Wahlen 2015
Der populäre Kommunist will endlich nach Bern

Bereits zum vierten Mal tritt Denis de la Reussille zu nationalen Wahlen an. Dieses Mal könnte es der Stadtpräsident von Le Locle im Neuenburger Jura tatsächlich nach Bern schaffen.

Stefan Schmid
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Denis de la Reusille.

Denis de la Reusille.

Sein Vorbild heisst Ernesto Che Guevara. Sein politisches Ziel ist der demokratische Sozialismus. Die Chancen, dass er es im vierten Anlauf endlich nach Bern schafft, stehen besser als früher. Denis de la Reussille (54), seit 14 Jahren Stadtpräsident von Le Locle im Teilzeitamt. Seine Partei, der Parti ouvrier populaire (POP), les Popistes, wie sie in der Romandie genannt werden, sind in den Neuenburger Bergen eine feste Grösse.

In Le Locle, der einst blühenden Uhrenstadt mit noch rund 10 000 Einwohnern, wählt fast jeder Dritte die Kommunisten. Zusammen mit den Grünen und der Splittergruppe Solidarités dürften die Linksradikalen im Kanton einen von vier Sitzen erobern. Holt der populäre Denis de la Reussille mehr Stimmen als die Grünen, sitzen die Kommunisten vier Jahre nach dem Abgang ihrer Waadtländer Ikone Josef Zisyadis bald wieder im Bundeshaus.

Die Sorgen der Bergler

Dass im Neuenburger Jura sozialistische Ideen auf fruchtbaren Boden fallen, ist kein Zufall: Die Arbeiterstädte Le Locle und La Chaux-de-Fonds kämpfen seit Jahren gegen den wirtschaftlichen Niedergang und den damit verbundenen Einwohnerverlust. Le Locle, das Reich von Denis de la Reussille, ist die Wiege der eidgenössischen Uhrenproduktion.

Die Stadt wuchs im 18. Jahrhundert rasant und zählte am Vorabend des Ersten Weltkriegs mehr Einwohner als heute. Nebst diesem Niedergang haben sich zusätzlich auch die Verteilkämpfe innerhalb des Kantons verschärft. Zwischen den ärmeren Gemeinden im Jura und den urbanen, reichen Kommunen unten am Neuenburgersee verläuft ein tiefer Graben, den die kantonale Politik bisher nicht zuzuschütten wusste. Die Bergler fühlen sich vom Kantonshauptort nicht ernst genommen und kämpfen verbissen um staatliche Aufträge und Investitionen.

Die Popisten und an vorderster Front Denis de la Reussille verstehen sich als Anwälte der Benachteiligten, der sozial Schwachen, der Bedrängten. «Sie sind am ehesten in der Lage, die Verbitterten zu einen und ihnen sowohl in Neuenburg als auch in Bern eine Stimme zu verleihen», urteilt der lokale Korrespondent im welschen Radio RTR. Denis de la Reussille will die sich zuspitzenden Ungleichheiten bekämpfen. Und er schickt sich gemäss eigenen Aussagen an, den «um sich greifenden Lobbyismus» in Bern zurückzudrängen.

In Le Locle, wo weder Aldi und Lidl noch McDonald’s Fuss gefasst haben, wären sie jedenfalls mächtig stolz, wenn es einer der ihren ins Bundeshaus schaffen würde. Die Stadt ist die linkste Gemeinde der Schweiz. Und sollte er die Wahl schaffen, wäre de la Reussille fortan wohl der linkste Politiker im Bundeshaus.

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