Gross

«Die Bundesratswahl ist keine Castingshow»

SP-Nationalrat Andreas Gross.

«Vier gute Schauspieler»

SP-Nationalrat Andreas Gross.

Politologe und SP-Nationalrat Andreas Gross weiss nicht, ob seine Zürcher Parteikollegin die Richtige für den Bundesrat ist. Zudem attestiert er allen Bundesratskandidaten gute schauspielerische Fähigkeiten.

Tobias Gafafer

Herr Gross, die Nervosität der Parteien ist riesig. Verkommen die Bundesratswahlen einmal mehr zu Castingshows?

Andreas Gross: Castingshows sind geprägt von Beliebigkeit. Alle können sich melden und die Schönsten, Dünnsten, Dicksten oder die Originellsten werden von einer Jury auserlesen und dem Fernsehpublikum vorgeführt. Die Evaluation der Bundesratskandidaten sollte vielmehr von Inhalt, Tiefe, seriösen Auseinandersetzungen und Erfahrungen bestehen. In diesem Fall ist die Zeit für eine echte Evaluation leider eindeutig zu kurz. Die Nervosität deutet aber immerhin darauf hin, dass eine vertiefte Auseinandersetzung im Gange ist.

Sowohl die FDP als auch die SP haben je zwei Kandidaten nominiert, die als kollegialitäts- und kompromissfähig gelten. Sind Sie damit nicht zufrieden?

Gross: Die beiden Anwärterpaare überzeugen in der Bundesversammlung offenbar in einer Art, dass die Gefahr von nichtoffiziellen Kandidaten klein ist. Glücklicherweise haben alle gemerkt, dass die Kooperationsfähigkeit im Bundesrat ganz wichtig ist. Daran hat es bisher offensichtlich massiv gehapert. Ich habe den Eindruck, dass bei den vier Kandidaten die schauspielerischen Fähigkeiten sehr ausgeprägt sind. Es geht darum, einen Eindruck zu erwecken, der real gar nicht so existiert.

Wie sieht es mit den schauspielerischen Fähigkeiten der beiden SP-Frauen aus, die sie am besten beurteilen können?

Gross: Ich kenne alle vier Kandidaten relativ gut. Meine Antwort bezieht sich auf alle. Nicht alle vier verdienen tatsächlich die Etikette, die sie für sich in Anspruch nehmen.

Auch Ihre Zürcher Kollegin Jacqueline Fehr pflegt gerne das Image als Brückenbauerin. Fraktionsintern sagen aber Kritiker, dass sie verbissen sei.

Gross: Auch ich habe gegenüber Frau Fehr Fragezeichen. Weil sie aus Zürich kommt, kenne ich sie schon sehr lange. Das Wort «verbissen» würde ich aber nicht brauchen.

Was für Fragezeichen haben Sie gegenüber Frau Fehr?

Gross: Ich will nicht weiter auf die Qualifikation der SP-Kandidaten eingehen. Das wäre nur kontraproduktiv.

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