Chlorothalonil
Verunreinigtes Trinkwasser: Bund ficht Niederlage vor Bundesverwaltungsgericht nicht an

Im Streit um ein Pestizid hat der Konzern Syngenta vor kurzem einen Etappensieg erzielt: Das Bundesverwaltungsgericht entschied, dass das zuständige Bundesamt gewisse Informationen im Internet löschen muss. Dieses akzeptiert den Entscheid, wie nun bekannt wird.

Maja Briner
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Seit 2020 ist das Pilzbekämpfungsmittel Chlorothalonil in der Schweiz verboten.

Seit 2020 ist das Pilzbekämpfungsmittel Chlorothalonil in der Schweiz verboten.

Christian Beutler / KEYSTONE

Der Streit dreht sich um ein Pestizid mit dem komplizierten Namen Chlorothalonil. Vor etwas über einem Jahr hat der Bund es verboten, weil es im Verdacht steht, krebserregend zu sein. Seither gelten für Abbauprodukte des Pestizids im Trinkwasser strengere Grenzwerte, was weitreichende Folgen hat. Doch ob das Verbot Bestand hat, ist offen: Der Agrochemiekonzern Syngenta hat dagegen Beschwerde eingereicht. Der Entscheid dazu steht noch aus.

Zwei Etappensiege konnte Syngenta vor Bundesverwaltungsgericht aber bereits erzielen: Zunächst wiesen die Richter das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) im August an, eine Passage auf seiner Webseite zu entfernen, in der Chlorothalonil als «wahrscheinlich krebserregend» bezeichnet wird.

Das BLV löschte die Passage daraufhin wie angeordnet, nahm sie jedoch fast wortgleich in eine Weisung an die Kantone auf. Auch dagegen klagte Syngenta - erneut erfolgreich. Das Bundesverwaltungsgericht entschied Mitte Februar, dass das BLV die Weisung aus dem Netz entfernen muss.

Das BLV akzeptiert diesen Entscheid, wie es auf Anfrage bekannt gibt. «Im Interesse der Bevölkerung muss möglichst rasch Klarheit herrschen, ob wirksame Massnahmen zum Schutz des Trinkwassers umgesetzt werden können», erklärt eine Sprecherin. Für das BLV sei daher vorrangig, dass der Entscheid in der Hauptsache - also bezüglich Verbot - durch das Bundesverwaltungsgericht keine weiteren Verzögerungen erfahre. Deshalb werde der Zwischenentscheid nicht angefochten.

Teure Sanierungsmassnahmen

Das Verbot von Chlorothalonil hat weitreichende Folgen. Für alle Abbauprodukte des Pestizids gelten nun strengere Höchstwerte im Trinkwasser, die insbesondere im Mittelland an vielen Orten überschritten werden. Der Schweizerische Verein des Gas- und Wasserfaches SVGW schätzt gemäss früheren Angaben, dass rund eine Million Menschen betroffen sind. Die Trinkwasserversorger müssen diese Rückstände minimieren, um die Grenzwerte einzuhalten - was teuer sein kann. Während es mancherorts reicht, unbelastetes Wasser beizumischen, braucht es andernorts zum Beispiel neue Leitungen oder gar eine technische Wasseraufbereitungsanlage.