Cédric Wermuth, die 1:12-Initiative wurde deutlich verworfen. Was haben Sie falsch gemacht?

Cédric Wermuth: Für eine genaue Analyse ist es nun noch zu früh. Auch wenn wir die Niederlage nicht schönreden wollen: Wir haben viel erreicht und dürfen darauf stolz sein. Eine solche Lohndiskussion wäre vor zehn Jahren noch undenkbar gewesen. Die Wirtschaftselite ist ganz schön ins Schwitzen gekommen.

Dabei hätte Ihnen Thomas Minder ja eigentlich gezeigt, wie es geht.

Die Abzockerinitiative kam aus einer anderen Ecke und ich bezweifle ehrlich gesagt, dass sie zu tieferen Spitzensalären führen wird. Mit 1:12 wollten wir hingegen grundsätzlich die Spielregeln ändern.

Vielleicht hätten Sie mit dem Verhältnis 1:20 mehr Chancen gehabt.

Wer weiss. Es ist aber nichts in diese Richtung geplant. Klar ist: Wir werden die Abzocker in diesem Land nicht alleine lassen. Es stehen genügend Initiativen an, für die wir uns engagieren werden.

Zum Beispiel die Mindestlohninitiative. Sind dort die Siegeschancen grösser?

Die Ausgangslage ist sehr gut, ich kenne auf jeden Fall niemanden, der ernsthaft Löhne von unter 4000 Franken verteidigt. Trotzdem verdienen heute 350 000 Menschen in der Schweiz weniger. Solche Dumpinglöhne muss der Steuerzahler zum Beispiel über die Sozialhilfe subventionieren.

Was passiert eigentlich mit den 27 000 Ja-Fahnen, die Sie verteilt haben?

Eigentlich wäre es schön, wenn die Fahnen noch etwas länger hängen bleiben - etwas Farbe in den Strassen ist ja gerade in der Weihnachtszeit durchaus hübsch (lacht).

Interview: Antonio Fumagalli