Alessandra Paone

Wie alte Bekannte spazieren Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf und die Baselbieter Sicherheitsdirektorin Sabine Pegoraro durch die Räumlichkeiten des Arxhof, dem Massnahmezentrum für junge Erwachsene in Niederdorf. Interessiert hört die Vorsteherin des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartementes den Ausführungen der Regierungsrätin und des Arxhof-Direktors Renato Rossi zu. Sie lässt nichts unbeobachtet. Aufmerksam studiert sie den Küchenplan und ist beeindruckt von der Ordnung, die im Institut herrscht.

Beeindruckend ist auch die Ruhe draussen vor den einzelnen Pavillons. Alles ist aufgeräumt - jeder Stuhl an seinem Platz. «Es ist nicht immer so. Schliesslich leben wir hier auch», sagt Heidi Kaufmann. Die Ausbildnerin im Bereich technischer Dienst weiss, wovon sie spricht. Seit 22 Jahren arbeitet sie schon auf dem Arxhof und kennt alle Abläufe. «Wir haben uns für den Besuch von Frau Bundesrätin besonders Mühe gegeben», erklärt Kaufmann und schmunzelt.

Hohe Erfolgsquote

Lebhafter, aber dennoch konzentriert und diszipliniert geht es in den einzelnen Werkstätten zu und her. Widmer-Schlumpf nähert sich in der Schreinerei einem jungen Mann, der gerade dabei ist, Schubladen herzustellen. Freundlich und selbstbewusst gibt er Auskunft über seine Arbeit.

98 Prozent der Arxhof-Bewohnerinnen und -Bewohner, die eine Berufslehre absolvieren, schaffen den Abschluss. Die Bundesrätin staunt: «Das ist eine wahnsinnig hohe Zahl.» Nach dem Aufenthalt im Massnahmezentrum gelinge es dann auch den meisten, in der Gesellschaft Fuss zu fassen, sprich eine eigene Wohnung sowie einen Job zu finden, berichtet Rossi.

Nach dem Rundgang nutzt Widmer-Schlumpf die Gelegenheit, sich alleine mit drei Bewohnern zu unterhalten. Das Gespräch geht nicht spurlos an der Magistratin vorbei. Die Aussage eines der drei Jugendlichen, der Arxhof sei zwar «eine offene Anstalt, aber geschlossener als jede andere», habe ihr sehr imponiert, erzählt Widmer-Schlumpf vor den Medien.

Vorzeigemodell im Ausland

Der Grund für den bundesrätlichen Besuch: «Nachdem so viele deutsche Justizminister den Arxhof besucht haben, war es höchste Zeit, dass auch die schweizerische Justizministerin kommt», witzelt Rossi. «Der Arxhof steht mit seinem Vollzugskonzept ohne andere Beispiele da», betont die BDP-Politikerin. Denn es verfolge das Ziel, dass sich die jungen Straftäter selbst kennenlernen. Wer Regeln verletze, müsse sich ausserdem damit auseinandersetzen und sich in der Gruppe rechtfertigen. «Das ist sehr hart», so Widmer-Schlumpf. Im Gefängnis könne man dagegen solchen Konfrontationen leichter ausweichen.

Der Arxhof sowie allgemein der Schweizer Strafvollzug bei Jugendlichen seien auch im Ausland ein Thema, berichtet die Magistratin. Nicht zuletzt, weil die Rückfallquote in der Schweiz nur bei zirka 30 Prozent liege. In Deutschland etwa seien rund 80 Prozent der jungen Delinquenten rückfällig. Widmer-Schlumpf glaubt, dass das Vorgehen des Arxhof «der richtige Weg ist». Denn die Strafe sei nicht nur für das Opfer als Genugtuung wichtig. Sie diene gleichzeitig auch dazu, junge Delinquenten zu resozialisieren und wieder in die Gesellschaft zu integrieren.