Schweiz

Bundesrätin Sommaruga gegen ACS-Boss Hurter: Krach um Geldtransporte und Schnittblumen

Empört: SVP-Nationalrat und ACS-Boss Thomas Hurter. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Empört: SVP-Nationalrat und ACS-Boss Thomas Hurter. (KEYSTONE/Anthony Anex)

SVP-Nationalrat Thomas Hurter ist stinksauer auf SP-Bundesrätin Simonetta Sommaruga. Weil sie sich weigert, für Geldtransporte das Nachtfahrverbot für Lastwagen zu lockern.

SVP-Nationalrat Thomas Hurter (SH) ist empört. «Ich finde es unglaublich, dass eine Bundesrätin den Transport von Schnittblumen höher gewichtet als die Sicherheit von Leuten, die in der Nacht und im Dienst der Bevölkerung Geld transportieren müssen.»

Der Grund für den Ärger des Schaffhausers ist ein Schlagabtausch mit der Bundesrätin am Montag in der Fragestunde des Nationalrats.

Das kam so: Wiederholt wurden zuletzt Geldtransporter überfallen, vermutlich von kriminellen Banden aus Frankreich. So Ende August im Kanton Waadt. Die Banditen gingen äusserst brutal ans Werk, sie waren mit Kalaschnikows und Pistolen ausgerüstet, beschossen das Fahrzeug, sprengten die Hintertüre auf, steckten den Transporter in Brand.

Jetzt wird der Ruf laut, dass aus Sicherheitsgründen künftig nicht nur Lieferwagen, sondern auch Lastwagen von mehr als 3,5 Tonnen Gewicht für den Transport von Geld eingesetzt werden dürfen - bisher gilt für sie das Nachtfahrverbot.

Hurter: Sicherheit im Vordergrund

In diese Richtung ging die Frage von Thomas Hurter in der Fragestunde. «Anerkennt der Bundesrat, dass gerade die aktuell zugelassenen Fahrzeuge für solche Überfälle besonders interessant sind?», wollte Hurter, Pilot und Präsident des Automobilclubs ACS, von Verkehrsministerin Sommaruga wissen. Und ob der Bundesrat bereit sei, «seine Stellungnahme zu Gunsten der Sicherheit von Personen und Transporten zu überdenken?»

Geld verwelkt nicht: Simonetta Sommaruga hält nichts von Hurters Forderungen. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Geld verwelkt nicht: Simonetta Sommaruga hält nichts von Hurters Forderungen. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Der Schutz der Bevölkerung vor Lärm sei dem Bundesrat ein wichtiges Anliegen, antwortete die SP-Bundesrätin, gerade auch nachts. «Auf dem Markt sind gepanzerte Geldtransporter verfügbar, deren Gesamtgewicht weniger als 3,5 Tonnen beträgt. Diese Fahrzeuge fallen dann bekanntlich nicht unter das Sonntags- und Nachtfahrverbot. Somit kann die Sicherheit ohne weitere Ausnahmeregelung gewährleistet werden.» Zudem könne das Geld ja tagsüber mit grossen Lastwagen transportiert werden, winkte sie ab.

Schnittblumen verwelken, Geld nicht

Warum man denn Schnittblumen nachts und am Wochenende mit schweren Motorfahrzeugen transportieren dürfe, wollte Hurter wissen, Geld aber nicht. Sommaruga gab zurück: «Ich denke, Sie wissen ja auch, wie schnell Schnittblumen verblühen. Die Zeit ist da relevant, sie spielt also echt eine Rolle.» Die «Zeitsensibilität» sei bei Schnittblumen und Geld nicht die gleiche. Und unter Heiterkeit im Plenum sagte sie noch: «Ich vermute, die Bevölkerung würde das verstehen.»

Hurter jedenfalls versteht das nicht. Er ist stinksauer. Auch auf den Gesamtbundesrat, der bisher keine Anstalten macht, das Nachtfahrverbot für grosse Geldtransporter zu lockern.

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