als sie mit der Erbschaft betraut wurden, und 2009 haben Sie als Chef Ihres Unternehmens nicht gewusst, dass da etwas gewaltig falsch läuft?

Ich wusste, dass mein Unternehmen an diesem Mandat arbeitet. Ich wusste auch, dass der Mitarbeiter nach eventuellen Erben in Deutschland sucht. Details jedoch kannte ich nicht.

Von der Auszahlung eines Erbteils auf eines Ihrer Konten wussten Sie auch nichts?

Auf jedes Detail will ich nicht eingehen, ich fühle mich noch immer an die Schweigevereinbarung gebunden, die wir unterzeichnet haben. Nur so viel: Ich habe gewusst, dass ein Erbteil auf ein separates Konto überwiesen wurde.

Die «Weltwoche» präsentiert aber ein Dokument, aus dem hervorgeht, dass Sie die Überweisung von 100000 Franken selbst unterschrieben haben.

Das ist richtig. Der Mitarbeiter hat mir das Dokument zur Unterschrift vorgelegt. Da habe ich Verantwortung zu übernehmen. Aber ich sage es noch einmal: Ich habe mich nicht bereichern wollen, wie das die «Weltwoche» darstellt.

Und die Gegenpartei kam nie auf Sie zu in diesen neun Jahren?

Erst 2009. Vorher lief alles über den Tisch des Mitarbeiters. Er hat alles mit ihnen verhandelt.

Über die Hälfte des Erbes wurde als Honorar verrechnet. Warum hat Ihr Mitarbeiter so gehandelt?

Das kann ich im Detail nicht sagen. Ich weiss nicht, wieso er so vorgegangen ist.

Haben Sie Sanktionen gegen Ihren Mitarbeiter ergriffen?

Ich war zutiefst erschüttert und enttäuscht. Da er sich jedoch ebenfalls nicht bereichert hatte, habe ich es auf sich beruhen lassen, zumal er ja auch schon pensioniert war. Deshalb habe ich auch gesagt: Jetzt übernehme ich Verantwortung und löse das Problem. Vor einem Jahr wurde diese ganze Sache gütlich abgeschlossen.

Sie haben das Geld zurückgezahlt.

Mit Zins und Zinseszins.

Woher kam diese doch sehr grosse Summe?

Die habe ich persönlich aufgebracht. Das war nicht einfach, ich musste mich ziemlich strecken. Aber als Firmenchef bin ich natürlich verantwortlich. Auch jetzt stehe ich zu den Fehlern, die gemacht worden sind, und entschuldige mich dafür. Aber ich sage auch, dass ich das als Unternehmer sauber geregelt habe.

Trotz Stillschweigevereinbarung ist die Geschichte jetzt öffentlich geworden.

Ja, jetzt ist das Ganze von irgendwo an die Öffentlichkeit gezerrt worden. Irgendjemand hat sich nicht an die Abmachung gehalten. Ich selbst hatte nur die engste Parteispitze der SVP informiert.

Wer genau hat davon gewusst?

Vier Personen: der Parteipräsident, der Fraktionsvorsitzende, Vizepräsident Christoph Blocher und der Generalsekretär.

Die Fraktion hat man vor der Nomination nicht informiert. Wäre das nicht zwingend notwendig gewesen?

Schauen Sie: Wenn man Stillschweigen vereinbart, kann man das nicht in die Öffentlichkeit tragen. So habe ich Stillschweigen zumindest bis zum Mittwoch verstanden. Ich gebe offen zu, dass ich selbst auch ein Interesse daran hatte, das nicht öffentlich zu machen. Dass die Parteispitze davon erfuhr, war aber nötig.

Um Ihren Ruf zu retten, bräuchten Sie jetzt von der Gegenpartei eine Erklärung, die bestätigt, dass Sie selbst bis 2009 nicht in den Fall involviert waren und dann alles sauber geregelt haben.

Ich meine, ich kann von der Gegenpartei eine Erklärung verlangen, dass sie nicht zu Schaden gekommen ist und dass alles sauber geregelt wurde.

