«Wir müssen den benötigten Ärztenachwuchs künftig unbedingt wieder vermehrt in der Schweiz ausbilden können», sagt die Thurgauer CVP-Nationalrätin Brigitte Häberli. Einen wichtigen Schritt, um dies möglich zu machen, sieht ihre Partei in der Abschaffung des Numerus clausus, der Zulassungsbeschränkung für Ausbildungsplätze an den Universitäten. Häberli hat deshalb diese Woche einen parlamentarischen Vorstoss eingereicht, der ebendies fordert.

Diskriminierende Hürde

Fast jeder zweite Assistenzarzt in der Schweiz habe sein Diplom im Ausland gemacht, was weder bildungs- noch migrationspolitisch befriedigend sei, schreibt Häberli in der Begründung für ihre Motion. Tatsächlich geht der Spitalverband H+ davon aus, dass die Schweiz mehr als doppelt so viele Ärzte braucht, wie derzeit im Inland ausgebildet werden. «Der Numerus clausus schafft eine künstliche Verknappung der Ausbildungsplätze und entwickelt sich zu einer inländerdiskriminierenden Hürde», so Häberli.

Gleichzeitig betont sie, dass man in der CVP nicht an der Fachkompetenz ausländischer Ärzte zweifle. «Aber es gibt viele Schweizer Maturanden, die gerne ein Medizinstudium aufnehmen würden, es aber wegen des Numerus clausus schlicht nicht können», erklärt Häberli. Auch künftig solle das Studium von anspruchsvollen Prüfungen begleitet sein, um das Niveau der Ausbildung hochzuhalten. «Aber die Einstiegshürde Numerus clausus soll verschwinden», sagt sie.

Unterstützung von links bis rechts

Aus Zeitgründen hat Häberli ihren Vorstoss zwar nur von Fraktionskollegen mitunterzeichnen lassen. Doch auch bei Bildungspolitikern der anderen Parteien stösst sie mit ihrem Anliegen auf offene Ohren. «Der Numerus clausus steht in der heutigen Zeit tatsächlich etwas quer in der Landschaft», sagt etwa die Aargauer SP-Nationalrätin Pascale Bruderer. Angesichts des Mangels an Schweizer Ärzten sei es tatsächlich wichtig, das System zu überdenken. «Ich kann mir deshalb gut vorstellen, dass auch die SP-Fraktion die-sen Vorstoss unterstützen wird», sagt Bruderer.

Malama ist für Anpassung

Auch der Basler FDP-Nationalrat Peter Malama ist dafür, den Numerus clausus zumindest anzupassen. «Ich wäre dafür, ihn auf der Stufe zwischen Maturität und Studienbeginn aufzuheben und ein Probejahr einzuführen.» Während dieses Jahres hätten die Medizinstudenten dann Zeit, zu beweisen, dass sie die Voraussetzungen mitbrächten, um das Studium auch beenden zu können.

Positiv reagiert auch der Walliser SVP-Nationalrat und Gymnasiallehrer Oskar Freysinger. «Wenn man
die Personenfreizügigkeit schon immer damit begründet, dass es in der Schweiz zu wenige qualifizierte Arbeitskräfte gibt, dann ist es nichts als logisch, diese Forderung zu unterstützen», sagt er.