Kleine Dämme und angeknabberte Bäume in Ufernähe: Kaum ein anderes Tier gestaltet die Schweizer Landschaft so aktiv wie der Biber. Obwohl sich das nachtaktive Tier selten zeigt, kann es auf hohe Sympathien in der Bevölkerung zählen.

Das bewegt nun auch die Ständeräte, die heute die Änderungen des Jagdgesetzes diskutieren. Das Gesetz sah ursprünglich eine Regulierung der Wolfsbestände vor. Doch das Parlament packte nebst den Wölfen und Steinböcken auch noch Luchse und Biber auf die Abschussliste. Zudem haben National- und Ständerat die Vorgaben für einen Abschuss stark abgeschwächt.

Für Tier- und Naturschutzverbände geht die Gesetzesrevision viel zu weit. Der Schutz von Wildtieren werde geschwächt anstatt gestärkt. Sie haben deswegen bereits ein Referendum angekündigt.

Silva Semadeni, Bündner SP-Nationalrätin

Silva Semadeni, Bündner SP-Nationalrätin

Und da kommt der Biber wieder ins Spiel: Die vorberatende Kommission des Ständerats will ihn wieder von der Abschussliste streichen. «Sie haben kalte Füsse gekriegt», sagt SP-Nationalrätin und Naturschützerin Silva Semadeni (GR). Der Biber sei ein Sympathieträger und die Bevölkerung verstehe nicht, wieso er auf einer Abschussliste stehen solle. «Es ist ein Armutszeugnis, zuerst den Tierschutz zu schwächen und dann aus Angst vor der Bevölkerung solche Manöver zu machen», sagt Semadeni.

Bastien Girod, Grüner Nationalrat aus Zürich

Bastien Girod, Grüner Nationalrat aus Zürich

Das Vorgehen der Ständeräte kritisiert auch Nationalrat Bastien Girod (Grüne/ZH). Er spricht von einem «Täuschungsmanöver», weil im selben Gesetz der Bundesrat neu die Möglichkeit erhält, die Abschussliste mit geschützten Tierarten eigenmächtig zu erweitern. «Der Ständerat versucht die Akzeptanz des Gesetzes zu erhöhen, indem er so tut als ginge es nur um den Wolf. Doch Biber, Luchs und Gänsesäger stehen genauso auf der Abschussliste.» Es gehe also nur um eine Optimierung des Textes für die Referendumsabstimmung.

Tatsächlich haben National- und Ständerat eigentlich bereits beschlossen, den Biber auf die Abschussliste zu setzen. Um dies nochmals zu ändern, musste die vorberatende Kommission des Ständerats ein Rückkommen beantragen. Die Schwesterkommission des Nationalrats hat dies nun Ende letzter Woche bestätigt. Das Manöver ist umständlich – und aussergewöhnlich.

Wird der Schutz noch weiter geschwächt?

Angesichts der breiten Akzeptanz im Parlament ist es wahrscheinlich, dass die Ständeräte heute Nachmittag den Biber von der Liste streichen und dass ihm der Nationalrat nächste Woche folgen wird. Ob allerdings das Stimmvolk dieses Vorgehen goutiert, ist offen. Und es hängt wohl auch von anderen Entscheiden ab, die im Gesetz noch nicht definitiv beschlossen sind.

  • Was sind die Voraussetzungen für die Regulierung des Bestands? Die Räte sind sich uneinig, ob mit dem Abschuss ein «grosser Schaden» oder lediglich ein «Schaden» verhindert werden soll. Letzteres würde die Hürde für einen Abschuss weiter senken.
  • Ursprünglich hätte ein Abschuss eines geschützten Wildtiers nur dann gutgeheissen werden dürfen, wenn der Schaden durch «zumutbare Schutzmassnahmen» nicht verhütet werden kann. Diese Vorgabe soll nun fallen und bedeutet für den Wolf ebenfalls nichts Gutes: Unabhängig davon, ob Schafzüchter ihre Herden schützen, gilt er als Bedrohung.

Mit diesen Vorgaben haben Räte das Gesetz stärker geschwächt, als dies der Bundesrat zunächst vorgesehen hat. Hinzu kommen weitere Punkte, die den Abschuss von Wolf und anderer geschützter Wildtiere erleichtern soll:

  • Kantone erhalten neu die Kompetenz, über einen Abschuss zu verfügen, obwohl die Verantwortung für den Artenschutz beim Bund liegt. Das Bundesamt für Umwelt muss vorgehend lediglich angehört werden.
  • Die geschützten Wildtiere sollen auch im Jagdbanngebiet geschossen werden dürfen.