Ausweis

Die digitale ID soll das Online-Leben neu regeln – doch es gibt auch Kontroversen

Die Stadt Zug bietet bereits allen Einwohnerinnen und Einwohnern die Möglichkeit, eine digitale Identitaet zu bekommen.

Die Stadt Zug bietet bereits allen Einwohnerinnen und Einwohnern die Möglichkeit, eine digitale Identitaet zu bekommen.

Wer sich ausweisen muss, zückt Pass oder ID. In der virtuellen Welt ist es etwas komplizierter, zu beweisen, dass man ist, wer man ist. Bis anhin zumindest.

Der Bundesrat will eine digitale ID einführen. Mit dieser liesse sich die eigene Identität auch online einwandfrei belegen. Zwar gibt es bereits heute elektronische Identifizierungsangebote wie zum Beispiel die Swiss-ID, mit welcher sich Benutzer bei der Post, bei einzelnen Zeitungen, Banken und Kantonen einloggen können. Hinter den Angeboten stehen aber private Anbieter. Einzig Schaffhausen und die Stadt Zug haben bereits eine eigene elektronische ID geschaffen.

Die neu geplante elektronische ID hingegen entspricht einem offiziellen amtlichen Ausweis. Sie enthält Angaben zum Namen, Geburtsdatum, Geschlecht, Geburtsort sowie Staatsangehörigkeit und ist zudem mit einem Foto ausgestattet. Die E-ID kann sowohl bei Behörden als auch bei privaten Online-Portalen zum Einsatz kommen – vom Kauf eines öV-Tickets über die Bestellung beim Versandhaus bis zur Anforderung eines Straf- oder Betreibungsregisterauszugs. Im Unterschied zu heutigen Anmeldetools wird mit der E-ID die Identität zweifelsfrei belegt, was Vorteile mit sich bringt.

Wer heute zum Beispiel seine Steuererklärung online ausfüllt, erhält meist ein Passwort per Post zugestellt. Die handschriftlich unterschriebenen Formulare müssen wiederum im Papierformat ans Steueramt geschickt werden. Mit einer elektronischen ID würde der Postverkehr obsolet. Für Onlinehändler würde die Bonitätsprüfung von Kunden erleichtert, da Verwechslungen ausgeschlossen sind. Wichtig für den Jugendschutz ist die verlässliche Altersangabe. Anbieter gewisser Seiten könnten künftig verpflichtet werden, das Alter der Nutzer über die E-ID zu überprüfen, bevor sie ihre Inhalte zugänglich machen. Die Nutzer ihrerseits profitieren davon, dass sie sich nur noch ein einziges Passwort merken müssen – vorausgesetzt natürlich, die neue ID setzt sich durch. Dass dies nicht selbstverständlich ist, zeigt der Blick über die Landesgrenze.

Dürfen Private mitmischen?

Die staatliche E-ID ist zwar bereits weit verbreitet, kämpft allerdings mit Akzeptanzproblemen. In Deutschland zum Beispiel ist die Hälfte der Bevölkerung mit dem 2010 geschaffenen elektronischen Personalausweis ausgerüstet, nur drei Prozent nutzen die Karte aber auch. Denn die praktische Anwendung ist zu kompliziert und zu teuer. Bis vor kurzem musste sich ein separates Lesegerät anschaffen, wer auf die E-ID zugreifen wollte. Besser akzeptiert ist die elektronische Identität in Ländern wie Estland, wo die ID nicht auf einer Karte, sondern auf dem Smartphone gespeichert wird. Wie die E-ID in der Schweiz dereinst aussehen wird, ist noch offen. Das neue Gesetz macht dazu keine Vorgaben.

Für Kontroversen im Nationalrat sorgte gestern vor allem die Frage, ob private Anbieter bei der Herausgabe der E-ID mitmischen dürfen. Der Bundesrat und eine Mehrheit im Nationalrat will, dass der Staat für die Überprüfung der Identität einer Person zuständig ist, während kontrollierte Privatfirmen den digitalen Ausweis bereitstellen. Bereits in Stellung gebracht hat sich die Swiss Sign Group, welcher staatsnahe Betriebe wie die Post, SBB und Swisscom, einige Banken und Versicherungen angehören. Justizministerin Karin Keller-Sutter verwies auf Erfahrungen anderer Länder. Staatliche Lösungen seien wenig flexibel und könnten weniger schnell an neue Bedürfnisse und Technologien angepasst werden. Zudem führten die Eigenentwicklungen durch den Staat in der Regel zu hohen ungedeckten Kosten.

Die Ratslinke zeigte dafür wenig Verständnis, nicht nur aufgrund von Sicherheitsbedenken. Bei der Herausgabe einer ID gehe es um eine Kernaufgabe des Staates. Die Privatwirtschaft könne dabei, über einen Leistungsauftrag, durchaus behilflich sein, so die grüne Nationalrätin Sibel Arslan (BS). «Niemand verlangt beispielsweise, dass der Staat selbst Banknoten oder Pässe druckt. Aber er gibt die Pässe heraus, wacht darüber und schreitet bei Fehlverhalten ein.»

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