Glaube

Christliche Migranten-Kirchen boomen in der Schweiz

Immer mehr Migranten-Kirchen: Besucher eines Gottesdienstes singen und tanzen in der St. Anna-Kapelle in Zuerich. (Archivbild)

Immer mehr Migranten-Kirchen: Besucher eines Gottesdienstes singen und tanzen in der St. Anna-Kapelle in Zuerich. (Archivbild)

Den Schweizer Landeskirchen laufen die Schäfchen davon. In 15 Jahren sank die Mitgliederzahl der Evangelisch-Reformierten von 2,4 auf 1,7 Millionen, jene der Römisch-Katholischen von 3 auf 2,5 Millionen. Gleichzeitig erleben christliche Migranten-Kirchen einen Boom.

Das zeigt eine kürzlich veröffentlichte Studie des Schweizerischen Pastoralsoziologischen Instituts (SPI), über die der SonntagsBlick berichtet. 635 christliche Migrationsgemeinden sind laut den Autoren in der Schweiz ansässig – 370 von ihnen nahmen an der Untersuchung teil. Ab den 50ern gab es demnach pro Jahrzehnt rund 35 Neugründungen.

Seit dem Jahr 2000 kamen dann gleich 112 christliche Migrationsgemeinden hinzu. Laut Studie zählen diese heute 616 255 Mitglieder. Die tatsächliche Zahl dürfte noch viel höher liegen, da sich nur die Hälfte aller Zuwanderer-Kirchen an der Umfrage beteiligte.

Sabine Brändlin (43), Ratsmitglied des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK), erhofft sich neue Impulse von den christlichen Zuwanderern: «Wir können von ihnen lernen, was es heisst, den Glauben offen und mit Freude zu leben», sagt sie zu SonntagsBlick.

Man wolle den Austausch mit Migrations-Kirchen künftig vertiefen. 2018 wird im Kirchenbund über die Revision der Verfassung entschieden. «Neu könnten auch Migrationskirchen die Möglichkeit erhalten, assoziiertes Mitglied des Kirchenbundes zu werden», so Brändlin zu SonntagsBlick. «Das Dach unserer Kirche könnte bei einem Ja bedeutend grösser werden.»

Nicht nur die Reformierten haben das Potenzial erkannt. «Die Migrationsgemeinden bereichern unser kirchliches Leben durch die verschiedenen Kulturen», sagt Urban Federer (48), Abt des Klosters Einsiedeln SZ und Mitglied der Schweizer Bischofskonferenz, zu SonntagsBlick. Die Bischofskonferenz sei aktuell daran, die eigene Dienststelle «Migratio» neu aufzustellen. «Um noch besser auf Fragen und Bedürfnisse von Migranten eingehen zu können.»

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1