Schweiz

Coronavirus: Schweiz spricht weitere 100 Millionen Franken für Impfstoff

Beim deutschen Start-up Biontech herrscht Goldgräberstimmung.

Beim deutschen Start-up Biontech herrscht Goldgräberstimmung.

Die Schweizer Bevölkerung soll rasch Zugang erhalten zu einem Impfstoff gegen das Coronavirus. Deshalb stellt der Bundesrat weitere 100 Millionen Franken zur Verfügung. Weit fortgeschritten sind auch die Verhandlungen mit Biontech.

(rwa) Im Vorfeld war gemutmasst worden, dass die Schweiz vor dem Vertragsabschluss stehe mit dem deutschen Start-up Biontech und dem US-Pharmakonzern Pfizer. Die beiden Firmen hatten am Montag bekanntgegeben, dass sie mit ihrem Impfstoff kurz vor dem Durchbruch stehen.

Der Bund habe eine bindende Reservierung über rund 3 Millionen Impfdosen, bestätigte Gesundheitsminister Alain Berset am Mittwoch vor den Medien. Nora Kronig vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) erklärte, es gelte noch die Details des Vertrags zu klären. Die Verhandlungen seien jedoch weit fortgeschritten.

Bundesrat Berset äusserte sich vor den Medien auch zur Coronasituation in der Schweiz. Die Entwicklung der letzten Tagen sei ermutigend, aber nicht viel mehr. Die Lage sei weiterhin besorgniserregend. Der Reproduktionswert müsse deutlich unter 1 gesenkt werden. Das bedeutet, dass eine infizierte Person weniger als eine weitere ansteckt.

Mehrgleisige Strategie hat sich bewährt

Damit die Bevölkerung rasch einen Impfstoff erhält, macht der Bundesrat mehr Geld locker. Er hat am Mittwoch beschlossen, den bereits gewährten Kredit von 300 Millionen Franken um 100 Millionen zu erhöhen. Dieser Betrag erhöhe den Spielraum für weitere Beschaffungen, argumentiert der Bundesrat. Das Geld stammt aus bereits bewilligten Coronakrediten.

Weil nicht mit Sicherheit gesagt werden kann, welches Unternehmen sich am Ende durchsetzen wird, setzt der Bund bei der Beschaffung von Covid-19-Impfstoffen deshalb auf mehrere Hersteller. Dank dieser mehrgleisigen Strategie sei die Schweiz in einer guten Situation, betonte Bundesrat Berset.

Wie bei jeder Impfung gelte, dass der verwendete Impfstoff sicher und wirksam sein müsse, so Berset. Claus Bolte von Swissmedic versicherte, es würden die gleichen Kriterien wie bei jedem anderen Zulassungsverfahren gelten.

Wann ein Impfstoff zur Verfügung stehe, lässt sich heute noch nicht sagen. Der Bund geht davon aus, dass im ersten Halbjahr 2021 erste Impfungen in der Schweiz durchgeführt werden können. Laut Berset müssten sich mindestens 60 Prozent der Bevölkerung impfen, damit sich die Situation stabilisiere.

Bereits Verträge mit AstraZeneca und Moderna

Bisher hat der Bund mit zwei Impfstoffherstellern Verträge abgeschlossen. Mitte Oktober gab er bekannt, einen Deal mit dem britischen Konzern AstraZeneca abgeschlossen zu haben. Via Schweden sollen 5,3 Millionen Impfdosen gegen das Coronavirus geliefert werden. Die Schweiz profitiert damit von einem Angebot der EU an EWR- und EFTA-Länder.

Brüssel hat mit dem Hersteller AstraZeneca die Lieferung von bis zu 400 Millionen Impfdosen für Europa vereinbart. Für Nicht-EU-Mitglieder bestellt das EU-Land Schweden die Impfdosen, sobald diese zugelassen sind. Über die Zulassung wird die Schweiz selbst entscheiden. Ein entsprechendes Gesuch von AstraZeneca liege bereits vor, so das BAG.

Im August 2020 schloss der Bund bereits einen Vertrag mit der Firma Moderna über 4,5 Millionen Impfdosen ab. Hinzu kommt die Teilnahme an der internationalen COVAX-Initiative, um Impfstoffe für bis zu 20 Prozent der Bevölkerung zu beschaffen. Gemäss Berset könnten so weitere 3,2 Millionen Impfdosen zur Verfügung stehen.

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