Lehrermangel

Der Lehrermangel spitzt sich zu

Der Lehrermangel spitzt sich zu

Der Lehrermangel spitzt sich zu

Obwohl viel mehr Stellen offen sind als vor einem Jahr, bleibt das Bildungsdepartement optimistisch. Alarm schlägt hingegen der Lehrerverband. Er lanciert eine Volksinitiative.

Maja Sommerhalder

Viele Überstunden, schwierige Klassen und wenig Lohn. Viele Lehrerinnen und Lehrer haben genug und kehren dem Klassenzimmer den Rücken. Für die Schulen wird es immer schwieriger, freie Stellen mit geeigneten Leuten zu besetzen. Es droht ein Lehrermangel. Etwa 450 Volksschullehrer werden im Aargau derzeit gesucht; vor einem Jahr waren zur gleichen Zeit rund 300 Voll- und Teilzeitstellen ausgeschrieben. Es werden wohl noch mehr werden. Denn die Kündigungsfrist für das nächste Schuljahr läuft noch bis Ende Monat. Für Kathrin Nadler vom Aargauischen Lehrerinnen- und Lehrer-Verband (ALV) ist das alarmierend. «Der nächste Monat wird für viele Schulen happig.»

Es fehlt an Nachwuchs

Gesucht wird auf allen Stufen; vor allem fehlt es aber an Oberstufenlehrern. Deshalb lanciert der ALV heute die kantonale Volksinitiative «für eine Schule mit Lehrpersonen». Genaueres wird heute an einer Medienkonferenz bekannt gegeben.

Wie viele Stellen nach den Sommerferien offen bleiben, könne man derzeit noch nicht abschätzen. So viel sei aber sicher: «Es müssen mehr Lehrer eingesetzt werden, die keine stufengerechte Ausbildung haben», sagt Nadler. Schon jetzt unterrichten viele Primarlehrer auf der Oberstufe – ein Viertel der Oberstufenlehrer haben kein entsprechendes Diplom. «Viele Schulleiter sind in der Zwickmühle.» Einerseits müssten sie ihre offenen Stellen dringend besetzen, andererseits möchten sie keine ungeeigneten Lehrer einstellen: «Dies mindert nur die Qualität des Unterrichtes und schadet dem Image der Schule.»

Nadler gibt für die nächsten Jahre keine Entwarnung. Sie ist überzeugt, dass sich der Lehrermangel gar verschärfen wird: «Früher war Lehrermangel ein konjunkturelles Problem und ging nach einigen Jahren vorüber.» Heute jedoch habe man ein strukturelles Problem. Es fehle an Nachwuchs, da es in den nächsten Jahren viele Pensionierungen gibt. «Um diese freien Stellen besetzen zu können, müssten etwa 500 Leute jährlich ihr Studium aufnehmen», so Nadler. Tatsächlich sind es aber nur etwa 150 Aargauer, die jedes Jahr an der Pädagogischen Hochschule Nordwestschweiz anfangen.

Für Nadler ist klar, dass sich das Parlament mit dem Thema beschäftigen muss: «Sonst wird es schwierig, junge Leute zu motivieren.» Sie fordert, dass die Lehrer zeitlich entlastet und die Anfangslöhne schnell angehoben werden sollen: «Im Kanton Zürich verdienen Einsteiger etwa 1000 Franken mehr.» Zwar wird das Lohndekret derzeit überarbeitet, doch Nadler ist pessimistisch: «Es sieht nicht so aus, als ob relevante Änderungen gemacht würden.»

BKS hat keine Angst

Im Departement für Bildung, Kultur und Sport (BKS) ist man anderer Meinung: «Gezielte Anpassungen bei den Löhnen sind vorgesehen», so Kommunikationsleiterin Irène Richner-Schellenberg. Genaueres könne man aber nicht sagen. Es seien zudem Massnahmen geplant, um die Lehrer zu entlasten und die Attraktivität des Berufes zu stärken. Das BKS verfolge intensiv die Entwicklung auf dem Lehrermarkt. «Ende April wird sich zeigen, ob allenfalls kurzfristige Massnahmen zur Unterstützung der Gemeinden notwendig sind», so Richner-Schellenberg. Angst vor einem grossen Lehrermangel im nächsten Schuljahr hat man im BKS aber nicht. Bildungsdirektor Alex Hürzeler sagte am 3. April gegenüber dieser Zeitung: «Wenn wir Ende März 2010 mit Ende März 2009 vergleichen, zeigt sich ein ähnliches Bild. Und im letzten Schuljahr ist es gelungen, jeder Klasse eine Lehrperson zu verschaffen.»

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