Baselbiet

Dank Fusionen aus dem Abseits

Rolf Neukom ist überzeugt, dass kleine Baselbieter Gemeinden dringend fusionieren müssen.

Gemeindefusionen Baselbiet

Rolf Neukom ist überzeugt, dass kleine Baselbieter Gemeinden dringend fusionieren müssen.

Rolf Neukom, Gemeindepräsident von Arboldswil, kämpft weiter für unpopuläre Idee Damit sie nicht untergehen, müssen sich die Oberbaselbieter Dörfer zusammenlegen. Rolf Neukom, ruft deshalb zu Fusionen auf, auch wenn dies ein unpopulärer Gedanke ist.

Jürg Gohl

Rolf Neukom führt im Oberbaselbiet einen einsamen Kampf für Gemeindefusionen. Als Beispiel für seine Idee führt der Gemeindepräsident von Arboldswil, der mit einem bz-Interview im Januar zu diesem Thema für Aufregung im oberen Kantonsteil gesorgt hat, gerne seine eigene Gemeinde an: «Bald haben wir noch einen Gemeinderat, eine eigene Rechnung und eine Rechnungsprüfungskommission», sagt er, «alles andere erledigen wir in Zusammenarbeit mit umliegenden Gemeinden.» Was Rolf Neukom damit ausdrücken will: Die kleinen Strukturen, die viele Oberbaselbieter Dörfer aufrecht erhalten - namentlich den eigenen Gemeinderat -, sind nicht mehr zeitgemäss und vor allem nicht mehr finanzierbar: «Wir benötigen professionelle Strukturen. So verpulvern wir Steuergelder.»

Im unteren Kantonsteil sind Gemeindezusammenschlüsse zu einem salonfähigen Thema geworden. Und Neukom plant, sich mit prominenten Verfechtern, zum Beispiel Reinachs Gemeindepräsident Urs Hintermann, der CVP-Landrätin Elisabeth Schneider und dem Therwiler Heiner Schärrer, Leiter der Vorortskonferenz, zu verbünden. Doch zumindest im Oberbaselbiet scheint die Idee noch abzuschrecken.

«Das muss wachsen und reifen», entgegnete ihm SVP-Landrätin Myrta Stohler, als die beiden bei der Baselbieter EVP über Gemeindefusionen im Baselbiet diskutierten. Mit Myrta Stohler traf Neukom auf eine kompetente Gegnerin: Sie führt, wie er, seit 14 Jahren eine Oberbaselbieter Gemeinde (Diegten) und ist zudem Präsidentin des Verbandes der Baselbieter Gemeinden. «Wer kommt in den Gemeinderat? Welchen Namen erhält die neue Gemeinde? Welches Wappen? Wo kommt die Gemeindeverwaltung hin?», hielt sie entgegen, «die Idee scheitert schon alleine an diesen vielen Detailfragen.»

«Ein Dorf definiert sich nicht über seinen Gemeinderat und seine eigene, jetzt mehrheitlich geschlossene Verwaltung, sondern über seine Vereine, ein Zusammenleben», konterte Neukom. Er ist überzeugt, dass das Oberbaselbiet mit den jetzigen Strukturen nicht mehr lange überlebensfähig ist. Er verzichtet darauf, die Gemeinde Hersberg als mahnendes Beispiel anzuführen, und bemüht nicht einmal den Kanton Glarus mit seiner Mega-Fusion als Vorbild. Ihm reichen die Blicke in die umliegenden Kantone. «Baselland wird diesbezüglich zum Sonderfall», stellt er fest. Zudem warnt er: «Der Kanton hat zunehmend nur noch Geld für Grossprojekte im Speckgürtel. Aber wir stellen auch noch 50 Gemeinden und müssen uns wehren. Mit einem Zusammenschluss werden wir endlich auch wahrgenommen.»

Neukom sowie auch EVP-Landrat Paul Rohrbach, der vor einem Jahr in einem Vorstoss bereits gefordert hatte, dass der Kanton die Zusammenarbeit unter den Gemeinden fördere, sind überzeugt, dass bereits viele Oberbaselbieter Gemeindepräsidenten diese Ideen insgeheim teilen, dies aber nicht zu äussern wagen. Neukom verspricht: «Ich bleibe am Thema dran.»

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