Die Bundesanwaltschaft wollte den heiklen Fall so unauffällig wie möglich erledigt haben. Zur Gerichtsverhandlung wollte sie gar nicht erst erscheinen, sie hatte sich abgemeldet. Was nach einer Art Desinteressenerklärung aussah.

Der Fall: Per Strafbefehl hatte die Bundesanwaltschaft von Michael Lauber einen langjährigen Mitarbeiter und Top-Ermittler wegen «mehrfacher Vorteilsannahme» zu einer Busse und einer bedingten Geldstrafe verknurrt. Er habe sich von Russen Hotels und Jagdausflüge bezahlen lassen. Aber der Ermittler Viktor K., der als Berater von Bundesanwalt Lauber tätig war, wollte das nicht auf sich sitzen lassen und zog seinen Fall vors Bundesstrafgericht in Bellinzona. Am kommenden Dienstag nun kommt es zur Verhandlung.

Die Rechnung von Bundesanwalt Lauber, im Zug der Fifa-Affäre und seiner Geheimtreffen mit Gianni Infantino ohnehin schon unter Druck, ging nicht auf. Das Bundesstrafgericht hat laut Informationen dieser Zeitung für Dienstag zwei Zeugen aufgeboten: Bundesanwalt Michael Lauber selbst. Sowie Patrick Lamon, den leitenden Staatsanwalt des Bundes, zuständig für die Russland-Aktivitäten des Top-Ermittlers.

Erinnerung an Fall Usbekistan

Der Ermittler Viktor K. hatte mehrmals verlangt, dass Lauber und Lamon befragt werden, denn er sah in ihnen Entlastungszeugen. Der Ermittler gab an, seine kritisierten Aktionen auf Anweisung Lamons durchgeführt beziehungsweise im Wissen und Auftrag des Bundesanwalts gehandelt zu haben. Alles im Interesse der Ermittlungen, die die Bundesanwaltschaft im Russland-Zusammenhang führte. Aber der Staatsanwalt des Bundes Carlo Bulletti, der den Fall Viktor K. übernommen hatte, hatte den Strafbefehl ausgestellt, ohne diese angeblichen Entlastungszeugen zu befragen. Warum, versucht das Bundesstrafgericht vermutlich jetzt zu klären. Der Fall könnte für den Bundesanwalt zu einem gröberen Problem werden.

Lauber und Lamon haben kürzlich vom Bundesstrafgericht in ähnlichem Zusammenhang ein schlechtes Zeugnis erhalten. In einer Korruptionsaffäre um die Tochter des früheren usbekischen Präsidenten unternahmen sie eine umstrittene und nicht dokumentierte Reise nach Usbekistan mit dem Resultat, dass Lamon in den Ausstand muss. (Hay)