Werden Sie denn mit der Gegenpartei reden, um mehr Transparenz zu schaffen?

Ich werde mit allen Beteiligten sprechen, ob und wie man kommunizieren will. Andererseits will ich andere jetzt nicht mit Dreck bewerfen und mit hineinziehen. Nein: Ich stehe dafür grad und entschuldige mich.

Es verwundert ein wenig, dass ausgerechnet die «Weltwoche», die als SVP-freundlich gilt, die Geschichte veröffentlicht hat.

Ich kann nicht beurteilen, wer dahintersteckt und welche Motive zur Veröffentlichung beigetragen haben. Ich muss es jetzt als gegeben hinnehmen.

Wo ist denn Ihrer Meinung nach das Leck?

Das müssen Sie recherchieren. So, wie es aussieht, muss es jemand sein, der alle Akten hat. Das könnten ich und mein Anwalt sowie die Gegenpartei sein. Ich bin mir vollkommen sicher, dass es nicht aus Kreisen der SVP kam.

Die Parteispitze hatte also keine Akteneinsicht?

Nein. Der Fraktionschef hat bei der Gegenpartei nachgefragt, ob noch irgendetwas Unrechtmässiges offen sei. Er bekam die Bestätigung, dass kein Dritter zu Schaden gekommen und der Fall abgeschlossen sei. Damit war für die Parteispitze klar, dass man mich als Kandidaten präsentieren kann.

Aber es ist ja schon seltsam, dass die Veröffentlichung gerade jetzt erfolgt. Ein Dolchstoss?

Das müssen Sie beurteilen. Wer immer das gemacht hat, will mich als Bundesrat verhindern, das ist klar. Jeder, der eins und eins zusammenzählen kann, muss zum gleichen Schluss kommen.

Haben Sie eine andere politische Partei im Verdacht, das an die Öffentlichkeit gebracht zu haben?

Es ist genug spekuliert worden in diesem Fall. Ich werde mich daran nicht beteiligen.

Hat die «Weltwoche» fair berichtet?

Ich hätte mir gewünscht, wenn darüber berichtet würde, dass dies nicht eine Woche vor den Wahlen geschehen wäre, nachdem der Fall über ein Jahr abgeschlossen war.

Werden Sie rechtliche Schritte einleiten?

Ich muss das mit meinem Anwalt und meiner Partei besprechen. Ich bin aber nicht sicher, ob es Sinn macht, noch mehr Öl ins Feuer zu giessen.

Schmerzt es Sie, dass das Ganze gerade jetzt auf den Tisch gekommen ist?

Natürlich ist es nicht so erfreulich, dass alles jetzt öffentlich gemacht wurde. Das tut schon weh. Das ist kein Zufall, denn, wer auch immer dahintersteckt, hätte diese Geschichte ja schon das ganze Jahr über bringen können. Aber es ist nun einmal so. Ich habe alles, was ich zur Regelung dieses Falles machen konnte, auch gemacht.

Seit wann wussten Sie, dass die «Weltwoche» den Fall bringt?

Ich habe am Dienstagmorgen von der «Weltwoche» ein E-Mail mit acht Fragen bekommen. Ich habe die Fragen, soweit ich konnte, beantwortet. Ich habe nicht gewusst, ob ein Artikel veröffentlicht wird.

Sie wurden am Mittwoch also auch überrascht.

Ja, komplett. Noch überraschter war ich, als ich gesehen habe, wie detailliert da aus Akten zitiert wird. Das haben nur direkt involvierte Parteien gewusst.

Gibt es noch weitere Fälle, die jetzt ans Tageslicht kommen könnten?

Nein. Es gibt noch den Vorwurf, ich sei Waffenhändler. Aber das ist absurd. Ich hatte das Mandat einer Firma, die eine Produktionsstätte der Ruag in Thun kaufen wollte. Das ist dann aber nicht zustande gekommen. Man wollte mich immer wieder desavouieren. Es ist nie gelungen. Ich stehe gut da, habe bei niemandem Schulden, habe nie etwas Unrechtes getan. Sonst wäre ich heute auch nicht da, wo ich bin.

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