Stromversorgung

Das grosse Ringen um die Zukunft der Schweizer Wasserkraft

Der Emosson-Stausee im Wallis wurde ursprünglich gebaut, um die SBB mit Strom zu versorgen.

Der Emosson-Stausee im Wallis wurde ursprünglich gebaut, um die SBB mit Strom zu versorgen.

Wasserkraft ist das Rückgrat der eidgenössischen Stromversorgung. Doch sie ist unter Druck: Die Linke will den Ausbau bremsen. Und Investitionen in heutige Anlagen sind aus mehreren Gründen gefährdet.

Sie galt als Gold aus den Schweizer Alpen: Die Wasserkraft. Doch derzeit ist ihr Glanz am Verblassen: Alternative Energien, im Ausland subventioniert und damit günstig, drängen in den Markt. Das Geschäft mit dem Alpenstrom, gerade aus Pumpspeicherwerken, schwächelt.

Nun kommen noch politische Unwägbarkeiten hinzu: Derzeit wird in Bern darum gerungen, welche Rolle die Wasserkraft künftig in der Stromversorgung spielen soll. Linke Kreise und Umweltverbände wollen einen weiteren Ausbau bremsen – anders als Bundesrätin Simonetta Sommaruga.

Die Energieministerin möchte die Wasserkraft bis 2050 zumindest leicht ausbauen, so sieht es die laufende Revision des Energiegesetzes vor. Doch dagegen sprechen sich nun SP, Grüne und Umweltverbände aus. Ökologische Bedenken treiben sie an.

sagt Patrick Hofstetter, Klima- und Energieexperte beim WWF. Zwar seien Effizienzgewinne, Ausbauten und Erweiterungen möglich. Gleichzeitig aber müssen noch gesetzlich geforderte ökologische Sanierungen umgesetzt werden, die einen Teil davon wieder zunichte machen. Hofstetters Devise: «Maximal die bestehende Produktion zu halten ist realistisch.»

Es geht um die Frage, wer wie viel Geld erhält

Letztlich geht es um einen Verteilkampf und die Frage, welche Energieart gefördert wird. Zwar müsse man zur derzeitigen Wasserkraftproduktion Sorge tragen, sagt auch WWF-Mann Hofstetter. Sie nun auszubauen, wäre aus seiner Sicht aber «unverhältnismässig».

Der damit zu erzielende Produktionszuwachs sei nicht geeignet, um den Wegfall der Atomkraftwerke oder die Verbrauchszunahme durch Wärmepumpen und Elektroautos zu kompensieren. «Die Schweiz hat im Solar- und Effizienzbereich einen riesigen Nachholbedarf», sagt Hofstetter. Dort sei es sinnvoller und oft auch günstiger, neue Energie in grossem Mass zu gewinnen und einzusparen.

Weniger Wasserkraft, weniger Versorgungssicherheit?

Doch während die Linke den Ausbau bremsen will, fragt sich ein besorgter Beat Rieder, ob überhaupt die heutige Wasserkraftproduktion gehalten werden kann. Aus Sicht des Walliser CVP-Ständerates ist diese gefährdet – und damit die stabile Stromversorgung der Schweiz.

Denn zwischen 2030 und 2055 laufen in den Alpen viele Konzessionen von Wasserkraftwerken aus. Sie müssen erneuert werden. «Die Verhandlungen beginnen jetzt», sagt Rieder. Doch aufgrund der tiefen Strompreise hätten die Investoren keine Planungssicherheit. «Dies kann grosse Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit der Schweiz haben», warnt Rieder.

Er hat deshalb im Parlament eine Absicherung für Investitionen ins Spiel gebracht. Der Walliser sagt: Alleine die Konzessionserneuerungen machten 25000 Gigawattstunden aus. «Dies ist mehr, als das Ausbauziel 2050 für alle anderen erneuerbaren Energien zusammen.»

Wenn die Schweiz die Energiewende schaffen wolle, «müssen wir also in erster Linie dafür sorgen, dass die auslaufenden Konzessionen für bestehende Wasserkraftwerke erneuert werden.» Rieder sieht es als grossen Fehler an, dass derzeit nur über den Ausbau der Erneuerbaren gesprochen wird. Vernachlässigt sieht er die Frage, wie die bestehende einheimische Wasserkraftproduktion gesichert werden kann.

verweist Rieder darauf, dass die Wasserkraft heute 60 Prozent des Stroms in der Schweiz liefert.

Zwar könnte man dem Walliser vorwerfen, sich vor allem auch für die Pfründe von Walliser Gemeinden einzusetzen, denn diese verdienen an Konzessionen und Wasserzinsen (noch) viel Geld. Rieder verweist aber darauf, dass das Winterhalbjahr vorwiegend mit Importstrom bestritten wird, der zukünftig nicht mehr gesichert sei.

Das Ausland dürfte ihn zunehmend selbst benötigen. Damit werde die Stromversorgungssicherheit der Schweiz in Frage gestellt. «Die Warnzeichen aus dem Ausland sind klar. Die Versorgung wird prekärer.» Ihm pflichtet die nationale Regulierungsbehörde Elcom bei, die vor einer Stromlücke im Winter warnt.

Sie fordert einen raschen Inland-Ausbau bei den Erneuerbaren, vor allem fürs Winterhalbjahr. Und da sorgen Pumpspeicherwerke für die Stabilität des Systems.

Elektrizitätsunternehmen staunen über linken Angriff

Umstritten ist zudem, welche Zuschüsse Wasserkraftwerke künftig vom Bund erhalten sollen. Bisher gab es auch für Grosswasserkraftwerke Beiträge bei Erneuerungen. Energieministerin Sommaruga aber will künftig nur noch den Neubau von Grosswasserkraftwerken unterstützen, dafür mit doppelt so viel Geld wie heute.

So könnten etwa Stauseen gebaut werden, wo sich Gletscher zurückziehen. Sowohl Rieder als auch der Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen warnen allerdings, Erneuerungen nicht mehr zu finanzieren: «Bei ungenügender Rentabilität und fehlenden Mitteln werden keine echten Erneuerungen vorgenommen.» Statt Investitionen gebe es dann nur «Notreparaturen».

Beim Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen ist man erstaunt über den links-grünen Feldzug gegen die Wasserkraft. Man dürfe nicht einzelne Technologien gegeneinander ausspielen, heisst es. Denn man werde künftig für «jede Kilowattstunde» Strom dankbar sein, wenn man aus der Kernerenergie und den fossilen Energien aussteige.

Meistgesehen

Artboard 1