Corona
Dank einem negativen Test früher aus der Quarantäne: Bund will die Dauer verkürzen

Nun nimmt der Bund eine alte Forderung von Wirtschaftsverbänden doch noch auf: Wer am siebten Tag der Quarantäne einen negativen Covid-19-Test aufweisen kann, darf raus. Alain Bersets Departement hat einen entsprechenden Vorschlag bei den Kantonen in die Konsultation geschickt.

Doris Kleck
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Einem erneuten Test sei dank: Müssen Kontaktpersonen von Covid-19-Infizierten nur bald weniger lang in Quarantäne?

Einem erneuten Test sei dank: Müssen Kontaktpersonen von Covid-19-Infizierten nur bald weniger lang in Quarantäne?

Bild: Sandra Ardizzone

Zehn Tage ab dem letzten Kontakt mit einer infizierten Person: So lange dauert die so genannte Kontaktquarantäne. Sie ist ein wichtiges Instrument, um Infektionsketten zu unterbrechen und die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen.

Zehn Tage sind lang: Die Wirtschaftsverbände und Sozialpartner machen schon lange Druck, um die Quarantänezeit zu verkürzen - falls ein negativer Test vorliegt. Damit soll auch die Akzeptanz der Regelung erhöht werden.

Nun reagiert der Bundesrat. Bereits am 18. Dezember hat er das Innendepartement beauftragt, eine Anpassung der Vorgaben für die Kontaktquarantäne zu prüfen und eine neue Regelung auszuarbeiten. Am Mittwoch nun hat der Bund eine neue Regelung bei den Kantonen in die Vernehmlassung geschickt.

Drei Varianten zur Verkürzung der Kontaktvariante stehen zur Diskussion:

  1. Test- und Freigabestrategie mit Testung am 7. Tag: Die Quarantäne wird aufgehoben, wenn die Person am 7. Tag nach dem letzten Kontakt mit einer infizierten Person einen negativen Test ausweisen kann – egal ob Antigen-Schnelltest oder PCR-Test. Verbunden mit der Aufhebung der Quarantäne ist die Pflicht zur strengen Einhaltung der Hygiene und Abstandsregeln. Bis zum eigentlichen Ablauf der Quarantäne muss immer eine Gesichtsmaske getragen und der Minimalabstand von 1,5 Meter eingehalten werden. Gemäss Modellrechnungen der wissenschaftlichen Taskforce wird die Wirksamkeit im Vergleich zur zehntägigen Quarantäne nur geringfügig reduziert. 
  2. Test- und Freigabestrategie mit Test am Tag der Kontaktaufnahme und am 7. Tag: In der zweiten Variante würde die Kontaktperson zusätzlich am ersten Tag der Kontaktaufnahme durch die Behörden getestet. Danach nochmals am Tag sieben der Quarantäne. Fallen beide Tests negativ aus, kann die Quarantäne aufgehoben werden. Auch diese Variante wird von der Taskforce als fast so wirksam beurteilt wie die zehntägige Variante. Dank dem ersten Test hat diese Variante einen epidemiologischen Vorteil: Infizierte Personen ohne Symptome würden erkannt und deren engen Kontaktpersonen könnten wiederum unter Quarantäne gestellt werden.
  3. Ersatz der Quarantäne durch eine serielle Testung: Die Person in der Quarantäne würde bereits fünf Tage nach dem letzten Kontakt mit der infizierten Person ein erstes Mal getestet. Fällt das Resultat negativ aus, kann die Quarantäne beendet werden. Doch weil nach dem fünften Tag noch verhältnismässig viele Personen Symptome entwickeln, muss am siebten Tag ein weiterer Test erfolgen. Die wissenschaftliche Taskforce rät von dieser Variante ab, sie würde zu einem erhöhten Ansteckungsrisiko führen, da die betroffenen Personen zwischen dem fünften und dem siebten Tag besonders ansteckend sein können.

Der Bund favorisiert eindeutig die erste Variante und schlägt den Kantonen vor, die bestehende zehntägige Kontaktquarantäne durch diese neue Regelung zu ersetzen; also der Möglichkeit, die Quarantäne zu verkürzen mit einem negativen Test am siebten Tag. Entsprechend würde auch die Erwerbsersatzordnung angepasst. Der Lohn würde nicht mehr zehn Tage, sondern nur noch bis zur Beendigung der Quarantäne übernommen.

Widersprüchliche Signale?

Bereits befragt hat der Bund die Kantonsärzte. Diese sind geteilter Ansicht. Acht kantonsärztliche Dienste sprechen sich für eine Test- und Freigabestrategie aus, elf äusserten sich ablehnend. Der Zeitpunkt für eine Änderung sei falsch wegen der neu aufgetretenen und ansteckenderen Virusmutation, finden sie.

Die Kritiker befürchten auch widersprüchliche Signale, weil der Bundesrat erst letzte Woche die Massnahmen verschärft hat. So gilt seit Montag eine Homeofficepflicht und alle Läden, die nicht lebensnotwendige Güter verkaufen, sind schweizweit geschlossen. Ebenso wie die Restaurants. Widersprüchliche Signale könnten dazu führen, dass die Bereitschaft zur Einhaltung der Massnahmen abnehmen könnte.

Anders argumentierte der deutsche SPD-Politiker und Epidemiologie Karl Lauterbach. Selbst er als «Coronawarner der Nation» befürwortet eine Verkürzung der Quarantäne, wie er der Zeitung «Die Welt» erklärte. «Die lange Quarantäne jenseits der für die Sicherheit notwendigen Marge hilft nicht weiter», sagte Lauterbach. Er verwies auf die Akzeptanz der Schutzmassnahmen. Jeder Tag weniger Quarantäne könne mehr Akzeptanz schaffen.

Aktuell befinden sich in der Schweiz mehr als 31'000 Personen in der Quarantäne. Wobei die Zahlen unvollständig sind. Wegen des mutierten Virus sind einige Kantone dazu übergegangen, nicht nur die Erstkontakte von positiv getesteten Personen in die Quarantäne zu schicken, sondern auch deren Kontaktpersonen. Auch deswegen dürfte die Frage nach der Quarantänedauer wieder vermehrt für Zündstoff sorgen. Die Kantone haben bis am Freitag Mittag Zeit, sich zum Vorschlag zu äussern.