Unia-Präsidentin Vania Alleva verbreitete diese Woche drei Botschaften. Mit der ersten beruhigte sie die Öffentlichkeit, mit der zweiten schwor sie ihre Unterstützer auf den Kampf ein und mit der dritten stellte sie ihre Gegner kalt.

Nachdem diese Zeitung über einen Aufstand in der grössten Gewerkschaft des Landes berichtet hatte, gab Alleva ein Interview in den Tamedia-Zeitungen. «Nein», sagte sie, «ich bin überzeugt, dass wir an der Basis kein Imageproblem haben. Aber die Unia hat mehr als 1000 Angestellte, da ist es normal, dass es zu Konflikten kommt.» Die Botschaft nach aussen: alles in Ordnung.

In einem internen Newsletter wählte die Geschäftsleitung andere Worte. Sie erklärte ihren Genossen, weshalb sie den Zeitungsbericht nicht ernst nehmen müssten. Die «Schweiz am Wochenende» habe interne Dokumente für eine «reisserische Berichterstattung» genutzt, um die Gewerkschaft «in der aktuellen Auseinandersetzung um Personenfreizügigkeit und Lohnschutz zu schwächen». Die Botschaft nach innen: alles nur eine Verschwörung.

In eingeschriebenen Briefen verbreitete der Zentralvorstand schliesslich eine brachiale Rhetorik. Post erhielten Aufständische der Unia Berner Oberland, die sich in der «Jungfrau Zeitung» als Kritiker der nationalen Führung geoutet und für ein Foto posiert hatten. Sie werden in den Briefen als «destruktive Köpfe» bezeichnet, welche «die Unia bremsen» würden. Deshalb seien sie per sofort aus allen Gremien ausgeschlossen. Die Botschaft an die Gegner: wer aufmuckt, wird abserviert.

Der Zentralvorstand ist in dieser Frage jedoch nicht einer Meinung. Alex Zeller vertritt in diesem Gremium die Stimme der Jugend und sagt auf Anfrage: «Weil Vania Alleva mit ihrer Personalpolitik permanent die besten Leute verheizt, müssen wir sie der Organisation zuliebe absetzen.» Zellers Stimme hat allerdings wenig Gewicht. Die Mehrheit des Vorstands steht hinter Alleva. Doch der Machtkampf geht weiter.