Corona-Studien
Ab heute sind Selbsttests in Apotheken erhältlich – das BAG warnt vor falscher Sicherheit

Warum Gratis-Schnelltests aus Apotheken allein ungeeignet sind, um die Pandemie unter Kontrolle zu bekommen. Auch das Bundesamt für Gesundheit warnt vor falscher Sicherheit.

Nina Fargahi
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Schnelltest in einer Zürcher Apotheke.

Schnelltest in einer Zürcher Apotheke.

Keystone

Ab heute sind Selbsttests in den Apotheken erhältlich. Hierbei wird die Probe aus dem vorderen Bereich der Nase entnommen. Mit Hilfe einer Kurzanleitung könnten Patienten den Test zu Hause durchführen, wobei die Ergebnisse nach 15 Minuten vorliegen, heisst es im Rahmen der Teststrategie des Bundes. Diese beruht auf drei Pfeilern. Erstens: Weiterhin sollen Personen, die Corona-Symptome aufweisen oder sonst mit dem Virus in Kontakt gekommen sind, getestet werden. Zweitens: In Betrieben, Schulen und Altersheimen, also dort, wo das normale Leben stattfindet, sollen repetitive Massentests durchgeführt werden. Drittens: Apotheken, Arztpraxen und Testzentren bieten gratis Einzeltests an, um das Risiko einer Übertragung zu mindern.

Anne Lévy, Direktorin des BAG, sagte öffentlich mehrmals, dass sich die Gratis-Selbsttests allein nicht dafür eignen, die Pandemie unter Kontrolle zu bekommen. Das diagnostische und das repetitive Testen sei zusammen mit dem Contact-Tracing, dem Impfen, den Hygieneregeln und den bestehenden Schutzkonzepten aber ein wichtiger Bestandteil des Massnahmenpakets, das es erlaube, die Coronavirus-Pandemie effektiv zu kontrollieren, so das BAG.

Selbsttests sind zu wenig sensitiv, das weiss China

Natürlich könnten Selbsttests das Risiko minimieren, das Virus weiterzugeben. Studien zeigen aber, dass nur gut 30 Prozent der symptomlosen Virenträger mit den nasalen Schnelltests erkannt werden – oder gar noch weniger, wie Daten aus Österreich vermuten lassen. Das liegt daran, dass bei einer Corona-Infektion nach wie vor etwa 1000-mal weniger Viren vorhanden sind als beispielsweise bei einer Grippe-Erkrankung. Damit die Selbsttests aussagekräftiger sind, braucht es aber entsprechend ähnliche Mengen an Viren in den jeweiligen Nasenabstrichen wie bei der Influenza-Infektion.

Oder anders gesagt: Um etwas zu entdecken, braucht es eine bestimmte Virenlast. Das BAG sagt, es sei wichtig, zu verstehen, dass ein negativer Test nicht bedeutet, dass man das Virus nicht mehr bekommen oder weitergeben könne. «Die Selbsttests sind gut, um bestimmte Übertragungsketten zu bremsen.» Ein Blick nach China zeigt auch, dass da ausschliesslich PCR-Tests zur Anwendung kommen, wohl weil China weiss, dass die Selbsttests zu wenig sensitiv sind.

BAG: Zahlen dürften wieder in die Höhe schnellen

Das BAG warnt davor, sich aufgrund der Gratis-Selbsttests in vermeintlicher Sicherheit zu wägen. «Die Zahlen werden wohl schon diese Woche wieder in die Höhe schnellen. Wir stehen am Anfang der dritten Welle; es ist wichtig, dass die Bevölkerung versteht, dass die Selbsttests in dieser Situation nur begrenzt nützlich sind und es vor allem auf das Verhalten jedes Einzelnen ankommt, um die Welle zu brechen», heisst es gegenüber CH Media.

Die Produktverfügbarkeit ist gemäss Informationen von Seiten der Hersteller und des BAG gesichert, aber limitiert. Kurzfristige Engpässe seien nicht ausgeschlossen, aber die Abgabe werde sich wohl in Kürze einpendeln. Vorgesehen sind maximal fünf Selbsttests pro Monat und pro Person; rund 300 Apotheken bieten derzeit Schnelltests an. Dazu muss die Krankenkassenkarte vorgewiesen werden.