Check in Payerne

Die Armee testet ab heute diese fünf Kampfjets – auf diese Funktionen

Die Kampfjet-Beschaffung geht in die nächste Phase. Heute tritt der Eurofighter von Airbus auf dem Militärflugplatz in Payerne als erster der fünf Kandidaten zu einer mehrtägigen Prüfung an.

Ab heute gilt es auf dem Militärflugplatz in Payerne ernst: Die Schweizer Armee unterzieht die fünf Kampfjet-Kandidaten einem eingehenden Test. Und das zum ersten Mal in jenem Umfeld, in dem die Jets später auch unterwegs sein werden: dem Alpenland Schweiz mit seiner besonderen Topographie.

Diese fünf Flugzeuge werden von heute an und bis im Juni in der Westschweiz in dieser Reihenfolge geprobt:

Eurofighter

  • Land: Deutschland
  • Hersteller: Airbus
  • Test-Zeitraum: 11. bis 17. April
© CH Media

F/A-18 Super Hornet

  • Land: USA
  • Hersteller: Boeing
  • Test-Zeitraum: 29. April bis 3. Mai
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Rafale

  • Land: Frankreich
  • Hersteller: Dassault
  • Test-Zeitraum: 20. bis 24. Mai
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F-35 A

  • Land: USA
  • Hersteller: Lockheed
  • Test-Zeitraum: 6. bis 13. Juni
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Gripen E

  • Land: Schweden
  • Hersteller: Saab
  • Test-Zeitraum: 24. bis 28. Juni
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Die Flug- und Bodenerprobungen sind ein Teil einer mehrstufigen Evaluation. Das Ziel: Die Angebote der Hersteller zu prüfen und zu validieren. Zwei Schritte haben insgesamt 20 Experten des Verteidigungsdepartements bereits im Ausland abgeschlossen:

  • Sie haben bei den Herstellern Abklärungen bezüglich des Unterhalts und der Logistik vorgenommen. Es ging etwa darum, den Betrieb der Flugzeuge im regulären Betrieb zu beobachten.
  • Sie haben im Flugsimulator erste Tests mit den Kampfjets durchgeführt. Dabei wurden etwa Situationen durchgespielt, für die aus Sicherheitsgründen nur der Simulator in Frage kommt. Zum Beispiel, ob das Kollisionswarnsystem funktioniert.

Gewisse Dinge aber lassen sich nicht simulieren. Deshalb herrscht ab heute auf dem Militärflughafen Payerne Hochbetrieb. Es geht nun darum, zu prüfen, ob die fünf Kampfjets auch für den Schweizer Himmel gemacht sind. Dazu müssen sie sich acht Missionen und 17 Starts und Landungen stellen. Sieben Missionen sind dabei mit vorgegebenen Aufgaben versehen. Es geht etwa darum, die Tauglichkeit für den Luftpolizeidienst zu testen. Die achte Mission ist eine ohne Vorgaben: Hier geht es darum, besondere Leistungsmerkmale aufzuzeigen.

Zwei Aspekte stehen im Zentrum der Tests im Schweizer Luftraum:

  • Die Leistungsfähigkeit der Sensoren. Ein Radar funktioniert über dem Meer anders in den Bergen. Weil die Schweizer Topographie einzigartig ist, sind Tests hierzulande unumgänglich.
  • Der Lärm. Die Armee führt an den Militärflugplätzen in Payerne und in Meiringen Lärmmessungen durch, um die Angaben der Hersteller zu prüfen. Diese Resultate wird die Armee veröffentlichen.

Pikant: Die Schweizer Kampfjet-Piloten werden die Tests nicht selber durchführen. Der Grund: Die Kandidaten sollen sich von ihrer besten Seite zeigen können. Das ist laut der Armee nur möglich, wenn mit dem Flugzeug vertraute Piloten die maximale Leistung abrufen und vorführen. Es ist laut den Experten des Bundes sowieso nicht entscheidend, ob man selbst an Bord ist. Viel wichtiger seien die Aufzeichnungen der Missionen.

Diese Aufgaben warten auf die neuen Kampfjets

Die Erkenntnisse, die bis im Sommer zu den fünf Kandidaten gesammelt werden, fliessen in Fachberichte ein. Den Typenentscheid soll der Bundesrat Ende 2020 oder Anfang 2021 fällen. Im wesentlichen muss die neue Kampfjet-Flotte die folgenden Aufgaben lösen:

  • Den alltäglichen Luftpolizeidienst gewährleisten
  • Bei erhöhten Spannungen im gesamten Schweizer Luftraum innerhalb von Minuten gegen Luftraumverletzungen etwa von gegnerischen Kampfjets, nicht kooperativen Zivilflugzeugen oder Drohnen vorgehen
  • Im Verteidigungsfall gemeinsam mit der bodengestützten Luftverteidigung Gegner daran hindern, im Schweizer Luftraum aktiv zu sein

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